Road Trip

Valparaíso: Lipstick on a Pig

Valparaíso, das „Juwel am Pazifik“ genannt, ist eine Stadt, die diesen Namen mit der gleichen Überzeugung trägt, wie eine alte Dame ihre Perlenkette zu einem abgerissenen Hausmantel. Oberflächlich betrachtet ist Valparaíso ein Paradies mit unzähligen Wandmalereien voller Farben und Kreativität, doch sobald wir näher hinschauen, wird klar: Dieses Paradies hat Löcher. Viele Löcher. Diese sind nicht nur in den Straßen und Wänden der Häuser zu finden.

Wir kamen mit einer sehr groben Vorstellung hierher, geformt von Romanen und Erzählungen – mit Bildern von bunten Fassaden, Straßenkunst und dem chaotischen Charme. Doch Valparaíso ist ein Ort, der hartnäckig darauf besteht, sich nicht in die Karten schauen zu lassen. Es ist eine Stadt, die sich anfühlt, als hätte jemand einen rostigen Karren genommen, ihn mit der schönsten Graffiti-Kunst bemalt und gehofft, dass niemand genauer hinsieht. Doch wenn man anfängt, ihn zu ziehen…

Mooooment – wie sind wir überhaupt hier hergekommen?

Mit dem Mietauto? Neeee. Von Kolumbien aus ging es erstmal nach Peru, und dann weiter nach Santiago de Chile – der Hauptstadt von Chile. Eine Stadt, von der man uns sagte (und wir später noch oft lesen würden), dass sie bis 2019 eine wunderbare Metropole gewesen sein soll. Heute? Naja, sagen wir, fuer uns Erstbesucher scheinen die Glanzzeiten vorbei zu sein.

Von dort aus stürzten wir uns in ein Abenteuer mit einem Mietwagen, der gefühlt so viel gekostet hat, als hätten wir ihn gekauft. Aus unserem ursprüngliche Plan, einen Camper zu kaufen und das Land so in unserer typischen Erkundungsform zu bereisen, wurde nichts. Der Grund? Eine Mischung aus Ninas und meinen unterschiedlichen Vorstellungen und den absurden Preisen und Vorstellungen für Gebrauchtwagen in diesem Land.

Wir hatten gerade unseren treuen „Pepe“ in den USA verkauft, um uns von der Last zu befreien, Besitztümer über mehrere Kontinente hinweg zu verteilen. Die Idee, einen Camper zu kaufen, der dann möglicherweise jahrelang irgendwo vor sich hin rottet, nunja, sagen wir … hatten wir schon.

Apropos Preise: Nach Kolumbien fühlte sich Chile an wie ein Preissprung ins Paralleluniversum. Nur dass dieses Universum mehr nach Europa oder den USA aussah als nach Südamerika. Gebrauchte Autos kosteten hier wie Neuwagen anderswo.

Und das Essen? Ein Abenteuer für sich – von ungenießbar bis “Was um Himmels willen ist das denn?”. Ein Nationalgericht namens “Pastel de Choclo” fasst die chilenische Küche treffend zusammen: Eine Maiskruste, die eine Art kulinarischen Mülleimer verbirgt, in der die Reste der Küche zusammengeworfen werden. Der Mais selbst schmeckte, als hätte ihn jemand direkt vom Kolben, frisch gepflückt zerstampft, mit der wunderbaren Textur von Gummi.

Das zog sich durch. Ob Kaffee, Reis oder Fleisch in allen denkbaren Formen – es war nie gut. Selbst die überall präsenten Kuchen, eine Hinterlassenschaft der deutschstämmigen Einwanderer, entpuppten sich als süße Enttäuschungen: Zuckerbomben, die uns in Siebenmeilenstiefeln dem Diabetes näher brachten. Ich ertappte mich mehr als einmal dabei, wie ich zu Nina sagte: “Ich will zurück nach Bogotá.” Anfangs redeten wir uns ein, dass es besser werden würde. Wurde es nicht.

Und die Chilenen? Tja, es dauerte ein paar Tage, bis mir das richtige Wort einfiel: phlegmatisch. Das ganze Land scheint in einer Art permanentem Marihuana-Nebel zu schweben. Es war nahezu unmöglich, jemanden zu treffen, der nicht mindestens ein bisschen “stoned” wirkte. 

Der erste Chilene, den wir trafen, war unser Airbnb-Rezeptionist, der um Mitternacht träge versuchte, unseren unfähigen Vermieter zu erreichen – mit der gleichen Energie, mit der andere Leute Staub auf den Boden umherschieben. 

