„Warum wolltest du eigentlich nicht nach Rio?“, fragte Nina, während wir auf dem breiten Radweg spazierten, den sich Radfahrer, Scooterfahrer und Laufbegeisterte gleichermaßen teilten. Gute Frage. Warum eigentlich? Ich hatte zu viel Negatives gehört und gelesen: Raubüberfälle am helllichten Tag oder Dengue-Hochburg von Südamerika. Und dann war da noch die Geschichte eines Motorradfahrers, der einen Kopfschuss bekam – nur weil er eine Helmkamera trug und für einen Polizisten gehalten wurde. Ganz zu schweigen von den unzähligen, teils brutalen Überfällen in bekannten Touristengegenden wie dem Aufstieg zur Christusstatue.
Meine Gedanken wurden von einem Mann unterbrochen, der uns joggend entgegenkam.
Es war unmöglich, nicht hinzusehen. Schweißperlen glitzerten auf seiner gebräunten Haut, während er mit kraftvollen Schritten näherkam. Seine Brust – zwei riesige Muskelpakete – hob und senkte sich in gleichmäßigem Rhythmus, jeder Atemzug kontrolliert. Die Muskeln an seinen Armen und Schultern zeichneten sich deutlich ab, und bei jedem Schritt blitzten seine definierten Bauchmuskeln auf. Sechs oder gar acht? Seine Waden spannten sich mit jeder Bewegung, Sehnen und Muskeln spielten unter der Haut wie ein perfekt abgestimmtes Uhrwerk. Trotz der Anstrengung wirkte er mühelos – als wäre Laufen für ihn keine Herausforderung, sondern pure Selbstverständlichkeit. Sein Blick war fokussiert, sein Körper in perfekter Harmonie mit der Bewegung. Ein lebendiges Abbild von Kraft und Disziplin.
Kurz gesagt: Er sah aus, als wäre er direkt einem dieser Hollywood-Filme entsprungen – Top Gun, Baywatch … oder wie hieß dieser Science-Fiction-Film nochmal mit dem Typen im Kostüm und dem riesigen Hammer? Egal. Oder vielleicht einer von den Chippendales? Oder …
Und dann kam der Nächste. Direkt hinter ihm. Könnte sein Zwillingsbruder sein.
Nina und ich sahen uns sprachlos an. Und es ging weiter. Männer und Frauen – alle sportlich, alle mit athletischen Figuren. Das ist keine Übertreibung. Abgesehen von manchen Ecken in Los Angeles und den umliegenden Stränden haben wir noch nie eine solche Dichte an durchtrainierten Menschen gesehen. Sie waren überall. Am Strand, an der Lagune, oberkörperfrei im Restaurant (nur die Herren), im Shoppingcenter mit weißem Rock, Sport-BH oder Bikini und riesiger Sonnenbrille. Fitnessstudios, Pilates-Studios und Spinning-Studios an jeder Ecke. Radwege, auf denen mehr Jogger als Radfahrer unterwegs waren. Einfach überall.
Wow.
„Nicht so wichtig“, antwortete ich schließlich auf Ninas Frage – gerade als ein halbes Dutzend athletischer Frauen an uns vorbeilief. Vermutlich Karnevalstänzerinnen oder Profi-Surferinnen im Training.
Willkommen in Rio. Besser gesagt: Willkommen in Ipanema.
Willkommen in Rio




Willkommen in Rio. Besser gesagt: Willkommen in Ipanema.
Ja, Ipanema. Ihr wisst schon …
Dim-dum-dum, pling-gung-gung, pling-gung-gung…
Tall and tan and young and lovely
The girl from Ipanema goes walking
And when she passes, each one she passes goes
“Ahhhhhhhhhh!”
Nicht? “The Girl from Ipanema” – von Antônio Carlos Jobim und Vinícius de Moraes. Später von Frank Sinatra, Amy Winehouse, Ella Fitzgerald und unzähligen anderen Künstlern gecovert.
When she walks she’s like a samba that
Swings so cool and sways so gently
That when she passes, each one she passes goes
“Ahhhhhh!”
Ich habe gelesen, dass die Inspiration für das Lied Heloísa Eneida Menezes Paes Pinto war – besser bekannt als Helô Pinheiro. Sie war damals ein 17-jähriges Mädchen, das regelmäßig an der Strandpromenade von Ipanema entlang ging – das war noch bevor Sie 1987 als Playmate im Playboy abgelichtet wurde. Moraes und Jobim sahen sie oft, während sie in einer Bar namens Veloso saßen – fasziniert von ihrer Schönheit und ihrem eleganten Gang.
Vinícius de Moraes beschrieb sie später so:
„Sie war das Paradigma der jungen Carioca (Einwohner von Rio) – gesund und goldhäutig, mit einer Mischung aus Blume und Meer, voller Licht und Anmut, die mit ihrem süßen und schwingenden Gang direkt ins Herz ging.“
Und so war vermutlich der berühmteste Bossa-Nova-Song geboren – ein Lied, das uns in den nächsten Wochen nicht mehr aus dem Kopf ging. Ebenso wenig wie die unzähligen Männer und Frauen, die wir täglich bei unseren Streifzügen durch Rio begegneten, die genau das – im wahrsten Sinne des Wortes – verkörperten.
Tall and tan and young and lovely …
Dim-dum-dum, pling-gung-gung, pling-gung-gung …
Der Zauber von Ipanema – Ein Spaziergang durch das Herz Rios





