nervenaufreibende Aktion "AUSTRIAN EXTRACTION"

Wie kommen wir nur aus Mexico raus

Hör mal” sagte Nina im Flüsterton. Ich spitzte meine Ohren und lauschte. Holz knisterte im Lagerfeuer vor uns, ein paar Grillen begrüssten die Nacht und ab und an knarrte es im Unterholz. Ich hörte die übliche Musik des Waldes, der Natur und als ich nach oben blickte, erhellten Millionen Sterne den Nachthimmel. Es war einer dieser mondfreien Nächte inmitten der Sierra Nevada in Kalifornien. Wir hatten unser Nachtlager im Nirgendwo neben einem See aufgeschlagen. “Ich höre nichts”, antwortete ich fast eine Minute später. Ich konnte Nina´s zufriedenes Lächeln im Schein unseres Lagerfeuers sehen. “Ganz genau”, sagt sie.

"A long time ago, in a galaxy country far, far away...."

Wie meist auf unserem Blog ist seit unserem letzten Beitrag nicht nur viel Zeit vergangen, sondern auch viel passiert. Sehr viel. Nach der Kakao Zeromie in Playa del Carmen machten wir uns auf eine abenteuerliche Entdeckungsreise durch Mexiko. Nach dem Ablauf unseres Visums wollten wir dann in die USA einreisen, da uns der Weg in den Süden nach Guatemala durch neueste Einreisebestimmungen verwehrt war. Dieser Abschnitt unserer Reise führte uns durch die ärmsten und gefährlichsten Gegenden Mexiko´s und hat uns an unsere Grenzen gebracht. Begonnen hat diese Fahrt mit einem Motorschaden am Tag unsere Abreise. Es dauerte zwei Wochen, um mit viel Geld unseren Pepe von der korrupten Werkstatt “freizukaufen”.

Weiter ging es mit gefährlichen Situationen entlang eines abwechslungsreichen und armen Landes. Wir wurden von Polizisten ausgeraubt, mit Steinen und Bierflaschen beworfen, bedroht und bestohlen. Wir zahlten an jeder Ecke “Ausländersteuer”, die oft das zehnfache des normalen Preises war.

Doch was uns am meisten zu schaffen machte, war der ständige Lärm. Wenn jedes Land ein Wort hat, ist “Laut” das Wort von Mexiko. Immer und überall – vor allem am Land. Egal wo und wie wir unser Nachtlager aufschlugen, wenig später kamen von irgendwoher ein dutzend Mexikaner mit Hektoliter Bier und Lautsprechern, die jeden Discobesitzer neidisch werden liessen. Und dann johlten, schrien und betranken sie sich bis in die frühen Morgenstunden. Dann fuhr die Meute wieder ab, zurück blieben Tonnen von Müll. Manchmal trafen zwei unterschiedliche Gruppen zusammen, dann plärrten zwei unterschiedlich Songs aus nur wenigen Metern entfernt aufgestellten Diskolautsprechern. Nach der zwanzigsten Dose Bier binnen einer Stunde, stört das natürlich niemanden mehr. Bis auf – uns.

Eine der Höhepunkte dieser Abenteuerfahrt war die “Austrian Extraktion”. So hat unsere Freundin Janel, die nervenaufreibende Aktion genannt, um uns – die zwei Österreicher – aus Mexiko rauszubekommen und sicher in die USA zu bringen. Und von dieser “Austrian Extraktion” will ich euch berichten, um euch einen Geschmack unserer Mexiko Reise zu geben.

So nehme ich euch nun an der Hand, springe in meine Gedankenzeitmaschine in die Szene “Eins” dieses mehrtägigen Schauspiels. Denn die interessantesten Geschichten schreibt bekanntlich das Leben. Schauplatz der Szene “Eins” ist der menschenleere US Grenzübertritt in der Nähe eines der gefährlichsten Städte Mexikos – Laredo. In den Hauptrollen: die zwei Österreicher (das wären dann wir) und ein besonders übelgelaunter amerikanischer Grenzpolizist. In den Nebenrollen ein weiterer Grenzpolizist. Und noch einer. Und dann noch einer. Und dann noch eine Grenzpolizisitin. Zu ihrer üblen Laune kam auch noch ihr aggressives Verhalten hinzu. Und zu guter Letzt, ein weiterer übel gelaunter Grenzpolizist. Alle hatten sich um unseren Camper versammelt und freuten sich zwei Reisende wie Hochkriminelle zu behandeln. Polizist Ramires (habe den richtigen Namen verdrängt), auserkoren, um das heilige Land vor den fiesen Reisenden aus Mexiko mit österreichischen Reisepässen und einem gefährlich aussehenden amerikanischen Auto zu verteidigen, verweigerte uns nach zwei Stunden Befragung die Einreise. Die Entscheidung war klar – wir mussten zurück nach Mexiko.

Begonnen hatte das Ganze mit einem Virus, der von China aus der Welt den Kopf verdreht hat…das war nun doch ein wenig zu früh angesetzt. Also noch einmal: Begonnen hatte das ganze Fiasko einige Stunden früher in der grössten Stadt im Norden Mexikos – Monterrey.