Nummer zwei war eine Verkäuferin in einem Telekommunikations-Shop, Sie verkaufte uns im vermutlich langweiligsten Moment ihres Lebens, eine SIM-Karte. Und so zog sich das durch. Alles egal, alles irgendwie „okay“. Der inoffizielle Slogan des Landes könnte der deutschen mehrfachbedeutenden Aussage – “Alles gut“ – entsprechen.

Jetzt bin ich ein wenig vom Thema abgekommen. Wo war ich? Ach ja, Valparaiso

Aufstieg und Niedergang der Hafenmetropole

Mit der Unabhängigkeit Chiles im Jahr 1818 begann Valparaíso seinen rasanten Aufstieg. Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt zu einem der wichtigsten Häfen der Pazifikküste. Besonders während des Goldrausches in Kalifornien diente sie als unverzichtbarer Zwischenstopp für Schiffe, die die gefährliche Südspitze Südamerikas umrundeten – nicht, weil sie es wollten, sondern weil sie es mussten.

Die Stadt zog Einwanderer aus Europa an, darunter Briten, Deutsche und Italiener, die die kulturelle und architektonische Entwicklung prägten. Handelsgesellschaften, Banken und Konsulate wurden gegründet, was Valparaíso zu einem internationalen Handelszentrum machte. Es war eine Stadt im Aufwind, voller Energie und Möglichkeiten.

Doch dann kam 1914 der Panamakanal, und mit ihm der Anfang vom Ende. Plötzlich mussten die Schiffe nicht mehr den gefährlichen Umweg um Kap Horn machen, und Valparaíso wurde zur Randnotiz in den Logbüchern der Seefahrt. Der wirtschaftliche Niedergang war unvermeidlich: Arbeitsplätze gingen verloren, die Infrastruktur verfiel, und die Stadt schlitterte in einen Zustand, der sich irgendwo zwischen melancholisch und tragisch einpendelte.

Im Jahr 2003 wurde Valparaíso von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt – ein Titel, der die farbenfrohen Hügel und die charmant-bröckelnde Architektur der Stadt feiern sollte. Doch 2022 tauchten Schlagzeilen auf, die diesen Status infrage stellten. Ein UNESCO-Komitee stattete der Stadt einen Besuch ab, sprach ein paar Worte und hinterließ Empfehlungen, die vermutlich in einer Schublade verschwanden – die vermutlich sehr schön bemalt war. Und ja, Valparaíso ist offiziell immer noch ein Weltkulturerbe. Doch während wir durch die Straßen schlendern, die abblätternden Fassaden mustern und hin und wieder ein rostiges Wellblechdach hörbar seinen Halt aufgab, fragte ich mich: Wie lange noch? Oder, wenn wir schon ehrlich sind: Warum eigentlich?

Die bunte Fassade

Die Wandmalereien sind ohne Frage beeindruckend. Von riesigen surrealistischen Porträts bis hin zu verspielten, kindlichen Motiven: Jede Ecke scheint von einer unsichtbaren Armee talentierter Künstler erobert worden zu sein. Es ist unmöglich, durch Valparaíso zu gehen, ohne von den Farben und Formen beindruckt zu werden. Doch je länger man hinschaut, desto deutlicher wird, dass die Kunst wie ein buntes Pflaster wirkt, das mühsam kaschiert, was darunter bröckelt.

Die Häuser, die all diese Kunstwerke tragen, sind oft baufällige, verrostete Relikte, die knarzen und ächzen, als hätten sie sich längst aufgegeben. Ihre Bewohner scheinen ähnlich müde. Es gibt wenig Herzlichkeit, keine Wärme, wie wir sie beispielweise aus Kolumbien spürten. Stattdessen spürten wir die Schwere eines Ortes, der von seiner Vergangenheit ausgebrannt ist und sich an die Kunst klammert wie ein Schiffbrüchiger an ein Stück Treibholz.

Die berühmten Hügel von Valparaíso, „cerros“ genannt, sind eine Herausforderung für jeden, der nicht mindestens einen Olympiateilnehmer in der Familie hat. Die Auf- und Abstiege sind so steil, dass wir am Ende des Tages unweigerlich das Gefühl hatten, ohne es zu wissen ein Fitnessprogramm gebucht zu haben. Und das jeden Tag. Die berühmten Ascensores, die altertümlichen Aufzüge, die den Aufstieg erleichtern sollen, sind eine Mischung aus Nostalgie und Glücksspiel – das Letztere wortwörtlich, wenn wir einen genaueren Blick auf die Bauart und das Seilwerk warfen.

