Road Trip

Tayrona und Palomino: Zwischen Wildnis, Regenfluten und Kultur

Die starken Regenfälle der letzten Tage hatten die unbefestigten Straßen in eine Mischung aus braunem Schlamm und vollständig überfluteten Wegen verwandelt. Wie in vielen Schwellenländern gibt es keine Kanalisation, die das Regenwasser hätte aufnehmen können. So dienten die Straßen als Staubecken. Konsequenterweise sammelte sich das Wasser an den tiefsten Stellen, die ironischerweise meist an Kreuzungen waren. So stand uns das Wasser zwar nicht zum sprichwörtlichen Hals, aber bis über die Reifen unseres kleinen Mietautos. Wasser schwappte über unsere Motorhaube, als ich durch einen der Seen an einer der Kreuzungen fuhr, und ich dachte nur: Nicht runter vom Gas, nicht runter vom Gas! Der zweite Gedanke war: Hoffentlich bleiben wir nicht im Schlamm stecken. Wir schafften es durch den kleinen See auf der unbefestigten Straße – bis wir vor dem nächsten standen.

Wir waren in Palomino – einem kleinen Ort, der schneller gewachsen war, als ihm gut tat. Eine der Folgen dieses schnellen Wachstums war die schlecht ausgebaute Kanalisation. Und ich spreche hier nicht von den Abwasserrinnen in den Straßen, sondern von der eigentlichen Kanalisation. Nach starken Regenfällen kommt so einiges – was besser verborgen geblieben wäre – zurück nach oben. Der Gestank war dementsprechend, und ich fühlte fast, wie einiges davon an unserer Autoaußenseite vorbeischwomm.

„Google Maps und der Weg ins Nirgendwo: Eine Kaffeepause voller Abenteuer“

Wir hatten mal wieder denselben Fehler gemacht, den wir schon hunderte Male zuvor gemacht hatten. Wir nannten es „Sightseeing with Google“. Wir hatten ein interessantes Cafe herausgesucht und die Navigation mit Google Maps gestartet. Und so wählte unser liebes Google nicht die beste Route zum Cafe, sondern … tja, welche eigentlich? Die abenteuerlichste Route? Die nervigste? Die verrückteste? Oder einfach die Route, die in einem See endete? Jedenfalls standen wir jetzt mit den halben Reifen im Schlamm, vor uns ein kleiner See – oder vielleicht auch nur ein Tümpel? So oder so, eine Menge Wasser. Was allerdings beunruhigender war und anders als der See aus dem wir gerade gefahren waren: Aus dem Tümpel ragten Steine heraus. Nicht einfach kleine Kiesel, sondern eher Hinkelsteine (ihr wisst schon, das sind die großen Steine, die Obelix aus keinem ersichtlichen Grund andauernd durch die Gegend schleppte). Vielleicht übertreibe ich auch ein wenig. So oder so stoppte ich vor dem See, unschlüssig, ob eine weitere Seeüberquerung unser kleines Mietauto aushalten würde. Zurück wollte ich nicht. Ich sah mich etwas ratlos um. Links von uns: ein einziger See, oder besser gesagt, ein Kanal – wie in Venedig, nur ohne Gondolieri. Ein geparktes Motorrad stand halb im Wasser versunken. Rechts sah es nicht viel besser aus: Schlamm, Steine und noch mehr Schlamm. Geradeaus, nach dem See mit Hinkelsteinen, kurz Schlamm, dann wieder Wasser. Dabei wollten wir nur in ein gut bewertetes Café in Palomino.

