Von Istanbul aus… ich weiss, ich weiss. Ja, Istanbul. Das ist auch der Grund warum wir hier in diesem Blog mit Südafrika starten und somit auch das Land wiedergeben in dem wir auch wirklich sind, nicht irgendetwas längst Vergangenes. Wir wollen ab sofort aktuell mit unserem Blog und Social Media Posts sein. Nina besteht darauf.
Wo war ich. Ach ja, Istanbul. Unser Flug ging um 2.30 nachts. Also eine besonders blöde Zeit, um relaxt zu reisen. Vor allem wenn wir gut 1 1/2 Stunden Autofahrt von Istanbul Stadt zum Flughafen hatten. Wir dachten zuerst, der Flug wäre leer, da wir fast die einzigen am Gate waren. Vor unserem inneren Auge sahen wir uns in einer jeweils eigene Sitzreihe ausgestreckt liegen und relaxt die 11 Flugstunden nach Kapstadt zu verbringen. Etwa eine halbe Stunde vor dem Boarding kamen dann aber die “Deutschen”. Eine Menge. Wie Deutsche meist auftreten. In Rudeln. So wechselte unser Flug von “fast leer” zu “überbucht”. Jeder einzelne Sitz im Dreamliner war belegt. Darüber hinaus herrschte Chaos, da alle Sitzplatzreservierungen nicht funktioniert hatten. Tränen flossen, als Paare und Familien für die nächsten 11 Stunden nicht gemeinsam die Tortour eines Langstreckenfluges ertragen durften. Einige ältere Paare schienen darüber nicht gerade unglücklich zu sein und ich sah das ein oder andere Lächeln in deren Gesichter. Wir selbst hatten die verschwundene Sitzplatzreservierung einen Tag zuvor online gesehen. Nach einer 2 stündigen Parodie innerhalb der Turkish Airlines Hotline bekamen wir unsere Sitzplätze wieder. Ein Abenteuer für sich.
Die 11h Flugzeit wurden dank Schlaftablette erheblich verkürzt und so hatte ich lediglich Schmerzen in meinen Beinen als wir landeten. Der Sitzabstand schien in dieser Maschine nicht für Menschen über 180cm gemacht zu sein. Meine Beine hatten nur Platz, wenn meine Knie den Sitz des vorderen Sitznachbarn nach vorne drückten. Der Arme, immer wenn ich meine Beine anzog um meine Kniescheiben zu entlasten, fiel der Sitz nach hinten.
Es kamen wohl mehrere Maschinen zusammen und die Einreise war nur mit dem Wort unorganisiert zu beschreiben. Wir warteten gut 90 Minuten, bis wir vor dem Grenzbeamten standen, der sich in einer kleinen Holzzelle mit Plexiglas versteckte. Er trug einen Hoodie mit den Worten “Los Angeles”. Die schwarze Kapuze tief in die Stirn gezogen. Vorgebeugt blickte er auf sein Telefon. Er streckte seine rechte Hand zum Plexiglas und meinte “Passports” und winkte mit seinen Fingern. Mit der linken Hand tippte er eine Antwort auf Whatsapp. Wir gaben ihm unsere Pässe. Er öffnete einen der Pässe auf einer wahllosen leeren Seite ohne auch nur einmal auf die Seite mit den Daten zu schauen und lies seinen Stempel hineinknallen. Booom. “How long?”, fragte er ohne uns anzusehen. Er blickte mit gerunzelter Stirn auf sein Telefon und lass die letzte Whatsapp Nachricht. Offenbar hatte ihm die Nachricht nicht gefallen. “27 Years”, antwortet ich mit der Anspielung auf die Jahre, die Nelson Mandela im Gefängnis verbracht hatte. Das sagt ich natürlich nicht. “3 Monate”, gab ich stattdessen zu Protokoll. Das war die maximale Zeit, die wir mit unserem Pass in Südafrika bleiben durften. Er tippte zuerst entschlossen eine Antwort auf sein Telefon, dann nahm er einen Kugelschreiber und trug den letzten Tag unseres erlaubten Aufenthalts in das freie Feld seines Stempels. Dann nahm er Ninas Pass, suchte eine freie Seite, Baaam. Stempel. Kugelschreiber. Nachricht auf Whatsapp tippen. Pässe retour. “NEXT!”, schrie er. Niemand hörte ihn. Willkommen in Südafrika. Wir holten unser Gepäck am Rollband, das schon lange aufgehört hatte sich zu drehen. Alles gut.
