Und jetzt gehts weiter – Die Westküste – Teil 1

Was für ein schlechter Start für einen Blog, meint Ihr nicht auch ? ? Wir sind mittlerweile die gesamt Westküste der USA durch die drei Bundesstaaten Washington, Oregon und Kalifornien durchgefahren. Die gute Nachricht zuerst, es hat aufgehört zu regnen (schon in Oregon). Warum keinen weiteren Blogeintrag bisher ? Eine gute Frage. Zum Teil geschah dies bewusst, zum Teil hatten wir einfach keine Zeit. Ich weiss das klingt lustig und viele belächeln dies (würde ich auch machen). In einer für das Reisen ungeeignete Art und Weise haben wir effizient jeden Tag ausgenutzt aber oft nicht genossen. An jeden Ort an dem wir anhielten oder wegen irgendetwas hinfuhren, erkundeten wir, sahen wir und hinterfragten wir so vieles. Dazu kamen Treffen mit Freunden und Gewöhnung an das Leben im Wohnmobil. Da ich diesen Teil unserer Reise nicht auslasse möchte werde ich diesen in ein paar Beiträge verpacken und posten. Das Ziel wird sein jede Woche einen Beitrag zu veröffentlichen. Die nächsten Wochen wird es ein wenig mehr werden – sozusagen als Wiedergutmachung :-).

Wir starten also Anfang Februar unser Reise in Port Angeles, bei Regen. Ein weit verbreitetes Problem hier in Washington. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge in Folks – ein Ort am Highway 101 – beträgt etwa 3 Meter, bei etwa 210 Regentage im Jahr.

Die Einreise in die USA, die in unserem Fall in Victoria, der Hauptstadt von British Columbia in Canada am Fährhafen stattfand, war wie gewohnt unfreundlich. Bei all den Suggestiffragen, fällt es manchmal schwer, ruhig zu bleiben und das Spiel mitzuspielen. Die Macht der Grenzbeamten ist hoch. Diese kann ohne Angaben von Gründen (womöglich gibt es solche intern) die Einreise in die USA verbieten. Mit jeder Einreise in die USA werden die Befragungen intensiver, manchmal schärfer und definitiv unangenehmer.

Auf eine Frage wie “Wenn Sie so oft in die USA reisen, gehen sie vermutlich hier einer Arbeit nach” mit einem Nein zu antworten, reicht leider nicht. Die nächsten Fragen schiesst dann ein Maschinengewehr entgegen – und ebenso scharf.

Border Control:“Und wie können Sie sich das leisten, wenn Sie nicht arbeiten ?”
Ich: “Ich arbeite doch, nur nicht hier – ich mache hier nur Urlaub, Sie Dummkopf !”

Den Dummkopf habe ich natürlich nicht erwähnt ? Dann wieder..

Border Control: “Aha…” (ich hasse dieses Aha) “..dann arbeiten Sie also doch hier”
Ich: “Nein nicht hier – zuhause. Also da wo ich nicht Urlaub mache”
Border Control: “Wo ist ihr zuhause ?”
Ich: “In Österreich”
Border Control: “Und warum sind sie nicht in Österreich ?”
Ich: “Weil ich Urlaub hier mache”
Border Control: “Aha…Aber sie waren erst vor kurzen hier. Was haben Sie da gemacht ?”
Ich: “Urlaub”
Border Control: “Und warum ?”
Ich: “Weil ich Urlaub machte”
Border Control: “Habe Sie gerabeitet ?”
Ich: “Nein”.
Border Control: “Aha. Arbeiten Sie jetzt ?”
Ich: “Nein.”
Border Control: “Sie wissen, dass Sie hier nicht arbeiten dürfen, oder ?”
Ich: “Ja”.
Border Control: “Wie lange wollen sie in der USA bleiben ?”
Ich: “3 Monate”
Border Control: “Was machen Sie in dieser Zeit ?”
Ich: “Urlaub”

Irgendwann nach der fünften Wiederholung, sind die Fragen abgeschlossen, der Pass wird zurückgegeben und noch hinzugefügt “In drei Monaten müssen Sie die USA verlassen haben” und “..arbeiten Sie keinen Tag hier”.

Nach ein paar Minuten des erneuten Wunderns über die Paranoier der Grenzbeamten und vieler US Amerikaner – wie sich auf unser Reise noch zeigen wird – ging es auf die Fähre und somit in die USA.