Ein Tuk-Tuk kam um die Ecke nach dem See und stoppte. Es schien zu warten, ob wir zuerst fahren würden. Zwischen uns und ihm lag der See. Wer würde sich zuerst trauen? Keine Chance, dass ich es wäre. Der Regen prasselte leicht auf die Windschutzscheibe, und unser kaputter Scheibenwischer machte alle paar Sekunden dieses nervige „iiiiscchhhh“, wenn er im Halbkreis über die Scheibe schabte. Wie gehofft, setzte sich das Tuk-Tuk als erstes in Bewegung. Offenbar kannte der Fahrer die Strecke. Er steuerte sehr nah an einem Gebäude entlang durch den See. Zuerst sank das Tuk-Tuk ein, der Vorderreifen stand komplett unter Wasser. Dann fuhr es offenbar auf einen Stein, hob sich fast vollständig aus dem braunen See, um wenig später mehr herunterzufallen als zu fahren, und verschwand fast vollständig in den Fluten. Schlamm und Wasser schwappte über die offenen Seiten hinein, bis zu den Füßen des Fahrers. Er gab Gas.

In diesem Moment kippte das Gefährt gefährlich nach links, und ich dachte für einen Augenblick, es würde einfach umfallen und versinken. Doch das Tuk-Tuk war wie der berühmte Fels in der Brandung und schaffte es schließlich, mit einer Fontäne aus Wasser und Schlamm, die hinter ihm emporschoss, auf unsere Seite überzusetzen. Durch den plötzlichen Grip der Reifen schoss das kleine gelbe Gefährt direkt auf uns zu. Der Fahrer riss das Steuer herum, verfehlte uns um Haaresbreite und verschwand im See hinter uns, den ich zuvor durchquert hatte.

Wir beschlossen, nicht weiterzufahren, sondern zu parken. Vielleicht würde das Wasser versickern, und hoffentlich würde es nicht weiterregnen. Oder es würde weiterregnen, und unser Auto würde von den Fluten mitgerissen. Ich sah mich schon am Telefon mit der Mietwagenfirma: „Wie weg? Was heißt weggeschwommen?“, würde es von der anderen Seite des Telefons tönen, und ich würde sagen: „Einfach weg…“ Dann würde ich glucksende Geräusche machen, um akustisch ein versinkendes Auto zu beschreiben.

Wir parkten unser kleines Mietauto am schlammigen Straßenrand, nahmen unsere Sachen und stapften durch den aufgeweichten Boden in Richtung des Cafés, das Nina für uns ausgesucht hatte.

„Regenpausen, Rummikub und Begegnungen im Nebel“

Kaffeepause

Wir trockneten im „School and Café“, während wir gierig einen Kaffee und den dazugehörigen Maracuja-Kuchen verschlangen. Verdient, wie wir fanden. Schließlich waren wir und unser Auto gerade so dem sprichwörtlichen Untergang entkommen. Während wir dem Ende des Regens entgegensahen, spielten wir eine Runde Rummikub, das wir in einem kleinen Bücherregal entdeckt hatten. Neben uns, am einzigen anderen Tisch, sortierte eine Kolumbianerin Kaffeebohnen. Eine Sisyphos-Arbeit. Ihr wisst schon, der Typ aus der griechischen Mythologie, der von Zeus dazu verdammt wurde, einen riesigen Stein den Berg hinaufzurollen. Kaum war er oben angekommen, rollte das Ding wieder hinunter. Und dann begann alles von vorne. Kurz gesagt: eine Arbeit, die sich ständig wiederholt, wenig Anerkennung bringt und kaum kreative Entfaltung zulässt.

Der Regen machte bald Platz für Sonnenschein, und schon dampfte es und wurde drückend heiß. An manchen Stellen bildete sich ein leichter Bodennebel. Wir spazierten in Richtung Dorfzentrum – oder, wie wir es nannten, der „Orange Zone“. Orange Zone? Das waren die Bereiche, die auf Google Maps orange eingefärbt sind. Nicht immer die besten Gegenden, doch immer wieder Gebiete, die wir aufsuchten und auf etwas Interessantes hofften.

Wenig später bogen wir in die Hauptstraße ein – oder zumindest in das, was wir dafür hielten. Wir waren allein, bis sich plötzlich aus dem Nebel drei Gestalten schälten: zwei Erwachsene und ein Kind in der Mitte, Händchen haltend. Die Erwachsenen, die mir maximal bis zur Brust reichten, hatten dunkle, wettergegerbte Gesichter – die Art, auf denen man ein Messer hätte schleifen können. Ihre Kleidung war grob und aus Leinen, vermutlich einmal weiß gewesen. An der Hüfte hielt ein geflochtener Gürtel das einfache Gewand zusammen, das bei näherem Hinsehen eher die Form eines Kartoffelsacks hatte. Der Gürtel erinnerte an den Schultergurt der Tasche, die Nina in Minca gekauft hatte.

