Cornwall – Unsere Reise in Südengland

Cornwall

Weiter westlich wie Cornwall geht es nicht. Das keltische Königtum oder Kernow wie es die “Cornischen” Bewohner nennen, ist gesegnet mit der wildesten Küste und den atemberaubendsten Stränden im Südwesten. Mit einem Lächeln überquerten wir den Fluss Tamar und waren in Cornwall angekommen. 

Wir hatten schon so viel von Cornwall gehört, viele blumige Erzählungen von Urlaubern und Wochenendausflüglern. Als wir auf der Karte schauten wo unser erstes Ziel war, stellten wir fest, wie wenig wir doch über Cornwall wussten. Das würde sich nun ändern.

Saltash auf der anderen Seite des Fluss Tamar gilt als “Gateway to Cornwall” also das Tor zu Cornwall. Ein Grund anzuhalten war dies allerdings nicht.

Das Herzogtum Cornwall ist eines der zwei königlichen Herzogtümer in England. Der Sohn des herrschenden britischen Monarchen erbt das Herzogtum. Das ist kein Witz. Somit gehört auch heute noch das Herzogtum Cornwall, Prinz Charles – oder offizieller –  Charles Philip Arthur George, Prince of Wales und Duke von Cornwall.

Aber Cornwall ist auch eine Grafschaft, eine zeremonielle und eine traditionelle und obendrein noch eine Verwaltungsgrafschaft. Wer genau den Unterschied wissen will, sollte am besten ein Studium zu diesem Thema ablegen. Es scheint sich niemand so genau auszukennen. Es gibt Ausnahmen der Ausnahmen – ein klassisches britisches System.

Cornwall hat sich von seinen Minenzeit gut erholt und als britsche Künstlerecke neu erfunden. Die Top To-do Listen dieser idylischen und in den letzten Jahren immer mehr gehypten Region sind unzählig im Internet zu finden. Ob nun St. Ives, Land’s End, the Minack Theatre, bei Ebbe zu St. Michaels’ Mount spazieren, mit der Fähre von Truro nach Folmouth zu fahren oder in der Newques’s Fistral Bay Surfen zu gehen, die Liste ist endlos.

Rosemunde Pilcher

Für den deutschprachigen Europäer kommt man um Rosemunde Pilcher nicht herum. Die britische Autorin die seit den 1940er Jahren Romane schreibt, gilt mit rund 65 Millionen verkauften Büchern als einer der erfolgreichste Autoren ihrer Zeit.

Sie gilt als Meisterin der Liebesschnulzen. Sie belegt im April 2003 Platz 50 der Top 100 Liste der BBC beliebtesten Romanen. 

Die Deutsche, öffentlich rechtliche Sendeanstalt ZDF, verfilmte hunderte von Pilcher´s Romanen, die der Sender zur Prime Time ausspielte. Die Filme erinnern an Hallmark Filme in den US. 

Insbesondere im deutschsprachigen Raum wurden die Verfilmungen erfolgreich und führten zu einem Touristenboom in Cornwall und Devon.

So berichtete der Chef des Fremdenverkehrsamtes “Visit Cornwall” Malcom Bell: „Dass Cornwall die Kulisse für die Filme stellt, ist das beste Marketing, das wir bekommen können“, die Hälfte aller ausländischen Gäste in der strukturschwachen Gegend seien deutschsprachig, was als „Rosamunde-Pilcher-Effekt“ bezeichnet wird.  Etwa bis zu 350.000 Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz würden jährlich anreisen.

Eden Projekt

Die riesigen Biome des Eden-Projekts – die größten Gewächshäuser der Welt – wurden auf dem Boden einer Tongrube erbaut und sind zu einem der berühmtestem Wahrzeichen in Cornwall geworden. Edens blasenförmigen Biome ähneln einer Mondlandestation und bewahren Miniaturökosysteme, in denen alle Arten von seltsamen und wundervollen Pflanzen gedeihen. Mit 28.50 GBP pro Person war das gemeinnützige Projekte doch ein wenig zu teuer und wir fuhren weiter.


Truro

Truro war unser erster Stop in Cornwalls Hauptstadt und gleichzeitig einzige Stadt. Das Stadtbild wird dominiert von den drei mächtigen Türmen der Truro Kathedrale – einer der drei 3-türmigen Kathedralen in UK. 

