Texas

Und weiter ging’s nach Texas. Tiefste Provinz, und unfreundliche Menschen, trockene Landschaft voller Rinderherden, dreckige Städte, all dies und noch einiges mehr, hörten wir auf unserer Reise über Texas. Nichts davon traf ein. Texas empfing uns mit grünen Wiesen, viel Gewässer, Blumen, Sonne und freundlichen Menschen. Den Slang zu verstehen, war hingegen etwas gewöhnungsbedürftig ?

Dallas

Unser erstes Ziel war Dallas. Besser gesagt die South Fork Ranch. Auf dieser berühmten Ranch, die wohl nur den Älteren unter uns etwas sagt, wurden alle Aussenaufnahmen zu einer, der erfolgreichsten Fernsehserien der 80iger gedreht – Dallas ? Für die, die Dallas nicht kennen: LOL. So alt die Serie war, so designiert und verbraucht präsentierte sich die Ranch. Während wir auf den Start der Tour warteten, schlenderten wir durch den veralteten Shop und das Museum. In diesem waren Bilder, originale Drehbücher mit den handschriftlichen Korrekturen und Zeitungsausschnitte an den Wänden verteilt. Ein Highlight war der Fotograf, den ich zuerst für ein Überbleibsel der Serie gehalten hatte, der hier einfach vergessen wurde. Er war schlank, hatte schwarze enge Jeans, ein schwarzes Cowboyhemd und trug einen ebenfalls schwarzen Cowboyhut auf seinen weissen kurz geschnittenen und zerzausten Haaren. Er wirkte auf eine seltsame hollywoodmässige Art “verbraucht”. Tiefe Augenringe und Falten auf seinem sonnengegerbten Gesicht, erzählten die Geschichte eines bewegten Lebens. Er sah aus, als habe er gestern (vielleicht auch erst vor einer Stunde) zu tief ins Glas geschaut. Das er nicht ganz anwesend war bewies, dass er bei unserem “Dallas Andenkenfoto” die Objektivabdeckung nicht abnahm. Beim zweiten Versuch bemerkte er nach dem Foto, dass er keine Speicherkarte eingelegt hatte und so ging unser Dallas Foto mit unseren schicken Plastikhütten aus Fernost vor einem überdimensionierten und leicht vergilbten J.R. Ewing im wahrsten Sinne des Wortes ins Leere.

Die Tour unternahmen wir mit zwei anderen Pärchen auf einem grossen Anhänger, der von einem Traktor gezogen wurde. Der Anhänger war vermutlich für etwa 50-70 Menschen ausgelegt. Unser Guide unterhielt uns, in einem für uns fast unverständlichen Slang, indem er die Geschichte von Dallas erzählte. Die Tour wurden von einer Dame, nennen wir sie Maggie (habe ihren Namen vergessen :-)) im “Haus von Sue Allen” weitergeführt. Ich fühlte mich wie in einer luxuriösen Ausgabe eines Howard Johnsen Hotels. Das Witzige war, dass auf der South Fork Ranch nur Aussenaufnahmen gedreht wurden. Somit waren alle Räume im Haus Nachbildungen eines Studiosets aus Hollywood. Seeehr seltsam ?

Renate, eine Flugbegleiterin mit deutschen Wurzeln, die mit uns auf der Tour war und derzeit in Houston lebt (ursprünglich unser nächstes Ziel) empfahl uns Dallas zu überspringen, jedoch nicht direkt nach Housten zu fahren, sondern über Austin und San Antonio unseren Weg zu nehmen. (Der kleine Umweg stellte sich als 500 Kilometer Umweg heraus – aber er war es wert). Und so änderten wir unsere Tour und fuhren nach Austin. Was schon ein gewisse Ironie beinhaltete, da wir uns ursprünglich in Austin mit unserem Freund Tobias treffen wollten, es jedoch aus mehrern Gründen nicht klappte. Einer davon war, dass es zuweit entfernt war ?

Dallas ist eine der schnellst wachsenden Städe der USA und wurde mit Öl und Baumwolle gross. Der wohl bekannteste Tag in Dallas war der 22. November 1963, als Lee Harvey Oswald John F. Kennedy ermordete.