So sah der Start in unser Abenteuer aus

Teil 1: Gutgläubig und naiv

Lass uns heute noch die Grenze überqueren”, sagte Nina mit hoffnungsvollen Worten. “Ok”, sagte ich wenig begeistert. Es war nicht etwa so, dass ich nicht von Mexiko wegwollte, ich hatte nur keine Lust auf die Grenzbeamten und die bürokratische Abwicklung. “Wird schon schiefgehen”, meinte Nina aufmuntern. 
 
Drei Stunden Fahrt trennten die vor Hitze glühende Stadt von der Mexikanisch-Amerikanischen Grenze. Dazwischen, Wüste und eine für Mexiko erstaunlich gute Strasse. Was es nicht gab, waren Dörfer und Tankstellen, dafür die teuerste Mautstrasse in Mexiko. Etwa 20 USD mussten wir für diese berappen, bis wir uns 40 Minuten westlich und ausserhalb von Laredo am Grenzübertritt “Columbus” wiederfanden. Als eine der letzten Handlungen auf der mexikanischen Seite war das “TIP” beim Banjercito Schalter zurückzugeben und unsere 400 USD Kaution zurückzuholen. Dies hatte den Sinn, dass das Auto offiziell das Land verlassen kann. Es standen hohe Strafen darauf, wenn das Auto im Land verblieb. Banjercito, die Behörden die für das TIP zuständig war, hatte uns von Anfang an das Leben schwer gemacht.
 
So auch dieses Mal. Anstatt eines Schalterangestellten fanden wir ein Schild vor. Dies verkündete die Öffnungszeiten des Schalters und verwies auf den Banjercito Schalter direkt in Laredo und falls ich es noch nicht erwähnt habe: Laredo gilt als eine der gefährlichsten Städte Mexikos. Hatte ich ausserdem erwähnt, das wir innerhalb der Öffnungszeiten waren? Vermutlich war der Beamte mit seinen Bruder Mario beim Biertrinken (kleiner Insiderjoke). Uns blieb nichts anders übrig, als direkt nach Laredo zurückzufahren. 
 
Die Stadt unterschied sich nur in einem Detail von anderen verdreckten, heruntergekommenen und armen Städten Mexikos – viele Autos hatten keine Nummernschilder. Ich wertete dies als schlechtes Zeichen. Wir erreichten unbeschadet die Banjercito Einrichtung in Laredo und ich machte mich auf eine stundenlange, bürokratische Abwicklung gefasst. Ich wurde positiv überrascht: Nur ein Angestellter verlangte Schmiergeld und es dauerte nur 1 1/2 Stunden um ein bereinigtes TIP und somit 400 USD in Cash in meinen Händen zu halten. Und weil wir so guter Laune waren, spazierten wir noch durch Downtown Laredo und gingen ein wenig shoppen. Das taten wir natürlich nicht. So lebensmüde waren wir nun auch wieder nicht.

Wir fuhren zum Grenzübertritt, der nur fünf Minuten vom Banjercito Schalter entfernt lag. Ein mexikanischer Grenzpolizist stoppt uns, fragte wo es hingehen sollte. “Nach Hause”, brach es aus mir hervor. Kam mir ein wenig wie E.T. vor (für die unter euch, die keine Ahnung haben was das ist -> Link hier) Wir erfuhren dass dieser Grenzübertritt geschlossen war, wir müssen zu einem anderen Grenzübertritt in der Stadt. Der Grenzpolizist vertrat uns den Rückweg, als wir umdrehen wollten. Er zeigte mit einem schmutzigen Lächeln nach Downtown Laredo. “Warum nicht diese Richtung?”, fragte ich und zeigte in die Richtung von der wir gekommen waren. Das kostet 100 USD meinte er. “Und diese Richtung?” und wies auf Downtown Laredo. “Ist kostenlos. Und seeeeehr gefährlich”, meinte er mit noch immer mit seinem dreckigen Lächeln in seinem rundlichen verschwitzen Gesicht. Dann nach einer Pause fügte er hinzu “Seeeehr gefährlich”. Ich bedankte mich in herablassendstem Ton, den ich in meinem monatelangen aufgestauten Ärger zusammenbrachte und wir fuhren nach Downtown Laredo.
 
Ich sah zu Nina und sagte “Wird nicht gefährlicher sein, wie andere Städte in Mexiko”. Ich dachte an eine Situation in Acapulco, als wir den Flohmarkt besuchen wollten und von einem Ladenbesitzer mit den Worten “Was zum Teufel….” in Richtung der weniger kriminellen Gegend geschickt wurden. *Kawumm*, eine halb volle Bierdose knallte gegen die Windschutzscheibe und riss mich aus meinen Gedanken. “Was zum Teufel”, schrie ich, als ich realisierte was gerade passiert war. Ich musste mit dem Scheibenwischer das restliche Bier von der Windschutzscheibe wischen, um wieder sehen zu können. 

Wir fuhren weiter. Wir sagten nichts. Hundert Meter später trat ein Mexikaner bei einer Ampel mit seinem Fuss auf unsere hintere Stossstange und hinterliess eine hässliche Delle. Ich fuhr trotz roter Ampel weiter. “Vergiss die andere Grenze”, sagte ich hastig zu Nina, die mir die Richtungen zurief. “Wir fahren zurück zu Columbia Crossing” fügte ich hinzu, als ich das Steuer herumriss, um eine Abzweigung zu nehmen. Dafür erntete ich Gehupe von kreuz und quer fahrenden Autos und Geschrei von mehreren Passanten. Ein paar Seitenstrassen weiter warf ein kleines Kind einen faustgrossen Stein auf uns. Der Stein traf uns seitlich auf der Windschutzscheibe und hinterliess einen Riss (ein paar Wochen später sprang unsere ganze Windschutzscheibe und wir mussten diese tauschen). Einige wütende Schreie und Drohungen später waren wir aus Laredo raus und wieder auf dem Weg zur Columbia Crossing.

