Unsere Reise beginnt

Zuerst festgehalten. Diese Zeilen schreibe ich in Half Moon Bay State Park in der Nähe von San Francisco. Nun sind es fast vier Wochen seit wir am Nordamerikanischen Kontinent angekommen sind. Für die meisten von euch, ein wenig mehr als ein Urlaub, für uns gerade einmal genug Zeit, um anzukommen und Zeit unseren Blog zu starten. Ursprünglich wollte ich unsere Abreise, all die organisatorischen Dinge, die es zu erledigen gab, schön chronologisch im Blog verarbeiten. Doch erstens hatte ich nicht die Zeit, dies zu tun und zum zweiten, wer will schon einen Reiseblog lesen, wenn es nur um Organisatorisches geht. Schreibt uns, wenn Ihr etwas von unserer Abreise/Ankunft wissen und lesen wollt. Wir schreiben gerne davon und beantworten sehr gerne eure Fragen.

So nun zu den ersten zwei Wochen:

Die Anreise (in Stichworten):

Flughafen Innsbruck, Probleme mit der Fluglinie (Condor); Flug nach Frankfurt und vier Stunden Aufenthalt (mehr Probleme mit der Fluglinie (Condor)); Flug nach Seattle (keine Probleme mit der Fluglinie; im Gegenteil); Einreise in die USA (Kapitel für sich); Lange Wartezeit auf Gepäck; Flug nach Vancouver (eine Stunde Verspätung beim Boarding, eine Stunde warten auf der Startbahn; 50 Minuten Flug); Einreise nach Canada (lange Warteschlange, viele Fragen); Lange Wartezeit auf Gepäck; alle Gepäckstücke (8 Koffer, 2 Handgepäcke) mit Shuttlebus zum Mietwagen (ausserhalb des Flughafens); Gepäck von Shuttlebus ins Mietwagenbüro, dann ins Mietauto; Fahrt zur Unterkunft (Airbnb); nächster Tag zur Fähre (Überfahrt von Vancouver nach Vancouver Island); Fahrt zum Wohnmobilhändler; restliche Unterlagen unterzeichnen, Versicherung abschliessen, Nummerntafel rauf und Einschulung in die Handhabung des Wohnmobils; Fahrt zum ersten Campingplatz.

Die ersten Tage

Bevor ich beginne – es regnete. Andauernd. Es regnete die ganze Zeit, manchmal weniger, manchmal mehr, manchmal so viel, dass es keinen Abstand zwischen den Tropfen gab. Manche Deutsche nennen dies “es regnet Bindfäden”. Ich schreibe dies als Einleitung, damit Ihr euch vorstellen könnt, dass alle Aktionen im Regen stattfanden.

Es gab zwei Themen die wir in den ersten Tagen verfolgten. Das erste war unser Wohnmobil einzuräumen und wohnlich zu machen. Dazu gehörten alle unsere mitgebrachten und vorab gesendeten Dinge einzuräumen und zu verstauen, alles einzukaufen, dass wir noch benötigten. Tassen, Besteck, Reisestecker, Haartrockner, Lebensmittel und noch ganz viele andere Dinge (viele davon auch für das Wohnmobil selbst), die immer wieder benötigt wurden. Und nicht vergessen, es regnete.

Das zweite Thema war ein “Tow Car” zu finden. Ein Tow Car ist ein Auto, dass hinter dem Wohnmobil hergezogen wird. Kein Scherz ;-). Nicht auf einem Anhänger sondern auf dessen eigene vier Reifen. Mit einem solchen Gespann, also dem Wohnmobil und Tow Car hofften wir eine hohe Flexibilität beim Reisen zu erreichen. So würden wir das Wohnmobil an einem Campingplatz oder sonstigen Stellplätzen abstellen können und mit dem Tow Car irgendwo hinfahren, wo es für unser Wohnmobil keinen Platz gab oder es zu umständlich war. Beispielsweise in die Stadt, Sightseeing, zu Wanderparkplätzen, zum Strand, zur Wäscherei, usw..