Nina hatte unsere Unterkunft in einem ruhigen Teil von Ipanema gefunden, direkt an der Lagune. Es war eines dieser richtig guten Airbnbs – sauber, durchdacht und voller Leben. Als würden wir für eine Weile in die Wohnung einer guten Freundin einziehen. Der Kühlschrank war zur Begrüßung gefüllt, es gab frisches Obst, Wasser und sogar Kaffee. Bücher standen im Regal, nicht nur zur Deko, sondern zum Lesen. Und nachts: Stille. Keine lauten Bars, kein Trubel vom Strand – einfach Ruhe. Was schon was heissen mag in angeblich eines der lautesten Städte Südamerikas.
Von dieser kleinen Oase brachen wir meistens zu Fuß oder mit einem der überall herumstehenden E-Roller auf, um Ipanema, Leblon und Copacabana zu erkunden.
Spazierend durch die breiten Alleen, gesäumt von unzähligen Bäumen, konnten wir kaum glauben, dass Ipanema noch im 19. Jahrhundert kaum mehr als ein landwirtschaftlich genutztes Gebiet mit ein paar Landgütern und Weideflächen war. 1894 begann dann die offizielle Stadtplanung – mit einem rasterförmigen Straßennetz, ganz im Stil amerikanischer Städte. Heute spiegeln die weiten Straßen mit ihren modernen Apartmentkomplexen das entspannte, aber doch pulsierende Lebensgefühl Rios wider.
Ipanema hat für uns eine ganz eigene Magie. Es ist weit mehr als nur ein berühmter Strand. Keine überfüllten Straßen, keine Hektik – stattdessen sauber, gepflegt und überraschend grün. Ein Viertel, das sich nicht aufzudrängen braucht, um beeindruckend zu sein. Zwischen charmanten Cafés, schicken Boutiquen und belebten Plätzen entfaltet sich eine Atmosphäre, die zugleich kosmopolitisch und typisch brasilianisch ist. Hier begegnen sich Welten: Surfer in Badeshorts und Flip-Flops plaudern mit Geschäftsleuten in luftigen Leinenanzügen, Straßenmusiker wechseln ein paar Worte mit elegant gekleideten Damen, die mit Einkaufstüten von lokalen Designern unterwegs sind. Es scheint, als gäbe es hier keine Eile – als würde Ipanema die Zeit selbst ein kleines bisschen verlangsamen, nur um das Leben umso genussvoller zu machen.
Mode folgt hier keinen festen Regeln. Sie ist entspannt, genau wie das Leben in dieser Stadt. Offene Hemden, Bikinioberteile nicht nur am Strand, sondern auch im Alltag. Die breiten Gehwege, flankiert von Boutiquen, Cafés und Galerien, laden zum Flanieren ein. Und genau das taten wir – stundenlang, ziellos und fasziniert, durch Ipanema, Copacabana und Leblon, für uns die wohl aufregendsten Viertel Rios. Hier gibt es nicht nur die typischen internationalen Modeketten, sondern auch Läden, in denen lokale Künstler und Designer ihre Werke ausstellen. Ein Paradies für all jene, die das Besondere suchen – oder einfach nur staunen möchten, wie stilvoll man Flip-Flops mit einem Seidenkleid kombinieren kann.
Das Leben spielte sich in Bars und Restaurants ab. Oft waren es nur kleine Imbisse, in denen das “Cerveza” in winzigen Gläsern serviert wurde – eiskalt, sodass es fast hörbar zischte, wenn es die ausgetrocknete Kehle hinunterfloss. Bei Temperaturen, die sich hartnäckig in der Mitte der 30-Grad-Marke hielten, saßen wir genüsslich mit einem dieser kleinen Biere in der Hand, einem Snack auf dem Teller und einem spontanen Smalltalk mit dem Nachbarn, der genauso ziellos hier gelandet war wie wir. Es gab charmante Delikatessenläden mit hausgemachten Tortellini und italienischen Desserts, als hätte sich ein Stück Toskana in die Tropen verirrt.
Und natürlich: Açaí. Überall. Kein Wunder – schließlich kommt das Zeug genau von hier. An jeder Ecke eine Açaí-Bar, doch die beste Bowl gab es immer noch zu Hause: mit organic Açaí-Pulp, winzigen süßen Bananen, saftiger Papaya und reifer Mango vom Markt. Ein im Lieblingssupermarkt “Zona Sul” gekauftes Kilo hielt nie lange und wurde zu einer der ersehnten Erfrischungen nach einem Tag voller Spaziergänge, Wanderungen und ziellosem Windowshopping.