Die drei passierten uns, ohne uns wahrzunehmen. Obwohl wir die einzigen Menschen auf der Straße waren, schienen sie nichts wahrzunehmen, was links und rechts von ihnen passierte. Was sie in einer Seitenstraße, entfernt vom touristischen Zentrum der Tayrona-Region, zu suchen hatten, konnte ich ebenso wenig beantworten.

Ich habe kein Foto von den dreien gemacht. Dabei hatte ich die Kamera in meinem Fotorucksack, griffbereit. Aber trotz jahrelanger Reisen und geschätzt einer halben Million Fotos, knipse ich nicht einfach alles, was mir vor die Linse kommt – vor allem nicht Menschen. Dafür gibt es drei Gründe:

Erstens bin ich manchmal zu schüchtern, Menschen auf der Straße direkt zu fotografieren oder sie um Erlaubnis zu fragen. Nina hat damit übrigens keine Probleme. Zweitens sehen viele Einheimische (damit meine ich hauptsächlich die indigene Bevölkerung) auf der ganzen Welt Fotos als eine Geldquelle an und verlangen oft unverschämte Preise dafür. Und drittens gibt es Momente, die besser ohne Kamera erlebt werden.

Den Moment aufzusaugen, mit allen Elementen vollgeladen – das ist wirklich im Jetzt zu sein. Der Matsch, in dem ich halb eingesunken stand; die drückende Feuchtigkeit, die in der Luft lag und mein T-Shirt an meinen Körper kleben ließ; die Hitze, die mir Schweißperlen auf die Stirn trieb; das schmatzende Geräusch, das die drei verursachten, wenn sie ihre Füße aus dem Schlamm lösten. Und dann war da noch das, was nicht zu hören war: kein Lachen des Kindes, keine Gespräche der Erwachsenen. Nichts. Nur drei Menschen, die durch ein touristisches Zentrum wanderten und irgendwie nicht hierhergehörten.

„Von der Mitte der Welt zum Schaufenster: Die wechselvolle Geschichte der Tayrona-Region“


Während wir weiter Palomino erkundeten, schweiften meine Gedanken immer wieder zu dieser Begegnung zurück. Vor allem zur Geschichte, die mit diesen Menschen und ihrer Herkunft verbunden war. Die Tayrona – so wurde das indigene Volk dieser Region von den westlichen Eroberern genannt – betrachteten ihre Heimat als die „Mitte der Welt“. Ihre Kultur gehört zu den bedeutendsten präkolumbischen Zivilisationen Südamerikas. Sie entstand etwa um 200 v. Chr. und erreichte ihren Höhepunkt zwischen dem 11. und 16. Jahrhundert.

Wer weiß, wie es mit ihnen weitergegangen wäre, wenn nicht die Spanier im 16. Jahrhundert mit ihrer primitiven Weltsicht und ihrem unstillbaren Hunger nach Gold die Tayrona stark dezimiert hätten. Brutale Gewalt und die eingeschleppten Krankheiten der Europäer richteten verheerenden Schaden an. Die Tayrona als eigenständige Kultur verschwanden im Laufe der Kolonialzeit, doch ihre Nachfahren leben noch immer in dieser Region. Vier indigene Gruppen – die Kogi, Arhuacos, Wiwas und Kankuamos – betrachten sich heute als Hüter der Tayrona-Traditionen.

Jahrhunderte später, im 19. Jahrhundert, blühte in dieser Region der Kaffeeanbau auf – und mit ihm die weißen Landbesitzer. Sie lebten weitgehend unabhängig vom Rest des Landes, bis der Zweite Weltkrieg eine drastische Wendung brachte. Während der Krieg Europa in Stücke riss, kam der Export von Kaffee nahezu zum Erliegen. Eine einst florierende Industrie stand plötzlich still.