Wie auch der Rest von Cornwall, verdankt Truro seinen ehemaligen Reichtum dem Zinnabbau. Truro entwickelte sich zum wichtigsten Hafen in Cornwall um die Metalle aus den umliegenden Bergbaustädten nach Übersee zu exportieren. 

Truro war mit seinen typischen britischen Chainstores nichts Besonderes und hätte vermutlich keinen bleibenden Eindruck auf uns hinterlassen. Doch wie meist auf unseren Reisen, ist das Erleben meist verbunden mit besonderen Menschen. Mal klein, mal gross. Im Falle Truro war es ein äusserst zuvorkommender und hilfsbereiter Angestellter des “Park and Ride” Parkplatzes. Er gab uns eine Karte von Truro und besprach wie ein Tourguide der gerade keine Zeit hatte, eine vollständige Stadtführung mit uns zu machen, die Highlights von Truro und wie der beste Routenverlauf durch die Stadt aussah.

Er bezog die aktuelle Uhrzeit ein und plante wann wir am besten zu Cream Tea bei dem kleinen Cafe in der Library sein sollten. Mit einem handgezeichneten Plan und einigen Notizen entliess er uns zum wartenden Shuttelbus. Wir mochten Truro.


Cream Tea

Als Cream Tea wird im Vereinigten Königreich, allen voran in Cornwall, nicht etwa ein Tee mit Creme oder Milch bezeichnet. Es handelt sich um eine kleine Mahlzeit, die aus Tee, meist mit Milch, Scones, clotted cream und Erdbeermarmelade serviert wird.

Ein Scone ist ein typisch Englisches Gepäck. Es wird meist warm serviert und schmeckt wie eine flaumigere Ausgabe eines Muffins. Die besondere Konsistenz von Scones entsteht durch die Einarbeitung von kalter Butter in den Teig, der nur wenig geknetet werden darf. Ähnlich wie bei einem Mürbteig. Vor der Erfindung des Backpulvers (um 1850) wurden Scones in der Pfanne zubereitet und ähnelten eher Pfannkuchen.


Penzance

Wir machten Stop in Penzance. Die majestätische Bucht von Mount’s Bay und der alte Hafen von Penzance fühlte sich anders an, als die vielen aufpolierten Häfen von Cornwall.

Penzance wirkt authentischer und echter und baufälliger. Daran können auch die wunderschönen Granitbauten der Stadt nichts ändern. Dank der alten Great Western-Bahnlinie war Penzance einst eine florierende Hafenstadt und somit ein bedeutender Ferienort. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beherbergte es Cornwalls einzige Promenade und später den Jubilee Pool, Großbritanniens größtes Freibad.

Doch irgendwann blieben die Urlauber aus und an dessen Stelle trat – nun ja – nichts.

Es ist jedoch nicht alles schlecht. Penzance ist eine von Natur aus interessante und attraktive Stadt, einer beträchtlich künstlerischen Gemeinschaft, die sich in einer Reihe von Galerien widerspiegelt. 

St. Michael’s Mount

Nur ein paar Autominuten von Penzance entfernt, können Besucher der beeindruckenden, mittelalterlichen Burg und Kirche auf der kleinen felsigen Gezeiteninsel St. Michael’s Mount ein kleines Abenteuer erleben.

Die Insel ist bei Ebbe zu Fuß über den Damm erreichbar. Zu anderen Zeiten steigt man in ein Boot, um die Überfahrt zu machen. Ein wirklich netter Ausflug von Penzance.


Lands End

Land’s End ist ohne Zweifel eine der schlimmsten Touristenattraktionen in Cornwall. Wenn man sich allerdings vom völlig überteuerten Parkplatz durch den schrecklichen Themenpark zu den Klippen durchkämpft, wird man belohnt.

Vor uns der Atlantik, unser Blick nach Westen nach Nordamerika gerichtet. Immer gut ?. Nicht ganz so weit weg und direkt vor uns, eine dramatische und 80 Meter abfallende, schwarze Klippe. Im Morgenlicht schimmert der wilde, unruhige Atlantik und der eisige Wind bläst uns fast von unseren Füssen. Land’s End ist der westlichste Punkt von Grossbritannien und bei Vogelbeobachter beliebt. Ganz in der Nähe in der Sennen Cove liegt ein bekannter Surfspot. 