Märkte








Jeden Tag war irgendwo Markt. Ein bunter Gypsy-Markt mit Kunsthandwerk, Malereien, Schmuck, Ledertaschen und Souvenirs aus Rio – überall Christus- und Zuckerhut-Motive. Doch in den Gemälden zeigte sich auch eine andere Seite der Stadt: die Favelas, die Armenviertel, die das Stadtbild genauso prägen wie die berühmten Sehenswürdigkeiten. Bis auf die Plastik-Zuckerhüte war hier alles handgemacht – mit Liebe zum Detail und spürbarer Freude an der Arbeit.
Morgens, in einem kleinen Park unweit unserer Unterkunft, fand ein Obst- und Gemüsemarkt statt. Der süße Duft reifer Bananen und saftiger Mangos lag in der Luft, vermischt mit dem Aroma von Passionsfrüchten, Papayas und anderen exotischen Köstlichkeiten. Wir schlenderten mit einer frischen Kokosnuss in der Hand durch die Stände, nippend am kühlen Kokoswasser. An jedem dritten Stand blieben wir stehen, wechselten ein paar Worte mit den Händlern, ließen uns Früchte aufschneiden und probierten hier eine süße Ananas, dort eine unbekannte Frucht mit intensivem Aroma. „Haben wir noch Bananen?“ – eine harmlose Frage, die jedes Mal in mehreren prall gefüllten Tüten endete. Aber wer könnte bei so viel frischer, duftender Vielfalt schon widerstehen?
Der Strand von Ipanema
Dann war da der Strand – eine Welt für sich. Tausende Sonnenschirme standen dicht an dicht, wie an einem italienischen Strand im Ferragosto oder in Cancun zu Spring Break. Es war voll, so richtig voll. Aber statt Chaos oder Stress lag eine fast gemächliche Stimmung in der Luft. Niemand schob sich hastig durch die Massen oder suchte hektisch nach einem freien Fleck. Hier wurde nicht einfach nur in der Sonne gelegen – hier wurde gelebt.
Die Menschen flanierten am Ufer entlang, blieben immer wieder für einen kurzen Plausch stehen, lachten, gestikulierten. Kleine Grüppchen saßen im Sand, lehnten sich entspannt auf ihre Ellbogen zurück, während sie mit geschultem Blick die vorbeiziehende Menge beobachteten – oder selbst beobachtet wurden. In Rio war der Strand nicht nur ein Ort der Erholung, sondern eine Bühne. Stolz präsentierte man sich, ob in knappen Bikinis oder engen Badeshorts, mit sonnengebräunter Haut und durchtrainierten Körpern. Doch es ging nicht nur um Fitness – es ging um Stil. Goldene Ketten funkelten in der Sonne, teure Uhren blitzten an gebräunten Handgelenken. Jede Bewegung wirkte beiläufig, doch sie war bewusst gesetzt. Selbst ein Spaziergang am Wasser war mehr als nur ein Gang ins Meer – es war eine Gelegenheit, gesehen zu werden.
Alkohol wurde zwar getrunken, aber in Maßen, nie exzessiv. Stattdessen gab es frische Kokosnüsse, die Straßenhändler mit geübtem Machetenhieb öffneten, während sie mit ihren Kunden scherzten. Ein Eisverkäufer schob sich gemächlich durch die Menge, hielt immer wieder für einen kurzen Plausch an, während neben ihm jemand seelenruhig seine Sonnenbrille richtete und das Treiben beobachtete – mitten im Trubel, als gäbe es keinen perfekteren Ort dafür.