Etwa zur gleichen Zeit trat eine andere lukrative Nutzpflanze auf den Plan – eine, die bis heute, wenn auch inoffiziell, eine große Bedeutung hat: Marihuana. Es wurde schnell zum Favoriten entspannter Einheimischer, Künstler, Schriftsteller, Backpacker und aller, die ihren Kopf nicht anders freibekommen konnten.

Marihuana übernahm schnell die Lücke, die der Kaffee hinterlassen hatte, und wurde zur wichtigsten Einkommensquelle für die Region. Die Kaffeeindustrie hat sich davon bis heute nicht vollständig erholt.

Doch mit Marihuana kam auch der Konflikt. Die FARC betrat das Gebiet – ursprünglich eine Bewegung für das Volk, doch bald, wie bei den meisten Ideologien, kam die Korruption. Die Guerillas übernahmen eine mafiöse Kontrolle über die Gemeinden. Erpressung wurde ihr Hauptmittel, und das Gebiet stürzte ins Chaos. Später wurden die FARC von Paramilitärs vertrieben, doch für die Bewohner änderte sich nichts. Eine Mafia hatte lediglich die andere ersetzt. Die Erpressungen gingen weiter und Gewalt und Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung.

Erst, nachdem der größte Teil der ursprünglichen Bevölkerung bereits geflohen war, griff die Regierung ein. Doch das geschah viel zu spät.

Seit etwa 20 Jahren entwickelt sich die Region langsam zu einem Touristenziel. Doch wie in so vielen anderen Gebieten, die den Übergang von Tyrannei zu Kapitalismus erleben, herrscht auch hier Chaos. Von absurden Preisvorstellungen für heruntergekommene, verschimmelte Unterkünfte bis zu schlecht ausgebildeten Servicekräften – die dennoch auf ihre 10 % Trinkgeld bestanden, selbst wenn sie nach einer Stunde kaltes Essen servierten – ist alles dabei.

Das Gebiet ist vor allem bei Backpackern bekannt. Doch den indigenen Völkern bringt das kaum etwas. Abgesehen von „Besuche-die-Indigenen-für-nur-50-USD-und-mach-ein-paar-tolle-Instagram-Bilder“-Touren bleibt für sie nichts übrig. Von der Mitte der Welt zum Im-Schaufenster-Sitzen.

In dieser Region besuchten wir Palomino mit dem Tayrona-Nationalpark, Santa Marta und das Bergdorf Minca – unser Highlight dieser Region.

Palomino & Tayrona

Zwar unser letzter Stopp in dieser Region, doch da ich hier schon angefangen habe …

Unser Airbnb war ein neu gebautes, winziges Häuschen im Dschungel, eine halbe Stunde von Palomino und 15 Minuten von einem Eingang des Tayrona-Nationalparks entfernt. Die Sitzgelegenheit und die kleine Küche befanden sich im Freien – und wir teilten sie uns mit etwa 15 Milliarden Moskitos. Das Schlafzimmer – überdacht mit einem Strohdach, das übel nach Feuchtigkeit und Moder roch – war die einzige moskitofreie Zone. Auch das Bad und der missglückte Versuch einer selbstgezimmerten Komposttoilette waren im Freien und wurden genauso von Moskitos heimgesucht wie die Küche. Kurzum: Wir waren nicht sonderlich glücklich mit dieser überteuerten Unterkunft.

Also machten wir Ausflüge und lange Spaziergänge an dem scheinbar endlosen, wilden Strand.