Wir redeten wenig und waren angespannt. Es dämmerte als wir offiziell aus Mexiko ausgereist waren und zur US Grenze kamen. Zwei Grenzpolizisten, bereits auf der US Seite, stoppten uns direkt auf der Brücke, also noch vor der eigentlichen Grenze. “Die Grenze ist geschlossen”, schallte es in Englischem strengen Ton zu uns.
Irgendwo in Monterrey

"Die Grenze ist geschlossen"

Wir waren natürlich vorbereitet. “essential travel” war erlaubt und so hatten wir einen, ohnehin längst überfälligen Post- OP – Checkup Termin für meinen Nacken in San Antonio – Texas, nur eine Stunde von der Grenze entfernt, vereinbart. Wir hatten den Schriftverkehr mit dem Wirbelsäulenzentrum und die Terminbestätigung dabei. Für die zwei Grenzpolizisten, die uns vor der Brücke aufgehalten haben, schien alles in Ordnung zu sein und wir wurden zur eigentlichen Grenze vorgelassen. Nun schöpfte auch ich Hoffnung, dass wir es schaffen würden.
 
An der eigentlichen Grenze versammelte sich nun eine ganze Horde an Grenzpolizisten. Endlich, es war etwas los. Yay. Mit der üblichen Feindschaft eines US Grenzpolizisten wurden wir empfangen und verhört. Es half nichts. Gesetze und Vorschriften hatten wenig Platz an der US Grenze. Wer über die Grenze durfte, entschied der Polizist. Und er entschied sich dagegen. “Officer Sanchez” (oder wie immer er auch hiess) verhielt sich, also ob wir in ein Kriegsgebiet fahren würden und er die letzte Bastion war zwischen den armen, verlorenen und wehrlosen Amerikanern und den übermächtigen, gefährlichen Ausländern, die das Land in Schutt und Asche legen wollten. Ich werde nie verstehen, wie ein so grossartiges Land, dass so voller interessanter, freundlicher und zuvorkommenden Menschen ist, solche aggressiven, unfreundlichen und menschenverachtenden Subspezies hervorbringen kann. Ich denke dabei an ein Ereignis auf dem kanadischen Grenzübertritt, als ein bulliger Grenzpolizist einen Indischstämmigen Mann mit Turban, wie Dreck behandelt hatte.
 
Nina sprach “Officer Sanchez” direkt auf die offizielle Verordnung für “essential travel” an. Er meinte nur “Ich weiss, aber hier entscheide ich”. Und so fuhren wir mit einer Niederlage reicher über den Rio Grande zurück nach Mexiko.

Teil 2 - Die erneute Einreise

Wir kamen nur etwa zweihundert Meter. Dann standen wir an der mexikanischen Grenze. Hier wurden wir von Mexikanischen Grenzpolizisten aufgehalten. Sie verlangten unsere Reisepasse, stellten uns tausend Fragen, durchsuchten mit Drogenhunden das Auto und den Camper und meinten schliesslich, wir dürfen nicht einreisen. Da musste ich schlucken. “essential travel” only, hiess es. Ich konnte es nicht glauben, daran hatte ich nicht gedacht. Seit ein paar Tagen hatte die mexikanische Grenze erstmals eine “essential travel” Vorschrift eingeführt. Wir erklärten unsere Situation und unseren gescheiterten Versuch die Grenze zu überqueren so gut es ging. Als wir zum tausendsten Mal von Mexikos Offiziellen als Abschaum behandelt wurden, traten Tränen in Ninas Augen. Die Situation überforderte sie. Was auch auch kein Wunder war, bei der ganzen Feindseligkeit, die uns wie ein Tsunami entgegenschlug. 
 
Irgendwann später, glaubten uns die mexikanischen Polizisten, liessen uns einreisen und wir standen vor dem nächsten Alptraum. Wir benötigten ein neues Visum und ein neues TIP. Ja, ein T.I.P.. Bei diesen drei Buchstaben läuft es mir heute noch kalt den Rücken runter. Es war mittlerweile Mitternacht und wir seit 5 Uhr morgens auf den Beinen und seit etwa 10 Stunden im Auto. Das neue Visum hatten wir im Handumdrehen, doch das TIP…was soll ich sagen, ein Alptraum. Dies alleine wäre eine Story für sich, die ich euch vorenthalte, um uns nicht in den einzelnen Alpträumen zu verlieren.
 