Die MV Coho, das einzige Schiff der BlackBall Fährgesellschaft verkehrt täglich ab Februar auf der einzigen Route von Victoria (Canada) über die Juan de Fuca Wasserstrasse nach Port Angeles in den US Bundesstaat Washington. Dies schafft das nur 104 Meter lange Schiff, das seinen Dienst schon seit vertrauensvollen 60 Jahren verrichtet, in circa 90 Minuten. In diesen etwas schauckeligen und für einen nicht seefesten Menschen wie mich an eine Antarktisexpetionen erinnerten Zeit, legt die Coho 37 Kilometer zurück. Bei einigen für mich starken Wellentälern fragte ich mich ob wohl die Handbremse unseres Wohnmobils halten würde. Wenn nicht, wäre der hinter uns geparkte Nissan an die Schifftswand gequetscht worden. Keine angenehme Vorstellung, dies den Grenzbeamten zu erklären. Vermutlich würde ich wegen terroristischen Aktivitäten eingesperrt werden. Glücklicherweise hielt die Bremse und ich konnte unser etwa 10 Meter langes Wohnmobil aus dem kleinen Bauch des alten Wals fahren und wir erreichten das amerikanische Festland.

Die erste Nacht verbrachten wir auf einem Campground auf der 101 in der Nähe von Port Angeles. Es war bereits dunkel und es regnete. Unsere ehemaligen Salzburger Nachbarn nennen dies “Schnürlregen” und wie im ersten Beitrag schon erwähnt, beschreiben einige Deutsche dies mit “es regnet Bindfäden”. Unser Wohnmobil auf unserem Schlammloch – also den Platz am Campingplatz – einzuparken, dauerte fast eine Stunde. Geschuldet war dies nur zum Teil dem Nordwestlichen Wetter. Der Hauptgrund war, dass ich das erste Mal an einen unbeleuchteten Campingplatz ohne Campingplatzkarte unseren Platz finden musste. Jeder der Erfahrung mit RV Campingplätze bzw. RV Parks hat, weiss das es stets einen Loop gibt, dem man folgt, um dann bei gefallen eines Platzes einfach rückwärts, in diesen meist schräg erstellten, einfährt. Dies ist ähnlich wie in einem IKEA – der Weg ist vorgegeben. Ignoriert man allerdings die vorgegebene Fahrtrichtung – da Dunkelheit und Unerfahrenheit mit RV Parks, als Entschuldigung ausreichen mussten – hat man seine liebe Not das 10 Meter lange Wohnmobil mit nachgeschleppten Fiat 500 rückwärts in die 270 Grad verschobene Parkposition zu bringen. Jetzt fragt sich der aufmerksame Leser, warum dann nicht einfach vorwärts. Dies ist natürlich auch ein Gedanke, den ich nicht nur geistig nachging, sondern bereits in Canada in die Tat umsetzte. Ich musste feststellen, dass alle Anschlüsse auf der falschen Seite waren und was die Sache nicht besser machte, der Loop am nächsten Tag in die falsche Richtung war oder in meinem Fall rückwärts heraus fahren musste. Was die Anschlüsse betrifft, kann ich festhalten, dass diese alle zu kurz sind, um von der anderen Seite herum angeschlossen zu werden. Doch dazu später mehr.

Nach unserer ersten verregneten Nacht auf dieser Reise und einer witzigen Begegnung beim Propan tanken in Port Angeles fuhren wir die ersten Meilen bis Astoria, der ersten Stadt in Oregon.

Der wohl unbekannteste Teil in Washington des Highway 101, führt zu einem grossem Teil durch und um den berühmten Olympic National Park. Man durchfährt dabei so viel Wald und abschnittsweise ein paar Küstenabschnitte, passiert etwa 20 Dörfer und Städte – manche bestehen nur aus ein paar Häuser – dass man glauben könnte, der 42igste Bundesstadt der USA bestehe nur aus Wald und Wasser. Was auch, vor allem wenn man die Westhälfte des Bundesstaates betrachtet, richtig ist. Etwa 52% des gesamten Staates ist von Wald bedeckt. Das ist grösser als Österreich oder etwa halb Deutschland. Die Olympia Peninsula durch die der Highway 101 führt ist Heimat von mehreren Regenwäldern, vielen Seen sind Flüssen und unzähligen Lebewesen wie Orcas, Grauwale und Buckelwale. Am Land leben Fledermäuse, Schwarzbären, Pumas, Kojoten, Rehe, Elche, Grauwölfe, Stinktiere uvm..