Sicherheit in der bunten Stadt

Kriminalität steht hier an der Tagesordnung – Taschendiebstähle und bewaffnete Überfälle gehören quasi zum Stadtbild. Von Einheimischen wurden wir ständig gewarnt, die Kamera oder ein iPhone bloß nicht in der Öffentlichkeit zu benutzen. “Hier wimmelt es nur so von Kriminellen,” sagte man uns immer wieder. Ob sie sich dabei selbst mitzuzählen gedachten, blieb unklar.

Auf den Straßen rund um diese Welt hatten wir bereits eine Art „Gespür“ entwickelt – so eine Art intuitives Frühwarnsystem, das uns sagte, worauf man achten sollte, was man besser bleiben ließ und was die inoffiziellen Grundregeln waren. Aus Städten wie Paris, Bogota, Kapstadt, Warschau, Barcelona, Acapulco und unzähligen anderen hatten wir gelernt, wie Taschendiebstahl aussieht und wie man sich mit dem „Ein mal Eins“ der Vorsicht zumindest halbwegs behaupten konnte. Und doch, egal wie routiniert man sich fühlt – irgendetwas Neues gibt es immer.

Als wir mit unserem Auto in die Nachbarstadt Viña del Mar gefahren waren, um uns mit einer neuen Bekanntschaft zu treffen, wurde uns auf dem Rückweg bei einer Ampel der Reifen aufgestochen. Erst bemerkten wir nichts. Nur etwas seltsam fanden wir den kleinen Chilenen, der plötzlich hinter unserem Auto auftauchte und sich katzenartig an der Beifahrerseite vorbeischlich. Kurz darauf ein Geräusch: “schhhhhhhhhhhhhhh”. Unser Reifen. Ich wendete das Auto und parkte vor einem Eingang der Universität. Und genau damit hatte ich der Bande unabsichtlich einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Ihr Plan war, dass wir mit einem platten Reifen nur wenig später an einer unübersichtlichen Ausweiche anhalten zu wuerden, damit sie uns dann – wie soll man das sagen? – „ausräumen“ konnten. Durch mein etwas improvisiertes Manöver jedoch hatte ich sie so sehr verwirrt, dass ihre Planung offensichtlich ins Wanken geriet. Vor dem Eingang der Universität stieg ich aus und stellte den platten Reifen fest. Verdammt. Erst als der kleine Chilene plötzlich wieder auftauchte und Nina ihn erkannte – für mich sahen übrigens alle gleich aus; ich habe offensichtlich kein Auge für die Feinheiten der Kriminalität – wurde uns klar, was passiert war.

Doch damit nicht genug: Der Kleinwüchsige startete einen weiteren Versuch, diesmal mit der bewährten Masche „Ich helfe euch mit dem Reifenwechsel!“ Was für ein edler Samariter. Ich war wütend. Little Fucker. Hätte ihn am liebsten überfahren, wenn ich nicht den Verdacht gehabt hätte, dass er schneller ist als unser Mietwagen mit plattem Reifen. Stattdessen blieben wir, wo wir waren, und machten uns an den Reifenwechsel. Ein Student kam uns zu Hilfe und zog sich damit vermutlich den ewigen Groll der Kleinkriminellen zu. Die anderen beiden Typen standen derweil in sicherer Entfernung herum und sahen so aus, als hätten sie keine Ahnung, was sie jetzt tun sollten. Ich warf einem von ihnen einen möglichst bösen Blick zu und machte diese klassische „Ich beobachte dich“-Geste, wo man Zeige- und Ringfinger abspreizt an die Augen hält und dann an die auserkorene Person zeigt.

Beim Reifen-Vulkanisieren (eine Art Verkleben der Einstichstelle) in einer kleinen, leicht schäbigen Reifenwerkstatt wurde uns dann erklärt, dass solche Vorfälle hier so häufig seien, dass der gesamte Betrieb praktisch von Touristen mit Mietwagen wie uns lebte. „Normalerweise werden die alle ausgeraubt“, sagte der Mechaniker beiläufig, während er unseren Reifen bearbeitete. Na, das war ja beruhigend. Ein Glücksmoment? Vielleicht. Oder einfach eine Geschichte, die zeigt, wie schmal der Grat zwischen Abenteuer und Albtraum in Valparaíso sein kann.