Gegen 3 Uhr nachts waren wir wieder offiziell in Mexico eingereist, mit einem gültigen sechs Monatsvisum für uns und “Pepe” – unserem Camper. Das nächste Problem ließ nicht lange auf sich warten. Unser Tank war leer. Ich war unklugerweise von einem Erfolg unserer Mission “über die Grenze nach Hause” ausgegangen und hatte geplant den Tank zu einem Bruchteil des Preises in Texas aufzufüllen. 
100 USD fürs Umdrehen
Dem Ziel so nahe
Wir benötigen einen Plan
Darüberhinaus hatten wir positiv wie wir waren, unser gesamtes Bargeld ausgegeben. So fuhren wir in guter Hoffnung zur einzigen Tankstelle ausserhalb von Laredo und hofften auf das Beste – dass sie Kreditkarten akzeptieren. Ich bog gerade ein, also ich ein Auto vor uns sah, dass dem Angestellten das Kreditkarten Terminal zurückgab. Ich jubelte innerlich auf. Ich stoppte und fragte wie immer, ob das Terminal funktionierte (was nicht immer der Fall in Mexiko war). “Nein, leider funktioniert es heute nicht”, sagt er mir. Ich brauchte ein wenig um das zu verdauen. Nina schluckte neben mir. “Aber…” begann ich und sah schon sein Lächeln, dass ich ihm in diesem Augenblick, gerne mit meiner Faust verschönert hätte. “Dollar?”, fragte er. “Was ist der Wechselkurs?”, fragte ich ihn. Er überlegt und meinte “12”. “12???”, wiederholte ich ungläubig. Der schlechteste Wechselkurs den wir auf US Dollar jemals hatten war 18. “Sicher nicht”, sagt Nina mit ärgerlicher Stimme. “Und was sollen wir deiner Meinung nach machen?, nach Laredo fahren?, nachts?”, entgegnete ich nicht minder verärgert. Sie hatte keine Ahnung, wollte dem Aasgeier von Tankwart aber kein Geld geben. Es war genug der Ausbeuterei. Monatelange waren wir wie ein fahrender Geldautomat behandelt worden. Das Fass war voll. Doch was tun? Wir standen im Nirgendwo, es war gefährlich und wir waren am Ende mit unseren Kräften, mussten aber heute noch einigen Abstand zu Laredo bringen. Ich versuchte zu verhandeln, doch er hatte keinen Grund uns entgegenzukommen. 
 
Wie eine Fliege im Netz einer Spinne, fügten wir uns schließlich dieser gierigen Spinne. Ich überschlug im Kopf wieviel wir benötigen würden, um bis zur nächsten Tankstelle zu gelangen. Ich reichte ihm 28 USD und er tankte. Wie immer kontrollierte ich die Anzeige der Tanksäule, dass diese auf “0″ stand. Dieses Mal stand etwas auf dem Display und ich machte ihn darauf aufmerksam. Er löschte die Anzeige und begann dann unseren Tank zu füllen.
 
Einige Meilen weiter südlich fanden wir uns plötzlich vor der Mautstelle wieder. Ich schlug mir gegen die Stirn. Ich Idiot hatte diese völlig vergessen. Ich hatte vor lauter Müdigkeit vergessen die normale Strasse – ohne die Maut – zu nehmen. Das Kreditkartenterminal funktionierte auch hier nicht und so gelangten wir ins nächste Spinnennetz des nächsten gierigen Mexikaners. Diesesmal war der Wechselkurs bei 13. Nina zittert vor Wut und Verzweiflung. Mir ging es nicht viel anders. Kurz vor Sonnenaufgang stoppten wir bei der einzigen Tankstelle. Wir fuhren nur noch auf Benzindämpfen so leer war unser Tank. Anstatt zu tanken, vielen wir erschlagen ins Bett.
 
Wir waren nervlich überspannt und und an Schlaf war nicht zu denken. So dämmerten wir voll mit Adrenalin vor uns hin. Ein Auge und ein Ohr immer auf die Aussenwelt gerichtet, wie ich es fast jede Nacht im letzten Monat getan hatte. Etwa drei Stunden hielten wir es auf dem Truckstop aus, es wurde geschrien und getrunken. Bierflaschen zerschellten irgendwo am Boden und laute mexikanische Musik dröhnte wie in einer Disco an unseren Camper. Als ein LKW Fahrer direkt neben unserem Camper seine Notdurft verrichtete, fuhren wir weiter – zurück nach Monterey.

Teil 3 - Wir haben einen Plan

Da Monterey keinen Campingplatz hatte und es mit etwa 42C tagsüber und 33C in der Nacht zu heiss zum irgendwo schlafen war, buchte wir uns ein Hotel mit einem Parkplatz. Nach vielen Problemen beim Hotel-Checkin verkrochen wir uns erstmal in das klimatisierte Hotelzimmer. Was nun? Länger in Mexico zu bleiben kam für uns nicht in Frage. Wir konnten nicht nach Süden und wir hatten bereits alle Transportoptionen über Land und See vor unserer gestrigen Niederlage wochenlang recherchiert.
 
Uns blieben nur zwei Möglichkeiten: Die erste ist das Auto irgendwo einzulagern, dass Land zu verlassen und irgendwann wiederzukommen, um das Auto zurück in die USA zu bringen. Die zweite Möglichkeit ist, einen amerikanischen Staatsbürger dazu zu bringen, uns an der Grenze zu treffen und unser Auto über die Grenze zu bringen. Die erste Variante verwarfen wir schnell, da wir nicht daran glaubten unser Auto wieder vorzufinden, wenn wir eines Tages zurückkommen würden.
 