Der Strand der Küste in der Tayrona-Region ist pure Wildheit – ungezähmt, endlos und von einer rauen Schönheit, die nur selten anderswo auf der Welt zu finden ist. Hier gibt es keine gepflegten Promenaden, keine Liegestühle in Reih und Glied, keine Hotelburgen und keine chicen Beachclubs mit Cocktails. Stattdessen erstreckt sich vor einem das aufgewühlte, dunkel schimmernde Meer, das unaufhörlich gegen den groben, steilen, goldbraunen Sand donnert. Der Wind trägt den salzigen Duft des Ozeans heran, vermischt mit der erdigen Frische des angrenzenden Dschungels, dessen sattgrüne Bäume bis an die Küste vordringen. Breite Flüsse schwemmen Blätter, Äste und anderes Treibgut aus den Bergen der Sierra Nevada heran und verleihen dem Meer eine noch wildere und unberührtere Wirkung.

Kein Mensch weit und breit. Nur wir und der Klang der Wellen, der uns wie ein stark schlagender Puls der Natur begleitete. Ab und zu unterbrach ein frecher Pelikan die Einsamkeit, tauchte mit einem gewagten Sturzflug ins Wasser, um manchmal triumphierend mit einem Fisch wieder aufzutauchen. Die Atmosphare fühlte sich beinahe surreal an, wie ein Ort, den die Zeit vergessen hatte. Und genau das machte ihn so besonders – ein Rückzugsort, an dem man sich vollständig der Schönheit der Natur hingeben konnte.

Der Haupteingang des Tayrona-Nationalparks hingegen ist wohl das touristischste Übel der Region. Schon früh morgens, bevor der Park seine Pforten öffnet, stehen die Menschen Schlange, während Busse über Busse stinkend heranrollen und unzählige Backpacker ausspucken. Der komplizierte Kauf von Eintrittskarten – der nur in Verbindung mit einem Reisepass und einer verpflichtenden Versicherung möglich ist (bei der niemand wirklich erklären kann, was sie abdeckt) – sorgt dafür, dass die Schlange immer länger wird, anstatt kürzer.

Viele Besucher übernachten im Park in voraufgestellten Zelten. Zeltwand an Zeltwand. Wie romantisch. Ob der Nationalpark sehenswert ist, hängt unserer Meinung nach stark davon ab, was man schon gesehen hat. Für uns war ein Besuch im Tayrona-Nationalpark keine Bereicherung.

Minca – Ein kleines Paradies in den Bergen Kolumbiens

Es gibt Orte, die wir besuchen und uns sofort wohlfühlen. Minca, ein kleines Dorf in den Bergen der Sierra Nevada de Santa Marta im Norden Kolumbiens, ist genau so ein Ort. Etwa 650 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, bietet Minca eine frische Brise, sattgrüne Landschaften und eine entspannte Atmosphäre – der perfekte Kontrast zur Hitze und Hektik der Küstenstadt Santa Marta, die nur eine Stunde entfernt liegt.

Wir hatten uns ein kleines Haus gemietet, das zu einem Hostel gehörte. Es lag etwa fünf Minuten von der Hauptstraße im Ortskern entfernt, wo im Stundentakt dutzende Kleinbusse Backpacker aus aller Welt aus Santa Marta ausspuckten. Hauptsächlich aus Europa, wie es uns schien, mit Deutschland und Frankreich an der Spitze. Von dort aus ging es für die Ankömmlinge zu Fuß oder mit Mototaxis (Motorrädern, auf denen man hinten drauf mitfahren kann) weiter zu den jeweiligen Hostels. Von unserem Häuschen war die Terrasse das Beste: Von einer Hängematte oder einem Loungesessel aus konnten wir den Blick über den Dschungel schweifen lassen.

Die Magie von Sonnenaufgang und -untergang

Ein besonderer Moment in Minca ist der Sonnenaufgang. Die Berge hüllen sich in Nebel, und die ersten Sonnenstrahlen brechen langsam durch das Grün der Bäume. Auch der Sonnenuntergang ist ein Highlight. Die Sierra Nevada färbt sich in warmen Orangetönen, und mit einem Getränk in der Hand auf einer Terrasse zu sitzen und einfach nur die Schönheit der Landschaft zu genießen, ist der perfekte Abschluss eines Tages in Minca.