Da ich eine Hundeallergie habe und Nichtraucher bin, stellte sich die Suche als schwieriger heraus als die Suche nach unserem Wohnmobil vor eine paar Monaten. Weiters liess die Sauberkeit der Autos zu wünschen übrig. Ihr kennt das sicher – Ihr habt euer Auto den ganzen Winter nicht wirklich gereinigt, weder innen noch aussen. Es liegen Steine und eingetrocknetes “Etwas” herum, die Fussmatten sehen aus wie ein Teil eines Hochgebirgswanderpfades und es liegen im ganzen Auto Dinge herum – die sich eben in einigen Monaten so ansammeln. Wenn euer Auto noch nie so ausgesehen hat, herzlichen Glückwunsch – in diesem Fall kennt Ihr vielleicht jemanden bei dem es so aussieht. Zurück zum Thema – so sehen die Autos hier aus und auch die Bilder auf den meisten Webseiten sind mit “Dreck” abgebildet. Putzen könnte man das Auto nach dem Kauf ja immer noch, Hauptsache so schnell wie möglich ins Internet – so die Aussage eines Händlers nach meiner Rückfrage. Einmal kam es auch vor, dass der Verkäufer meinte, seine Autos sind alle vollständig gereinigt. “Und was ist das dann das hier – Sie Dummkopf?, und zeigte auf etwas grosses ekliges am Fussboden” – Das sagte ich natürlich nicht. Stattdessen blieb mir einfach der Mund offen und ging.

Meine ursprünglich gewünschte Automarke für eine Tow Car war ein gebrauchter Smart. Es gab sie um ca. 4000 EUR und waren sehr klein und leicht und somit fast kein erhöhter Treibstoffverbrauch für das Wohnmobil beim Nachziehen. Nachdem wir alle Smarts der Insel angesehen bzw. die Besitzer angerufen hatten (kein Witz), suchten wir eine andere Marke. Unsere Wahl – wenn ich “unsere” schreibe, meine ich Ninas – fiel dann auf einen Fiat 500. Kein Hund oder Raucherauto – geritzt, gekauft, angemeldet und ab in die Spezialwerkstatt um die Vorrichtung für das “Abschleppen” zu montieren. Nachteil: Die Lieferzeit der Teile + Installation dauerte 10 Tage. Uff. Hatte ich schon erwähnt, dass es regnet ? So richtig ?

Wir fuhren also in der Zwischenzeit nur mit unserem RV den Südteil von Vancouver Island ab. Die Atmosphäre war fantastisch – Nebel, viel viel Regen und niemand da. Viele Campgrounds und Strassen waren überflutet und hatten dadurch geschlossen (Strassen und Campgrounds). Auf einem Campground in Port Renfrew waren wir die einzigen Gäste an einem gigantischen, mit Baumstämmen überfüllten Strand – natürlich im Regen. Über die Reise gibt es später einen eigenen Blogpost.

Wir lernten auf dieser Reise, dass sich ohne einem Tow Car uns vieles nicht erschloss, da wir mit dem Wohnmobil nicht hinkamen oder es zu kompliziert war. Beispielsweise benötigten wir für einen Einkauf im Walmart (einer US Supermarktkette) zehn frei Parkplätze nebeneinander.

Nach 10 Tagen hatten wir unseren Fiat 500 und los ging’s.

Hi, ich bin Jürgen. Die meisten kennen mich als Jay. I know, das kann manchmal verwirrend sein. Wie ich zu meinem neuen Namen gekommen bin, hat mit hunderten falschen Starbucks Bechern, die allesamt mit anderen Namen beschriftet waren, zu tun. So kraftvoll wie in diesen letzten Jahren ist mir das Leben noch nie begegnet und es darf mich nicht wundern, dass ich das Reich von schnellen und unpersönlichen Geschäften und dem Erfüllen der Erwartungen der Gesellschaft hinter mir gelassen habe. Ich habe mein Sakko gegen Wanderkleidung und Shorts getauscht, das Aftershave gegen Insektenspray und mein Auto gegen einen Camper.

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