Von dort aus die übliche Prozedur in einem neuen Land. Vom ATM Geld holen ( nicht erfolgreich da ausser Betrieb; auch die anderen zwei). SIM Karte kaufen mit Daten (kompliziert) und Mietauto abholen. Natürlich erwartet uns das übliche Chaos bei der Mietwagen Zentrale. Ich werde nie verstehen, warum es bis zu einer Stunde dauern kann, bis ein bereits reservierter und bezahlter Mietwagen übergeben werden kann. Hier beim Europcar Stand am Capetown Airport war dies natürlich nicht anders.
Der Angestellte wollte zuerst meine Reservierung sehen, und den Pass, dann noch den Führerschein, die Geburtsurkunde und die Taufurkunde. Und gaaaanz wichtig – Was hatten sie gestern zu essen?, werden sie viel fahren und die übliche Versicherungsaufklärung und dann der Verkauf einer Premium-alles-wird-gut-Versicherung.
Ok, ok, vielleicht übertreibe ich hier ein wenig. Natürlich hatte der nette Herr auch ein Upgrade in peto, dass mich nur 1000 Rand pro Tag mehr kosten würde (etwa 60 EUR). Auf meine Frage, welches Auto ich den für diesen abartigen Aufpreis bekommen würde, hatte er dann doch keine Antwort parat. Dann diskutierten wir noch ein wenig über das Rückgabedatum. “Sie geben das Auto am 04. Dezember zurück?”, fragt er in beiläufigem Ton. “Nein, es ist der 04. Januar”, bemerkte ich ebenfalls im selben Ton. “Tut mir leid”, meinte er leicht hüstelnd und lachte ein wenig wie der alte Mortimor bei dem Film “die Glücksritter”, “das wäre ja mehr als ein Monat”, fuhr er im belustigten Tonfall fort. “Ganz genau”, entgegnete ich. “Es sind 64 Tage und somit sogar etwas länger als ZWEI Monate”, führte ich mit meiner speziellen Stimme fort, die ich mir für Mietwagenverkäufer und Zweijährige vorbehielt. “Wir verleihen aber keine Autos über einen Monat”. Und so ging es weiter bis wir mit Hilfe zwei seiner Kollegen eine ganz spezielle Prozedur besprochen hatten. Nach einem Monat würde mich jemand anrufen und den Kilometerstand fragen. Diesen müsste ich dann wahrheitsgemäss mitteilen. Dann würde mir die Kaution zurückerstattet werden, um dann im selben Telefonat wieder abgebucht zu werden. Diese selbe Prozedur für das nächste Monat.
Ich war müde als wir endlich mit Unterlagen und Schlüssel auf den Parkplatz gingen und unsere graue Konservendose der Marke Suzuki öffneten. Wir luden unsere drei Gepäckstücke ein und stellten erstaunt fest, dass unser Suzuki neu war. 18km auf dem Odometer. Dann setzte ich mich hinters Steuer. Es war nicht da. Andere Seite. Linksverkehr. Meine Stirn schlug gedanklich auf das Lenkrad (wenn es da gewesen wäre). Auf die andere Seite und los nach Simons Town. Eine Stunde südlich von Kapstadt. Wir fuhren länger als erwartet. Unser Google Maps, das wir weltweit für Navigation verwendeten, hatte noch die Einstellung “Autobahnen”, “Mautstraßen” und “Fähren” vermeiden. So fuhren wir vom Flughafen direkt durch die Townships. Sehr interessant.
Gabi und Peter
Schön, endlich mal wieder etwas von Euch zu hören bzw. zu lesen! Super interessant, wollte eigentlich nur mal kurz reinschauen, war aber gefesselt und habe Peter alles vorgelesen. Wir haben nicht nur einmal herzlich gelacht...obwohl einiges nicht zum Lachen war.. Wir wünschen Euch weiterhin tolle Erlebnisse, die Ihr hoffentlich wieder mit Euren Lesern teilen werdet! Bleibt gesund und neugierig! Liebe Grüße von den beiden Warmduschern Gabi und Peter aus Sky Valley