Wir erreichten nach ca. zwei Stunden Fahrt den wohl bekanntesten Ort in Washington (für eine gewissen Altersgruppe) – neben Seattle, auch wenn die wenigsten wissen, dass dieser Folks heisst. Berühmt ist dieser Ort nicht nur als eine der niederschlagsreichsten Orte von Washington sondern als Drehort der Twilight Filme: Als ich beiläufig eine bekannten erwähnte, dass der Highway 101 durch Folks führte meinte er nur, “kenn ich nicht”. Als ich ihm erläuterte, dass hier die Twilight Filme gedreht wurden, meinte er nur “Äh, grün und recht verregnete oder?” Ja, Vampire lieben es eben verregnet, keine Sonne der ganzen lieben Tag. Und so, ganz vampirfreundlich fanden wie es dann auch vor.

 

Bis zu den Twilight Filme lebte Folks hauptsächlich von der Holzindustrie, jetzt hat der Tourismus Einzug gehalten. Mit über 100 Millionen Büchern trug die Roman Serie und nicht zuletzt die Filme zu einer signifikanten Steigerung der Touristen statt. Von ca. 10.000 vor Twilight bis zu 73.000 in 2010.

Folks ist ein guter Ausgangspunkt um einen Spaziergang im Hoh Rain Forest zu machen. Hier, an der Westküste des Naturparks, wirkt das grüne Dickicht mit Moosen und Pilzen, Sequoias, Tannen und Ahornen fast unwirklich. Der unablässige Regen gepaart mit dem Nebel, könnte tatsächlich eine Aufnahme aus der Twilight Filme sein.

Die weiteren Fahrt auf dem Highway 101 verläuft ohne weiter Orte, mitten durch Regenwälder, vorbei an mystisch wirkenden Seen und Flüssen. Manchmal überquerten wir eine Eisenbrücke die einen langsam gewundenen Fluss überquerten. Diese waren oft schmäler als eine übliche zweispurige Strasse und wir mussten aufpassen die einzigen auf der Brücke zu sein. Mit etwas über 2,5 Meter Breite war unser Wohnmobil nicht gerade ein schlankes Auto und benötigte jede Menge Platz auf der Straße. Wo wir gerade bei den Abmessungen sind. Die Höhe von 3,91 Meter war selbst in Nordamerika höher als so manches andere Wohnmobil. Im Vergleich dazu ist ein durchschnittelicher Mittelklasse Wagen in Österreich und Deutschland nur etwa 1,5 Meter hoch und etwa 4,8 Meter lang. Während unser Wohnmobil stattliche 9,7 Meter Länge zusammenbrachte.

  

Bevor wir die nächste Ortschaft nach Folks erreichten, stoppten wir am Ruby Beach. Wie an den meisten Stränden an der nördlichen Küste, lagen hier Unmengen von angetriebenen Baumstämme am Strand. Am Strand oder unmittelbar im Wasser davor, standen viele Felsen die ausgewaschen und seit einer Ewigkeit den Gezeiten trotzen. Der kleine, im Sommer überlaufene Strand, hat seinen Namen von den Rubin glitzernden Kristallen im Sand. Wir bekommen durch den Nebel und dem starken Regenfall leider nichts zu sehen.

An den “Ortschaften” Queens, Amanda Park, Humptulips und New London (alle etwa 170-250) Einwohner fuhren wir vorbei bis wir nach Hoquiam kamen, das nahtlos an Aberdeen grenzte. Mit insgesamt ca. 25000 Einwohner war es die grösste Ansammlung von Menschen in diesem Teil der Peninsula.

In Aberdeen hatte ich das erste Mal das Vergnügen zu tanken. Und das ging so:
Finde eine Tankstelle die günstig ist und ein Dach über 4 Meter hat und eine entsprechende grosse Einfahrt und Ausfahrt hat und mit den insgesamt etwa 14 Metern (Wohnmobil und Tow Car) zu manövrieren. Dann auf der richtigen Seite der Zapfsäule stehen bleiben, da Rückwärtsfahren mit dem Tow Car nicht funktionierte (Erklärung folgt später). Dann Zapfsäule irgendwie zwischen Radstände zum Tankstutzen bringen und los gehts. Während dem Tanken, nicht auf die Anzeige schauen, auf der Gallonenweise (3,8 Liter = 1 Gallone) Benzin in den Tank fliesst. Aufgrund der niedrigen Benzinpreise, fallt das Tanken schlussendlich nicht so teuer aus wie Europäisch angenommen.

Die nächsten Meilen von Aberdeen führten durch Wald, viel Wald. Wald links neben der Straße und Wald rechts neben der Strasse. Da die Strasse nicht vollständig gerade verlief war auch meist vor und hinter uns Wald. Und Regen, viel Regen.