Wir standen ganz vorne an den Klippen und wurden uns bewusst, dass wir in diesem Augenblick, die am westlichsten Menschen in ganz Grossbritannien waren. ?


St. Ives

Gestärkt mit Fish & Chips – mehr Chips als Fish, da es sich um “bottomless” Chips handelte – traten wir in die warme Sonne hinaus und waren erneut überwältigt von dem einmaligen Ausblick auf den Hafen und die bunten Häuser.

Wenn es einen Preis für die schönsten Häfen in Cornwall geben würde – den es womöglich auch gibt – wäre St. Ives ganz vorne dabei. Eine dicht gedrängte Ansammlung von bunten Häusern, Fischerhütten und Kirchtürmen, die sich um eine türkisblaue Bucht erstreckt – ein Anblick wie in einem Film.

In den 1920er und 1930er Jahren wurde St. Ives zum Zentrum der Kunstszene von Cornwall, als berühmte Persönlichkeiten wie Stanhope Forbes, Lamorna Birch, Julius Olsson, Adrian Stokes, Dame Laura Knight, Sir Alfred Munnings and Sir Stanley Spencer hierher zogen.


Padstow

Padstow Harbour

Der Fischereihafen von Padstow hat in den letzten Jahren eine explodierende Popularität erlebt. Rund um den attraktiven Hafen gelegen, ist die geschäftige Stadt eine vielseitige Mischung aus Fischerhütten und Kaufmannshäusern. Während die Fischerei und der Handel im Hafen im Laufe der Jahrhunderte zurückgegangen ist, hat sich Padstow als eines der besten Ferienresorts in Cornwall etabliert. 

Eine der größten Attraktionen von Padstow ist wohl der Hafen, zu dem alle Wege führen. Segel- und Sportboote treffen auf Fischerboote und sowohl Bootsfahrten, als auch die “Rock-Fähre” befördern Passagiere, sowie Tagesausflügler aus Padstow.

Es ist ein grossartiger Ort, um eine Sitzgelegenheit zu finden und für eine Weile das geschäftige Leben des wunderbaren Ortes beobachtend in sich aufzusaugen.


Newquay

Wir haben von einem Besuch in Newquay abgesehen. Der schlechte Ruf der Stadt mit ihrem berüchtigtem Nachleben in Trash-Clubs, lauten Pubs und blinkenden Spielhallen, sowie Betrunkenen an jeder Ecke, hatte auf uns keine besondere Anziehungskraft ausgeübt, obwohl es sich um Cornwalls Surfhauptstadt handelt.


Tintagel

Über Port Isaac geht es nach Tintagel, Geburtsort von King Arthur, oder auch nicht – wer weiss denn das so genau. Jedenfalls sind Geschichte und Legende in Tintagel untrennbar miteinander verbunden. Etwa vom 5. bis zum 7. Jahrhundert war es eine wichtige Festung und wahrscheinlich eine Residenz der Herrscher von Cornwall.

Der Schriftsteller Geoffrey von Monmouth aus dem 12. Jahrhundert wurde jedenfalls hier inspiriert, in seinem Werk “History of the Kings of Britain” dies als den Geburtsort von King Arthur zu verwenden. Eine interessante Geschichte. Nicht besonders nett, aber interessant.


Bude

Nur einen Steinwurf von der Grenze zu Devon entfernt, liegt Bude. Unser letzter Stop in Cornwall. Die Stadt selbst hat nicht viel Lohnendes anzuschauen. Die atemberaubende Küste lädt dennoch für einen kurzen Stop ein.


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Hi, ich bin Jürgen. Die meisten kennen mich als Jay. I know, das kann manchmal verwirrend sein. Wie ich zu meinem neuen Namen gekommen bin, hat mit hunderten falschen Starbucks Bechern, die allesamt mit anderen Namen beschriftet waren, zu tun. So kraftvoll wie in diesen letzten Jahren ist mir das Leben noch nie begegnet und es darf mich nicht wundern, dass ich das Reich von schnellen und unpersönlichen Geschäften und dem Erfüllen der Erwartungen der Gesellschaft hinter mir gelassen habe. Ich habe mein Sakko gegen Wanderkleidung und Shorts getauscht, das Aftershave gegen Insektenspray und mein Auto gegen einen Camper.

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