Austin

Vier Stunden später waren wir in Austin angekommen. Wir übernachteten auf einem wunderschönen Statepark im Süden von Downtown. Durch eine Reihe von Zufällen erhielten wir einen Stellplatz für zwei Tage und das ging so:

Spät Abends, gegen 11pm kamen wir inmitten von nirgendwo an und standen buchstäblich vor einem verschlossen Tor. Kein Ranger weit und breit und kein Schild, keine Telefonnummer nirgendwo, nichts. Während wir resignierend und sehr müde dabei waren, irgendeine Übernachtungsmöglichkeit mit dem Mobiltelefon zu finden, hielt ein Auto hinter uns und ein freundliches “Howdy” schallte uns entgegen. Dave informierte uns, dass alle Stateparks in Texas um 10pm ihre Pforten schliessen. Dieser Statepark, vor dem wir gerade standen, war nicht nur der Beliebteste, sondern auch ausgebucht und das nebenbei bemerkt schon sehr lange im Vorhinein. Dave uns seine Frau waren Camphosts hier. Dann fiel Dave ein, dass jemand auf Platz 84 heute nicht gekommen war und wir bis morgen auf diesem Platz stehen konnten – heute würde er nicht mehr kommen und wenn doch, kam er nicht durch das Gate ;-). Zuvor musste allerdings er die Erlaubnis des Parkrangers einholen, ob es uns erlaubt war, den Park ausserhalb der Öffnungszeiten zu betreten. Als Dave telefonisch die Privatnummer wählte und den Officer informierte, dass wir aus Kanada kämen, war die Sache geritzt. Vielen Dank. Dave eskortierte uns zu unserem Platz, wir führten unser übliches Prozedere durch und vielen erschöpft in unser Bett. Der nächste glückliche Zufall ereignete sich am nächsten Tag, als wir eine Nacht verlängern wollten. Hierzu fanden wir uns in der Rangerstation ein und reihten uns an eine recht lange Schlange, die alle das eine wollten – einen Platz, der frei war. Einer nach dem anderen wurde abgewiesen. Der Mut sank anfangs, dann standen wir einfach nur mit null Erwartungen in der Schlange und fragten, ob zufällig ein Platz für heute abend frei war und nannten unsere Platznummer. Die Dame blickte mit der gleichen Gelassenheit auf ihren Bildschirm, wie auch schon die dutzenden Male zuvor, blickte auf und informierte uns, dass der Platz (unser Platz) gerade storniert wurde und wir verlängern konnten. Zufälle gibts :-).

Austin selbst empfing uns voller Sonne und Leben. “Hippy-tip” würde unsere Freundin Debby sagen. Austin besass wie San Francisco eine rege Startup- und IT Szene. Dies zog viele junge Leute an, diese wiederum die Gastronomie, hippe Bars und Lokale. Das Flair, das Austin diese Tage auf mich ausübte, glich dem von Palo Alto oder Mountain View in Kalifornien. Auf den zahlreichen Macbooks, die unter uns neben Skizzen, Unterlagen und Notizbüchern verdeckt oder begraben waren, sah ich die üblichen mit nur allzu bekannten Programmen geöffnet. Ob Programmierfenster, Chats, Planungen oder einfach nur die Standard E-Mail- Programme – es ging zur Sache in Austin.

Für alle, die es nicht wissen, Austin ist die Hauptstadt von Texas, nicht Houston oder gar Dallas. Houston war es einmal, wurde aber 1839 von Austin abgelöst. Austin wurde nach Stephen Fuller Austin, dem Vater von Texas benannt und ist die schnellst wachsende, grosse Stadt in den USA.