Es war Zeit unsere Situation mit Freunden zu klären. Mark und Janel, unsere Freunde die uns auch in Playa del Carmen besucht hatten, starteten das Projekt “Austrian Extraktion”. Einen Weg finden, um die zwei Österreicher und Ihr amerikanisches Auto über die Grenze zu bringen. Wir diskutierten mehrere Varianten. Es war klar, dass das Auto das Problem war, wir selbst könnten einfach in die USA fliegen. Die Luftgrenze war ja nicht geschlossen. Jeder, der sich mehr als 14 volle Tage in Mexiko aufhielt, durfte in die USA via Flugzeug einreisen. Normale Visa Bedingungen natürlich vorausgesetzt. Wir schalteten zusätzlich noch Ken und Cherry ein, die uns auch in Playa del Carmen gemeinsam mit Janel und Mark besuchten. Janel war zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden würden.  
 
Ich habe eine Lösung” stand in einer Nachricht von Janel, die wir am nächsten Tag erhielten. Wir telefonierten. Janel’s Tochter’s Geschäftspartner kannte eine Frau und deren Mutter war bereit uns zu helfen. Das musste ich erstmal verdauen. Wow, eine uns wildfremde Person mit dem Namen Linda würde uns retten. Einen Tag später hatten wir mit Linda gemeinsam einen Plan entworfen und der sah so aus: Linda würde mit ihrem Auto zu einer Freundin in Houston fahren und sich von dort zum Flughafen bringen lassen. Dann würde sie mit einem dreistündigen Flug nach Monterrey fliegen, wo wir sie am Flughafen abholen würden. Anschliessend würden wir sie mit einem Mietauto zur Grenze eskortieren, um dann wieder zurück zum Flughafen zu fahren um selbst nach San Antonio in Texas zu fliegen. Linda würde uns dort abholen. Gemeinsam würden wir dann Linda ins 5 Stunden entfernte Houston bringen.
 
Wir hatten einen Plan. Nina buchte alles. Flüge, Mietwagen, etc.. Wir bereiteten alle möglichen Unterlagen vor. Beglaubigte Erklärung, dass Linda unser Auto fahren durfte, wir liessen sie in unsere Versicherung eintragen und liessen sogar die Fahrzeugpapiere, die bei Janel gelagert waren, per Fedex zu Linda senden. Zusätzlich gab es noch einen Covid Test für uns.
Vor dem Covid Test
Covid Test Equipemnt
Mhhmm?

Teil 4 - Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert

Der grosse Tag war gekommen unser Wecker klingelte. Erste Handlung war, uns auf unseren Flug einzuchecken. Dies war nur 12 Stunden vor dem Abflug möglich. Einchecken funktionierte nicht, die Website von Viva Airbus – eine mexikanischen Billigfluglinie funktionierte nicht. Wir hatten am Vorabend bereits alles gepackt und in unseren Camper verräumt und auch gleich aus dem Hotelzimmer ausgecheckt. 
 
Als wir zur Lieferantenausfahrt kamen – wir waren zu gross für die normale Ausfahrt – liess uns der Wachmann nicht passieren. Obwohl mehrmals mit dem Hotel abgeklärt, wusste dieser Wachmann von nichts. Und natürlich sprach er kein Englisch. “Wir müssen zum Flughafen”, herrschte ihn Nina an. Schliesslich zog er sein Funkgerät heraus und begann mit Irgendjemandem zu reden. Dann sagt er meine Lieblingaussage in Mexico “No”. Ich hasste diesen Kerl in diesem Moment und wünschte ihm Warzen ins Gesicht – oder etwas anderes. Ich rannte die etwa 500 Meter zurück zum Hotel (wir konnten bei der Ausfahrt nicht wenden), um die Angelegenheit mit dem Rezeptionisten zu bereden. Der wusste von nichts. So erklärte ich unsere Situation mit mässiger Geduld und schliesslich nahm er das Funkgeräte und sprach mit dem Wachmann. Ich lief wieder zurück und tatsächlich wurde der Schranken für uns geöffnet.

Schliesslich ging die Tür auf und eine Flugbegleiterin schob eine weisshaarige Lady in einem Rollstuhl heraus. “Oh verdammt, was ist passiert?”,

Einem Stau später waren wir am Flughafen, auf dem wir mit Pepe keinen gross genügen Parkplatz finden konnten. Zweimal wurden wir von Wachmännern angeschrien, dass wir dort und hier nicht parken durften. 30 Minuten später standen wir am Viva Airbus Servicedesk um unser Problem mit dem Checkin zu lösen. Das Problem war unbekannt und also wir gemeinsam auf unserem Smartphone den Checkin durchgingen, versammelte sich das ganze Servicepersonal wie Schaulustige bei einem Autounfall. Lösung gab es dennoch keine. So blieb uns nur übrig den Checkin beim Schalter zu machen, der erstens erst drei Stunden vor Ablug geöffnet hatte und zum zweiten eine Stunde vor Abflug auch schon wieder schloss. Unser Zeitplan würde dies aber nicht zulassen. Laut unserem Zeitplan kamen wir erst 30 bis 40 Minuten vor dem Abflug am Flughafen an. Schneller fahren? Das würde knapp werden. Sehr knapp.
 