Die Erkundung der Stadt

Wir erkundeten die verschiedensten Gassen, Treppen und Aufzüge auf den unzähligen Hügeln der Stadt. Wie viele Hügel es genau sind, bleibt ein ewiges Rätsel: Manche behaupten 33, andere 43, wieder andere schütteln nur den Kopf und murmeln etwas von „viel zu viele“. Was auch immer die Wahrheit sein mag, unsere Beine hatten irgendwann das Gefühl, sie hätten etwa 100 erklommen. Manche Gegenden waren harmlos, andere weniger, und hin und wieder wurden wir von Einheimischen weggeschickt, weil es schlicht „zu gefährlich“ sei.

Dann wieder schlenderten wir durch, sagen wir mal, „einfachere“ Gegenden, wo die Menschen mit erstaunlich wenig auskommen und uns trotzdem mit einem freundlichen Nicken begrüßten. Manchmal kam sogar ein kleines Gespräch zustande – mit einer Mischung aus Spanisch, Handgesten und der universellen Sprache des Nicken-und-Lächelns.

Neben der allgegenwärtigen Streetart, die jede Oberfläche zu bedecken scheint, gab es vieles zu sehen und zu tun. Nichts davon ist wirklich spektakulär – kein Bauwerk außergewöhnlich, keine Sehenswürdigkeit, die man als weltbewegend bezeichnen würde –, aber hinter jeder Ecke wartet irgendetwas Neues. Eine hübsche Fliese hier, eine improvisierte Marktbude dort, und plötzlich fühlt sich alles ein bisschen abenteuerlicher an, als es wahrscheinlich ist.

Am schlimmsten bei unseren Erkundungen war jedoch der Gestank. Der Latrinengeruch war stellenweise so überwältigend, dass uns regelrecht übel wurde. Manchmal mussten wir umkehren oder unsere Jacken als provisorische Atemschutzmasken verwenden.

Ein weiteres Übel war der allgegenwärtige Wind – eine unbarmherzige Naturgewalt, die keine Rücksicht darauf nimmt, wie müde wir waren. An manchen Tagen war er so stark, dass wir buchstäblich „durch den Wind“ waren. Und als wäre das nicht genug, mussten wir uns zusätzlich anstrengen, um die Hügel an den Nachmittagen hinaufzukommen. Es fühlte sich ein bisschen an, als hätte die Stadt ein eigenes Fitnessprogramm für Besucher entworfen.

Ricardo

Wir hatten ein ziemlich skurriles Erlebnis mit einem jungen Mann, der, sagen wir mal, ein wenig „anders“ war. Ricardo begegnete uns während einer unserer Stadtwanderungen, als er plötzlich wie aus dem Nichts vor uns auftauchte. Gekleidet war er, als wäre er direkt aus einem irischen Internat der 1920er Jahre entflohen: Cordhose, ein grobes Leinenhemd und ein abgewetzter Lederrucksack. Nur die Schiebermütze fehlte – und ehrlich gesagt vermute ich, dass sie irgendwo in seinem Rucksack versteckt war.

Ricardo trat mit einer beinahe theatralischen Ernsthaftigkeit an uns heran und fragte in für Chile erstaunlich gutem Englisch, woher wir kämen. Was sich entwickelte, war weniger ein Gespräch und schon bald kam ich mir vor wie bei einem Jobinterview. Seine Fragen schossen mit beeindruckender Geschwindigkeit aus ihm heraus, als hätte er eine Liste, die er unbedingt abarbeiten musste. Nach ein paar Minuten – und mehreren gescheiterten Versuchen, ein „Gespräch“ zu etablieren – flohen wir höflich, aber entschlossen zum nächsten Ascensor. Doch als wir oben ankamen, stand Ricardo bereits da. Wie er das geschafft hatte, ist mir bis heute ein Rätsel. Wir waren sicher, ihn nicht mehr in Sichtweite gehabt zu haben, und doch war er schneller als wir. Eine Stunde später, an einem völlig anderen Hügel, sahen wir ihn wieder. Gibt’s doch gar nicht, oder?