Ein Paradies für Naturliebhaber

Minca ist ein Paradies für Naturliebhaber. Die Region ist bekannt für ihre beeindruckende Flora und Fauna. Hier kann man endemische Vogelarten, bunte Schmetterlinge – so groß wie eine Handfläche – und sogar Brüllaffen in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten. Leider hatten wir kein Glück mit den Brüllaffen, aber die Vielfalt der Natur war dennoch beeindruckend.

Erfrischende Wasserfälle und natürliche Pools

In Minca gibt es zahlreiche Wasserfälle – viele davon allerdings mittlerweile recht touristisch und mit Eintrittspreisen versehen. An einem Wasserfall, den ich nach einer Flussdurchquerung erreichte, stand ich mit nasser Badehose inmitten des Dschungels vor einer Kolumbianerin. Sie wollte 16.000 COP – etwa 3,50 EUR – für den Eintritt oder besser gesagt das Passieren hin zum Wasserfall. Doch es gibt auch weniger besuchte Wasserfälle, die für Mototaxis unzugänglich sind. Nach einer Wanderung durch den warmen Regenwald fanden wir einen versteckten Wasserfall, der die perfekte Abkühlung bot. Wir badeten im klaren Wasser, umgeben von dutzenden blauen Riesenschmetterlingen, und genossen die Ruhe der Natur.

Fazit: Minca – Eine Oase der Ruhe und Schönheit

Wer die Natur liebt, dem Alltag entfliehen und eine andere Seite der Santa-Marta-Region kennenlernen möchte, ist in Minca genau richtig. Es ist einfach, zu entschleunigen, die Schönheit der Natur auf sich wirken zu lassen und neue Energie zu tanken. Egal ob Wandern, Vogelbeobachtung oder einfach nur Entspannen.

Santa Marta – Zwischen Kolonialcharme und Küstenchaos

Santa Marta ist eine Stadt der Gegensätze. Sie gilt als eine der ältesten Städte Südamerikas und strahlt mit ihren kolonialen Gebäuden und der hübschen Kathedrale im historischen Zentrum einen gewissen Charme aus. Doch das ist erst der zweite Eindruck. Wer von Osten in die Stadt kommt, durchquert zunächst den heruntergekommensten Teil von Santa Marta, der uns an die Townships um Kapstadt erinnerte: gemauerte kleine Häuser, ohne Fenster, dafür mit Gittern versehen, Wellblechdächer und Wände, die von Schlammspritzern und anderen Flecken übersät sind – eine verblasste Erinnerung an bessere Zeiten. Menschen in schäbiger Kleidung saßen auf Plastikstühlen am mit Müll übersäten Straßenrand. Müll und alter Hausrat waren oft kaum voneinander zu unterscheiden. In diesem Gebiet scheint das Chaos zum Alltag zu gehören.

Die Uferpromenade, die „Malecón“ (übersetzt „Ufermauer aus Stein“), bietet eine willkommene Abwechslung. Hier findet man einige Restaurants, Lokale und Geschäfte. Zwei Straßen entfernt und über mehrere Blocks hinweg erstreckt sich eine Touristenstraße. Dort trafen wir auf einen Mix aus schäbigen Bars, überteuerten Restaurants und dem allgegenwärtigen Versuch, den Besuchern ein Stückchen karibisches Flair zu verkaufen. Die Hafenstadt hat sich trotz ihres touristischen Potenzials nicht wirklich herausgeputzt und scheint damit den Standard für diese Region zu setzen.

Für uns war die Stadt der Startpunkt unserer Tayrona-Region-Erkundung. Wir landeten hier und hatten unser Mietauto für den Rest unseres Kolumbien-Aufenthalts ebenfalls hier gebucht.

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Hi, ich bin Jay. So kraftvoll wie in diesen letzten Jahren ist mir das Leben noch nie begegnet und es darf mich nicht wundern, dass ich das Reich von schnellen und unpersönlichen Geschäften und dem Erfüllen der Erwartungen der Gesellschaft hinter mir gelassen habe. Ich habe mein Sakko gegen Wanderkleidung und Shorts getauscht, das Aftershave gegen Insektenspray und mein Auto gegen einen Camper.

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