Raymond, die nächste Stadt, etwa 25 Meilen von Aberdeen gelegen hat 2012 das Marijuna entdeckt. Offiziell versteht sich. Washington hat die lustig machen Pflanze mit der Initiative 502 im November 2012 legalisiert. Seit diesem Zeitpunkt hat sich das 3000 Seelen Dorf auf die Produktion von Marijuan in allen erdenklichen Formen gestürzt. Der wohl bekannteste Einwohner von Raymond, war Robert Wells, der den Song “The Christmas Song” geschrieben hat. Er hat seiner Heimatstadt “The City that does Things” genannt, dies erschien uns nur allzu passend.

Nach Raymond führte der 101 fast nur küstennah weiter Richtung Oregon. Zuvor gab es allerdings noch eine Menge Regen und noch das ein andere zu entdecken. Apropos Regen, als wir letztes Jahr in Seattle waren. Die Stadt die häufiger fälschlicherweise als Hauptstadt des Bundesstaates Washington angesehen wird (Olympia ist die Hauptstadt) sahen wir einer dieser “Schneekugeln” mit den Seattle Wahrzeichen darin. Das besondere an dieser Kugel war, dass anstatt des Schnees Wassertropfen auf die Stadt fielen.

Nach Raymond ging es entlang des Willaps Rivers, der in gleichnamige Bay mündet. Die Landschaft ändert sich ein wenig von viel Wald, hin zu Farmlandschaft mit Wald und natürlich jede Menge Regen. In den Waldabschnitten des Highway 101 stellte ich mir oft vor, dass ein Braunbär aus dem Dickicht einer Seite spazierte und ganz gemütlich sich anschickte die Strasse zu überqueren. Ich malte mir dann die Konsequenzen für beide aus. Für Meister Petz würde es nicht so gut ausgehen – soviel war klar. Trotz seine etwa 120 Kilogram kann er den 4,5 Tonnen RV, der mit 80 km/h auf ihn zukam, nicht viel entgegensetzen. Der Schaden am RV wäre auf jeden Fall sehr gross. Vor ein paar Monaten habe ich von einem Unfall in Kalifornien gelesen, bei der eine junge Frau und ihr 1 Jahr altes Baby bei einem Zusammenstoss mit einem Schwarzbären ums Leben kamen. Der Polizei zufolge rammte die junge Frau den Schwarzbären frontal. Diese wurde durch den Aufprall durch die Windschutzscheibe geschleudert und zerquetschte mit seiner Masse beide Insassen. Schreckliche Geschichte. Die andere, ebenfalls nicht angehme Vorstellung, wäre es einen Elk zu rammen. Naja, lassen wir das.

Ohne Zusammenstösse – egal mit was oder wem – erreichten wir das Willapa National Wildlife Refugium. Auf jeden Fall einen Stop wert. Das 45 km2 grosse Gebiet, besteht aus Sanddühnen, Sandständen, Sumpfland und Grassland – läd geradezu zu einem Spaziergang ein. Natürlich nur einen kleinen – wegen dem Regen.

Nach einer Weile stiessen wir auf das etwas entmutigende klingenden “Cape Disappointment”. Mit etwas 2552 Stunden Nebel im Jahr (das entspricht etwa 106 Tage im Jahr) fanden wir diesen – zu den nebeligsten Orten der USA zählenden Plätze – Im Nebel und natürlich im Regen vor. Welche Überraschung. Den 1848 erbaute wunderschöne Cape Dissapointment Leuchtturm bekamen wir in diesem Fall nicht zu Gesicht. Es wurde uns von gewaltigen Aussichten und einem wünderschönem Licht beim Leuchtturm berichtet. Wir glauben fest daran.

Einige Meilen östlich bei Point Ellice nahe Megler endete der erste Teil unserer Reise des Highway 101 als wir über die Astoria-Megler Brücke über den Columbia River nach Oregon übersetzten. Washington lag hinter uns und somit ungefährt 255 Meilen oder etwa 408 Kilometer. Oregon wir kommen.

Hi, ich bin Jürgen. Die meisten kennen mich als Jay. I know, das kann manchmal verwirrend sein. Wie ich zu meinem neuen Namen gekommen bin, hat mit hunderten falschen Starbucks Bechern, die allesamt mit anderen Namen beschriftet waren, zu tun. So kraftvoll wie in diesen letzten Jahren ist mir das Leben noch nie begegnet und es darf mich nicht wundern, dass ich das Reich von schnellen und unpersönlichen Geschäften und dem Erfüllen der Erwartungen der Gesellschaft hinter mir gelassen habe. Ich habe mein Sakko gegen Wanderkleidung und Shorts getauscht, das Aftershave gegen Insektenspray und mein Auto gegen einen Camper.

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