Das war aber noch lange nicht das letzte Mal. Ein paar Tage später unternahmen wir einen Ausflug nach Laguna Verde – einem ziemlich heruntergekommenen Gebiet mit einfacher Bevölkerung, etwa 30 Autominuten von Valparaíso entfernt. Unser Ziel war ein abgelegener Strand, der weitere 20 Minuten über eine miserabel schlechte Schotterpiste erreichbar war. Wir hätte uns nach dem Weg erkundigt, hätten wir Menschen angetroffen. Nach einiger Zeit fanden wir eine Strasse vor der aus der steile Abstieg zum Strand startet. Und plötzlich – wie aus dem Nichts – tauchte Ricardo wieder auf. Diesmal trug er eine alte, abgetragene Jogginghose und wirkte genauso überrascht wie wir.

„Ricardo?!“, riefen wir. Seine Überraschung, dass wir ihn wiedererkannten, war echt. Nina umarmten ihn wie einen alten Freund und versuchte, mehr über ihn herauszufinden. Die wenigen Informationen, die er uns gab, waren auf ihre eigene Art beeindruckend: Ricardo hatte Englisch komplett über YouTube gelernt, obwohl er nicht lesen konnte. Wir verabschiedeten uns und auf dem steilen Abstieg fragten wir uns, ob er erneut irgendwo auftauchen würde.

Einige Tage später, während wir eine besonders verlassene Treppe auf einem der Hügel erkundeten, stand er plötzlich wieder vor uns. Einfach so, als wäre das die normalste Sache der Welt. Es gab dort nichts zu sehen, keine anderen Menschen, keine Geschäfte, keine Attraktionen – nur Ricardo, zurück in seinem irischen Outfit – noch immer ohne Schiebermütze. Für einen Moment schien es, als würde er uns gar nicht erkennen. Wir redeten nur ein paar Sekunden als er plötzlich mitten im Satz inne hielt, die Hände auf die Ohren schlug und davon lief.

Von diesem Zeitpunkt an scherzten wir, dass wir Ricardo irgendwann in einer besonders entlegenen Gegend wieder antreffen würden. Und wisst ihr was? Es würde uns nicht einmal wundern.

Unser Fazit: Der Zauber der Täuschung

Valparaíso ist keine Stadt, die wir lieben. Es ist eine Stadt, die wir tolerieren können, und das vielleicht auch nur, weil sie sich so sehr bemüht, anders zu sein. Die Farben, die Kunst und die Aussicht retten den Ort, aber sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier vieles auseinander fällt – wortwörtlich und im übertragenen Sinne.

“Lipstick on a pig”, sagt man im Englischen, wenn man etwas Oberflächliches hübsch machen will, obwohl die Substanz fehlt. Valparaíso ist genau das. Aber es ist auch ein Ort, der – auf seine seltsame, widersprüchliche Weise – eine Geschichte erzählt. Und vielleicht ist das der wahre Grund, warum Menschen hierher kommen: nicht um sich zu verlieben, sondern um zu verstehen, wie man aus Chaos Kunst macht.

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Hi, ich bin Jay. So kraftvoll wie in diesen letzten Jahren ist mir das Leben noch nie begegnet und es darf mich nicht wundern, dass ich das Reich von schnellen und unpersönlichen Geschäften und dem Erfüllen der Erwartungen der Gesellschaft hinter mir gelassen habe. Ich habe mein Sakko gegen Wanderkleidung und Shorts getauscht, das Aftershave gegen Insektenspray und mein Auto gegen einen Camper.

2 Comments

  • Hallo Jay und Nina, danke fürs Teilen eurer Südamerika Eindrücke. Es ist ja oftmals schwer Eindrücke eines anderen Landes einem Leser oder Zuhörer zu vermitteln. Ihr habt das perfektioniert. Toll, das ihr das alles schadenfrei überlebt habt ! Good Job...und natürlich sind wir auch beim nächsten Blog dabei....Viele Grüsse Thomas und Biggi

    • Hi ihr beiden, wow, was fuer ein tolles Kompliment – das freut uns riesig! 😊 Ich habe lange gehadert, wie ich unseren Blog fuellen kann, damit unsere Freunde Teil unserer Reisen werden – auch wenn sie uns nicht auf jedem Abschnitt begleiten. „Die 10 besten Restaurants in Reykjavik“, obwohl wir nur zwei besucht haben? „Die 5 besten Flusskreuzfahrten auf dem Li-Fluss“, obwohl wir nur eine selbst gemacht haben? Nein, das waere nicht unser Stil. Stattdessen schreiben wir ueber unsere ganz persoenlichen Erlebnisse – und es ist so schoen zu hoeren, dass uns das gelingt! Super, dass ihr beim naechsten Blog wieder dabei seid – wir freuen uns drauf! Viele liebe Gruesse Jay & Nina

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