Mit gesenkten Köpfen gingen wir zu den Mietwagen Schaltern. Es gab eine Menge unterschiedlicher Anbieter. Alle bis auf einen waren mit Mexikanerinnen besetzt, die entweder Ihre Nägel feilten oder anmalten. Nur ein Schalter konnte keine gelangweilte Mexikanerin vorweisen – unserer. An dieser Stelle muss ich dir lieber Leser versichern, dass wir uns diese Geschichte nicht ausdenken. Ich weiss es klingt unglaublich aber wir hatten ein paar echt üble Tage und das Absurde daran ist, ich lasse viele Pannen aus (kein Frühstück im Hotel trotz Bezahlung, wir wurden im Kaufhaus bestohlen, ein ganzer Häuserblock neben unserem Camper brannte ab und etwa 20 Feuerwehrautos benötigte die ganze Nacht um das Feuer unter Kontrolle zu bringen, die Klimaanlage im Hotel viel aus, ein Uber Fahrer weigerte sich uns mitzunehmen, etc.) Zurück zum Mietauto. Ich telefonierte eine halbe Stunde mit der Sixt Hotline Mexico, die ich auf Google fand. Das unser Schalter nicht besetzt war und es vereinbart war hier das Auto abzuholen, wurde von meinem Gesprächspartner zwar bestätigt, aber mit keinem Wort bedauert. Wir mussten schliesslich mit einem Taxi zu einem anderen Terminal fahren, um uns von dort von Sixt abholen zu lassen um zum eigentlichen Verleihstandort zu kommen. 
 
Mit dem Mietauto kamen wir dann zurück zum Terminal 20 Minuten nachdem Lindas Flug gelandet war. Wir suchten den Flughafen und den Parkplatz ab. Wir hofften, dass Linda noch aus dem Securitybereich herauskam. Eine weitere halbe Stunde verstrich. Niemand kam mehr. “Unser ganzer Zeitplan ist hinüber”, sagt ich während wir mit einem Willkommensschild auf Linda warteten. Schliesslich ging die Tür auf und eine Flugbegleiterin schob eine weisshaarige Lady in einem Rollstuhl heraus. “Oh verdammt, was ist passiert?”, rief ich. “Linda? Was ist passiert”, fragte Nina an Linda gewandt. “Ich bin nur faul”, merkte sie mit einem Lächeln an und stand auf. Hatte ich erwähnt, dass Linda fast 70 Jahre alt ist?
Unser Engel Linda
Der unbesetzte Sixt Schalter
Falscher Terminal

Teil 5 - Auf zur Grenze

Linda hiefte sich auf den Beifahrersitz von Pepe und Nina ans Steuer. Ich sprang ins Mietauto und los gings. Auf zur Grenze. Wir kamen etwa 3 Kilometer. Dann standen wir im Stau vor der Mautstelle. Ich sah alle paar Sekunden auf die Uhr und rechnete mir aus, wie schnell wir fahren müsste, um rechtzeitig bei der Grenze mit Linda zu sein und dann wieder umzudrehen und rechtzeitig wieder am Flughafen zu sein (inkl. der Mietautorückgabe), um unseren Flug zu erwischen – Achja und noch zuvor einzuchecken. Es sah nicht gut aus. Überhaupt nicht gut. 
 
Eine Viertelstunde später wies ein Autobahnangestellter Autos den einzelnen Ticketschalter zu. Er winkte mich an einen Schalter, wo noch kein Auto stand. Ich öffnenete das Fahrerfenster und reichte meine Kreditkarte an den Angestellten. Es war keiner da. Der Schalter war unbesetzt. Ich blickte mich nach einen Automaten um, Fehlanzeige. Der Autobahnangestellte hatte uns zu einem unbesetzten Schalter  gelotst. Und nicht nur mich. Eine ganze Wagenkolonne hatte sich hinter Pepe aufgereiht. Ich stieg aus, ging zu Nina und erklärte die Situation. Das Auto hinter Nina begann zu hupen. Ich ging nach hinten und schaute wieviel Platz war, sodass Nina aus dem Schalter zurückfahren konnte und sich zum nächsten belegten Schalter drängen konnte. Gesagt, getan. Ich hielt die Autos auf, indem ich mich einfach zwischen Pepe und das andere Auto stellte und somit das Weiterkommen verhinderte. Dieses Vorgehen verschaffte mir wütendes Geschrei, Gehupe und ein Fahrer eines roten VW wollte  sogar aussteigen und was-weiss-ich machen, doch glückllicherweise war er zu beleibt und blieb am Lenkrad hängen als er es versuchte. Trotz der verrückten Situation musste ich schmunzeln. Als Nina auf dem Weg war, lief ich zurück zum Mietauto und fuhr mit Dauerhupe ebenfalls zurück und drängte mich zu einem geöffneten Schalter. Da der Dicke noch im Lenkrad hing und seinerseits den Verkehr blockierte, hatte ich freie Fahrt.
 
