Liebe Nina,
Vor sieben Jahren sind wir gemeinsam aufgebrochen, ohne genau zu wissen, was uns erwartet. Nur wir zwei und Träume, die weiter reichten als der Horizont. Gemeinsam mit unseren Taschen haben wir den Ballast aus unserem alten Leben mitgenommen – Ballast, den wir erst langsam lernten, loszulassen. Seitdem haben wir unzählige Leben an unzähligen Orten gelebt – jedes Land, jeder Ort, jede Begegnung hat sich in unsere gemeinsame Geschichte eingegraben. Jeder Kilometer hat uns enger miteinander verbunden.
Dieses siebte, so intensive Jahr fühlt sich an wie ein Kaleidoskop der Welt. Ich sehe Fragmente von uns in den Gesichtern und Geschichten der Menschen, die wir getroffen haben, in den Orten, die wir bereist haben, und in den Erinnerungen, die durch neue Erlebnisse geweckt wurden.
Ich denke an uns im hinteren Teil unseres Campers in Alaska, wo Millionen Moskitos ihren Weg ins Innere suchten. Oder im Yukon, wo ein Bär durch unser Lager lief. Mehr Platz brauchten wir nicht – wir hatten ja uns. Ich erinnere mich an unseren Urlaub in diesem Hotel in Thailand, wo wir es uns nicht nur gut gehen ließen, sondern auch all die wunderbaren Menschen kennenlernen durften. An die absurde Zugfahrt in Vietnam, als die Klimaanlage ausfiel und wir stundenlang am Fenster standen, um ein wenig Luft zu bekommen. Oder daran, wie unser Herz bis zum Hals schlug, als wir mit unserem kleinen Mietauto die zehnte Straßensperre in Kolumbien durchbrachen. An den Flug von Tokio nach Edmonton, wo uns die Winde zehn Stunden lang wie Spielzeuge hin und her warfen. Und erinnerst du dich, wie wir Hand in Hand auf der kleinen Bank saßen und über die Dächer von Lijiang in China blickten? Ich könnte mir keinen anderen Ort vorstellen, an dem ich lieber gewesen wäre.
Die Welt erscheint uns heute kleiner und doch auch größer, wenn wir sie durch die Linse all dessen betrachten, was wir gemeinsam erlebt haben.
Das Leben auf Reisen ist nicht immer einfach. Es gibt enge Räume – ja, physisch, aber auch emotional. Momente, in denen wir unsere Geduld auf die Probe gestellt haben. Momente, in denen das Schweigen schwer in der Luft hing. Noch nie waren wir so lange ohne unseren Camper unterwegs, nur mit Rucksack und Mietauto. So oft in neuen Unterkünften. Oft fehlte der Rückzugsort – das Vertraute, auch wenn es nur unsere gewohnten vier Quadratmeter Wohnfläche in unserem Camper waren.
Und doch gibt es keinen einzigen Augenblick, in dem ich an uns zweifle. Ich habe die Welt in so vielen ihrer Facetten gesehen – atemberaubend, herausfordernd und manchmal überwältigend. Das Wunderbarste daran ist, dass ich sie mit dir gesehen habe, mit dir sehe und weiterhin mit dir sehen werde.
Wenn ich an uns vor sieben Jahren denke, als wir unsere Taschen packten und das, was wir für „Zuhause“ hielten, hinter uns ließen, hätte ich mir das Leben, das wir seitdem aufgebaut haben, nicht erträumen können. Gemeinsam haben wir gelernt, dass Zuhause kein Ort ist – Zuhause ist ein Mensch. Zuhause bist du, meine geliebte Nina.
Auf dieses Jahr – auf das Lachen, die Sonnenuntergänge, die Umwege und die Entdeckungen. Auf die sechs Jahre davor, die das Fundament dessen sind, was wir heute sind. Und auf die kommenden Jahre, auf die Wege, die wir noch nicht gegangen sind, und auf die Momente, die wir wie Schätze sammeln und in vollen Zügen genießen werden.
Danke, dass du meine Partnerin, Freundin, mein Kompass und das größte Abenteuer meines Lebens bist.
In unendlicher Liebe,
J
Jen
Was für wunderschöne Worte du gefunden hast mein lieber Jürgen. Die Worte rühren zu Tränen. Carlo und ich sind so glücklich euch kennengelernt zu haben. Ihr habt einen großen Platz in unserem Herzen ♥️ und wir freuen uns auf bald. Fühlt euch umarmt