San Antonio

Ein ungleicher Kampf nicht nur ohne Aussichten zu gewinnen, sondern auch keine Aussicht zu überleben, stand unmittelbar bevor. Präsident General Antonio López de Santa Anna hatte die rote Fahne gehisst, das Zeichen für keine Überlebenden. James Bowie (jeder kennt das Bowie Messer), Davy Crockett und der junge Commandant William B. Travis, waren drei der schillerten Figuren, die neben 100 anderen Soldaten, Farmern und Revolutionären am 05. März 1836 den Tod fanden. Gegen die Armee von ungefähr 1500 Mann von General Santa Anna war die kleine Zahl von Kämpfern machtlos. Dennoch hielten sie das Fort ganze drei Tage lange bis der Tod in Form der Übermacht über die Helden von Alamo kam. Ihr Tod und der Kampf um Alamo ist das Sinnbild von Freiheit und Heldentum in Texas. “The Alamo”, wie es dramatisch genannte wird, befand sich in Mitten von San Antonio und wir besichtigten dieses Denkmal. Die Stadt selbst erkundeten wir mit unseren Rädern.

Herauszuheben ist der Riverwalk. Der Riverwalk ist ein Fluss, der sich durch San Antonio schlängelt. Entlang des etwa 5 Meter breiten Flusses, der mit einer Vielzahl von kleinen Seightsseing Booten frequentiert wird, reihen sich Restaurants, Bars und Imbissbuden. Fast jedes Restaurant hat Tische und Stühle direkt am Walk. Es wirkte eng und hektisch und irgendwie hatte es die Betriebsamkeit von Venedig. Eine weitere Besonderheit des Riverwalks war seine vertiefte Position. Während die Stadt selbst, also Strassen, Gebäude und alles andere etwa 10 Meter über der Flussebene mit seinen Lokalen verlief, konnte man sich geschützt und ein wenig kühler als “oben” hier unten bewegen.

Buttermilk Cafe in New Braunfels

Ab und an hielten wir in kleinen Ortschaften, um einen Kaffee zu trinken oder einfach nur durchzufahren. Hier eine kleine Geschichte dazu:

Auf dem Weg nach San Antonio kamen wir durch die Ortschaft “New Braunfels”, einer fast zweihundert Jahre alten Siedlung. Als Willkommensspruch am Wasserturm stand “In New Braunfels ist das Leben schön”. Wir stoppten bei einem Kaffee mit dem Namen “Buttermilk Cafe” und frühstückten. Unser Kellner “Mike” war ein Bär von einem Mann. 195cm gross und ebenso breit (nicht alles Muskelmasse ;-)) Ein Vollbart, der auf chaotische Weise gestutzt war, verliehen seinem Aussehen etwas Wildes. Seine Freundlichkeit war konträr zu seinem Äußeren. Er begrüßte uns mit einem tiefen “Gooood Mooorning” ;-). Wir assen die Spezialität des Hauses: Spiegeleier mit Buttermilk Pancakes und tranken dazu einen Liter Kaffee. Der Kaffee wurde selbst geröstet und war köstlich, selbstverständlich nahmen wir uns eine frische Röstung mit.

Houston

“Houston wir haben ein Problem/Houston, we have a problem”. Die Aussage kennt wohl jeder. Tatsächlich sagte Jack Swigert am 13. April 1970 an Port der Apollo 13 auf dem Weg zum Mond: “Okay, Houston, I believe we’ve had a problem here.”. In unserem Fall hiess das Problem, viel Verkehr. Der 12- manchmal 14- Spur Highway erinnerte uns an Los Angeles in der Rushhour. Wir fuhren quer durch die Stadt, konnten Downtown im Stop- und Go Verkehr bewundern und erreichten Stunden später unseren RV Park, den wir uns für die Nacht herausgesucht hatten.

Am nächsten Morgen ging es zum Hobby International Airport und bestiegen ein Flugzeug nach …. Fortsetzung folgt.

Hi, ich bin Jürgen. Die meisten kennen mich als Jay. I know, das kann manchmal verwirrend sein. Wie ich zu meinem neuen Namen gekommen bin, hat mit hunderten falschen Starbucks Bechern, die allesamt mit anderen Namen beschriftet waren, zu tun. So kraftvoll wie in diesen letzten Jahren ist mir das Leben noch nie begegnet und es darf mich nicht wundern, dass ich das Reich von schnellen und unpersönlichen Geschäften und dem Erfüllen der Erwartungen der Gesellschaft hinter mir gelassen habe. Ich habe mein Sakko gegen Wanderkleidung und Shorts getauscht, das Aftershave gegen Insektenspray und mein Auto gegen einen Camper.

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