Mit dieser Aktion, war nun endgültig klar, dass wir es nicht mehr zur Grenze schaffen würden. So blieb uns nur noch den Flug auf morgen zu verschieben und ein Hotel für Linda in Texas zu finden, falls sie es über die Grenze schaffte, um dort zu übernachten. “Ihr macht euch ja mehr Gedanken als ich”, stellte Linda zu Nina gewandt fest. “Wir fahren solange wie es geht und dann dreht ihr einfach um”, fügte sie noch hinzu. Wir schafften es, durch schnelles Fahren fast bis zur Grenze. Nur noch eine halbe Stunde wäre es gewesen, doch wir hatten unser Zeitkontingent bis zur letzten Minute aufgebraucht. Wir hatten Linda alle Unterlagen übergeben und die Abwicklung mit dem TIP übergeben (Linda musste das TIP auflösen). Wir hatten Linda in ihrem Telefon, dass in Mexico nicht funktionierte, die Navigation bis San Antonio eingegeben und die Offline Karte heruntergeladen. Nun standen wir am Schotterrand der Autobahn. LKWs rasten knapp an uns vorbei und wirbelten Staub auf, als ob wir in einen Sandsturm gekommen wären. Es war Zeit sich zu verabschieden. “Viel Glück”, wünschten wir Linda und ich hatte ein richtig schlechtes Gewissen Linda alleine fahren zu lassen. Was ist, wenn es Probleme mit dem TIP gibt, was, wenn sie die Grenze nicht übertreten konnte und wieder zurück müsste, ohne Möglichkeit uns zu kontaktieren, was, wenn sie von einem dieser verrückten mexikanischen Polizisten aufgehalten würde. Linda hingegen, war die Ruhe selbst “Das wird schon”, redete sie uns beruhigend zu. 
 
Was für eine Lady, dachte ich nur als wir in das Mietauto sprangen und über den Schotterbereich, der die zwei Asphaltbänder trennte rasten, um auf die Gegenseite zu kommen. Mit überhöhter Geschwindigkeit rasten wir Richtung Flughafen. Dabei sah ich alle paar Minuten auf die Uhr. “Linda müsste jetzt an der Grenze sein”, sagt ich nach einer halben Stunde. “Linda müsste das TIP nun erledigt haben”, sagte ich nach einer Dreiviertelstunde. Nach einer Stunde wurde ich nervös. “Sie müsste sich schon gemeldet haben”, stellt ich in dunkler Vorahnung fest. “Was ist, wenn sie Probleme auf der Grenze hatte?”, fügte ich besorgt hinzu. Nina meinte beruhigend “Wird schon, du kennst ja den Banjercito. Ein TIP auflösen kann länger dauern”. Ich nickte. Nina sendete Linda eine SMS und fünfzehn Minuten später noch eine. Eine weitere Viertelstunde sagte ich “Wir müssen umdrehen”. Nina widersprach nicht. Genau in diesem Augenblick kam eine SMS von Linda “Alles gut, habe angehalten um einen “nap” zu machen”. Ein Stein fiel uns vom Herzen, sie hatte es über die Grenze geschafft. Yay.
Irgendwo auf dem "Highway des Teufels" verlassen wir Linda

Teil 6 - Es ist erst vorbei ,wenn es vorbei ist

Wir erreichten den Flughafen etwas früher als gedacht und fuhren direkt zum Sixt Schalter. Ich sprang aus dem Auto und ins Innere des kleinen Verkaufsgebäudes. “Wir sind spät dran und benötigen dringend ein Taxi zum Terminal”, informierte ich hastig den Angestellten, der mich mit blutunterloffenen Augen ansah. Als er mit mir redete, roch ich das Bier in seinem Atem. Das kann doch alles nicht war sein, dachte ich nur, als er hinter mir nach draussen wankte. Er kontrollierte alle Wageninhalte, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte: Zwei Scheibenwischer, vier Radkappen, ein Reservereifen, ein Wagenheber. Er schaltete das Licht ein und vergewisserte sich, ob alle Lämpchen noch da waren. Und so weiter. Dann bat er uns in das Auto zu steigen, er bringe uns zum Flughafen. Nina blickte mich an und zuckte mit den Schultern. “Was solls, Hauptsache wir können Mexico verlassen”, murmelte sie als wir in Schlangenlinie zum Terminal gebracht wurden.

Am kleinen Terminal hasteten wir zum Checkin und wurden bevor wir diesen erreichten von einem Angestellten aufgehalten, der uns prompt zum Ausreiseschalter begleitete. Wenn man in Mexico das Land via Flugzeug verlässt, dann muss man zuerst ausreisen. Also Pässe an den gelangweilten Grenzpolizisten. Ninas Pass auf, blättern, blättern, blättern, stoppen, am Computer tippen, nochmal einen Blick auf den Pass und “Bammmmm” – Stempel rein. Mein Pass auf, blättern, blättern, blättern, stoppen, am Computer tippen, nochmal einen Blick auf den Pass, dann wieder auf den Computer. Kein Stempel. “Du kannst nicht ausreisen, weil du nicht eingereist bist”, sagte er mir im gelangweilten Ton. “Dann kann ich also gehen?”, fragte ich ihn ungläubig und verzweifelt. “No”, antwortete er. Ich fragte ihn, ob er noch einmal schauen konnte, er tippte erneut und sagte erneut “No”. “Nicht im Computer”.
 
Es folgte eine wilde Erklärung, dass er meinen Namen in der internationalen Schreibweise wie im Pass abgedruckt verwenden solle. Er hatte einfach das “ü” nicht getippt, da es auf seiner Tastatur nicht vorkam. 15 Minuten später war auch ich ausgereist. Wir waren am Check-in Schalter und hatten noch ganze fünf Minuten um einzuchecken. Haha, auf die letzte Minute. Ich reichte der Dame unsere Pässe. Sie blätterte herum und scannte unsere Pässe auf ihrem Computer. Dann meinte sie “Sie können nicht boarden, da die USA eine Zeit von 14 vollen Tagen in Mexico fordert”. Sie machte ein Pause und fügt dann hinzu “und sie sind erst seit ein paar Tagen in Mexico”. 
 
Da war ich erst mal sprachlos. Das Schlimme war, sie hatte recht. Wir waren erst vor wenigen Tagen nach Mexico eingereist, doch hatten wir das Land ja nicht verlassen. Naja, streng genommen waren wir für drei Stunden auf US Boden. Ich  versuchte die Situation so gut wie möglich zu erklären, doch ihr Englisch reichte nicht aus, um der Geschichte zu folgen. Sie schüttelte nur den Kopf. Ob durch mangelndes Verständnis oder weil sie nicht helfen wollte, wusste ich nicht.  Dann kam Hilfe von einem Mexikaner am Schalter neben uns. Er war mit einer Amerikanerin verheiratet und auch ihm wurde die Wiedereinreise nach einem Besuch bei der Verwandtschaft in die USA verwehrt. So war seine Frau mit dem Auto über die Grenze gefahren und er musste fliegen. Er erklärte der Schalterfrau die Situation. Ihr Gesichtsausdruck verriet, dass sie ihm nicht glaubte. Schliesslich tippte sie auf ihrem Computer und druckte uns die Bordkarten aus. Wir bedankten uns tausendmal bei unserem Retter und ich machte eine geistige Notiz, dass wir soeben dem 11. freundlichen Mexikaner in 7 Monaten begegnet waren. Immerhin. 

"Du kannst nicht ausreisen, weil du nicht nach Mexiko eingereist bist" - der unfreundliche Grenzpolizist

Völlig erledigt und hungrig sassen wir im winzigen Boardingbereich. Nina zog los und kaufte ein ungesundes Sandwich und ein kleine Flasche Tequila. Wir vernichteten beides. Eine Stunde später – natürlich mit Verspätung betraten wir unseren Flug. Fast. Wir wollten. Als ich meine Bordkarte über den Scanner zog, piepste der kleine Scanner. Mieser Verräter, dachte ich nur. Eine Flugbegleiterin bat mich, auf der Seite zu warten. Nina war schon nach draussen gegangen, das Gerät hatte nicht gepiepst bei ihr. Sie sah mich fragend von der anderen Seite des “Gates” an. Ich zuckte die Schultern. Nach 20 Minuten hatte jeder eingecheckt und ich wartete noch vor dem “Gate”. Dann kam ein Security Beamter und verlangte meinen Pass. Ich gab ihm den Pass und wartete. Er gab ihn mir zurück wechselte ein paar Worte mit der Flugbegleiterin und sie winkte mich durch.
 
Wir waren die letzten, die die Maschine betraten und ich hatte keine Ahnung, was bis auf einen Flugzeugabsturz noch alles schief gehen konnte. Dann folgte eine Durchsage und Nina´s Name wurde aufgerufen. Das konnte doch alles nicht war sein. Was war nur los, dass uns dieses verrückte Land nicht loslassen wollte. Nina versteckte sich hinter dem Sitz in der Hoffnung es war nur ein Missverständnis. 10 Minuten später, die Türen waren noch immer nicht geschlossen, obwohl jeder schon angeschnallt sass, wiederholte sich die Ansage und Nina gab ein Handzeichen. Ein Flugbegleiter kam heran, fragte sie, ob sie Nina wäre. Nina nickte und er verschwand wieder. Eine Minute später hiess es über den Lautsprecher “Boarding completed”. Möglicherweise war die Durchsage auch “Bier und schrecklich laute Musik kommt gleich”. Wer weiss das schon in Mexico. Wir waren auf dem Weg in das gelobte Land. Adios Mexico! 

"Be the reason someone believes in the goodness of people"

Linda ist einer der Gründe, warum ich in dieser verrückten Zeit immer noch an die Güte der Menschen glaube. Wie Henry James sagte: „Drei Dinge im Leben sind wichtig: das erste ist, freundlich zu sein, das zweite ist, freundlich zu sein, und das dritte ist, freundlich zu sein.
 
Würdest du für eine völlig wildfremde Person alles stehen und liegen lassen in eine Flugzeug springen, drei Stunden in ein gefährliches Land fliegen, dann ein fremdes Auto übernehmen, das mit lauter unbekannten Dingen befüllt ist und über eine grundsätzlich geschlossene und hochkriminelle Grenze fahren und nichts im Gegenzug verlangen? Was wäre,  wenn du siebzig wärst und nicht mehr so fit? Ja? Du würdest dich mit Linda gut verstehen. 
Unser Engel Linda

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Hi, ich bin Jürgen. Die meisten kennen mich als Jay. I know, das kann manchmal verwirrend sein. Wie ich zu meinem neuen Namen gekommen bin, hat mit hunderten falschen Starbucks Bechern, die allesamt mit anderen Namen beschriftet waren, zu tun. So kraftvoll wie in diesen letzten Jahren ist mir das Leben noch nie begegnet und es darf mich nicht wundern, dass ich das Reich von schnellen und unpersönlichen Geschäften und dem Erfüllen der Erwartungen der Gesellschaft hinter mir gelassen habe. Ich habe mein Sakko gegen Wanderkleidung und Shorts getauscht, das Aftershave gegen Insektenspray und mein Auto gegen einen Camper.

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