Futevôlei – Athletik trifft Eleganz
Am Anfang des Strandes reihten sich Volleyballfelder aneinander – doch was auf den ersten Blick nach klassischem Beachvolleyball aussah, entpuppte sich als eine ganz eigene Disziplin: Futevôlei. Keine Hände erlaubt – nur Füße, Beine, Brust und Kopf, um den Ball über das Netz zu bringen. Ein athletisches Spektakel, das normalen Volleyball aussehen ließ wie eine harmlose Gymnastikübung. Die Spieler sprangen, rotierten in der Luft, fingen den Ball mit der Brust ab, ließen ihn elegant über den Fuß gleiten und katapultierten ihn mit einem gezielten Kopfball zurück auf die andere Seite.
Wie wir später erfuhren, wurde Futevôlei genau hier, an Rios Stränden, in den 1960er-Jahren erfunden. Und unnötig zu erwähnen: Die vier Spieler, denen wir gerade zusahen, sahen aus, als kämen sie direkt aus dem Fitnessstudio – definiert, durchtrainiert, mit spielerischer Leichtigkeit in jeder Bewegung.
Für alle, die es interessiert, so funktioniert das Ganze in etwa: Zuerst baut ein Spieler einen kleinen Sandhügel, gerade hoch genug, um den Ball darauf zu platzieren. Dann kickt er ihn in die Luft und über das Netz. Auf der anderen Seite stoppt ein Spieler den Ball mit der Brust, lässt ihn kurz absinken und spielt ihn mit einem kontrollierten Kick zu seinem Mitspieler. Der wiederum hebt ihn mit dem Spann sanft nach oben – eine perfekte Vorlage, um ihn mit dem Kopf zurück über das Netz zu befördern. Dort wartet bereits der Gegner, nimmt den Ball mit dem Fuß an, passt ihn zu seinem Partner, der ihn erneut in die Höhe spielt, hochspringt und mit einem kraftvollen Kopfball wieder auf die andere Seite befördert. Hin und her, ohne Pause, mit einer Geschwindigkeit und Präzision, die staunen ließ. Und irgendwann, nach einer Reihe akrobatischer Ballwechsel, landet der Ball schließlich unerreichbar auf dem Sand. Punkt. Wow.
Rio – schön und überraschend günstig
Und als echter Bonus: Rio war endlich mal wieder ein Reiseziel, das überraschend günstig war. Ein fantastisches Mittagessen für zwei unter 20 USD. Eine frische Kokosnuss am Strand? 1,50 USD – und so voll mit Flüssigkeit, dass Nina Schwierigkeiten hatte, sie ganz auszutrinken.
Ipanema hatte uns längst in seinen Bann gezogen. Wir verschoben sogar unseren Weiterflug, um noch länger zu bleiben.
Ausflug ins Herz von Rio







Unsere Viertel – Ipanema, Copacabana und Leblon – waren nicht das ursprüngliche Rio. Das wahre Herz der Stadt schlägt anderswo, in den alten Gassen des historischen Zentrums. Zeit, es zu erkunden.
30 Minuten und eine halsbrecherische Fahrt später, spuckte uns ein völlig verrückter Uber-Fahrer im vermutlich ältesten und heruntergekommensten Auto Rios vor der berühmten Biblioteca Nacional aus. Die Bremsen quietschten, der Motor röchelte – und wir waren froh, noch am Leben zu sein. Vor dem Eingang warteten bereits einige Besucher, darunter eine Familie aus Buenos Aires. Doch das brachte uns nichts: Die Bibliothek war geschlossen. Samstags übrigens immer. Gut zu wissen.
Ein legendäres Café und eine Warteschlange ohne Ende
Egal. Wir hatten einen Plan B – die berühmte Confeiteria Colombo, eines der legendärsten Cafés der Stadt. Doch als wir ankamen, zog sich die Warteschlange über 100 Meter die Straße entlang. Und das, obwohl die Türen noch nicht einmal geöffnet waren. Verrückt.
Als es schließlich so weit war, ging es überraschend schnell. Die beiden Stockwerke waren riesig, und trotz der Menge fanden wir mühelos einen Platz. Die Kellner jedoch schienen mit dem Ansturm überfordert. Ihr Tempo? Eine Mischung aus sonnenverwöhntem Fatalismus und demonstrativer Gelassenheit. Dabei hatten wir in Rio bisher fast immer aufmerksamen, freundlichen Service erlebt – nur hier nicht.
Wir bestellten Kaffee und eine Coxinha, eine frittierte Kartoffelkrokette mit Hühnerfüllung. An den Nachbartischen türmten sich Frühstücksplatten, die kaum Platz fanden: French Toast, Eggs Benedict, Croissants, Obstschalen, doppelte Mochaccinos mit Karamell-Topping – das volle Programm. Wir tranken unseren Kaffee, verabschiedeten uns von unseren spontanen Bekanntschaften aus Buenos Aires und zogen weiter.
Mittagsglut und Trödelmarkt




Die Straßen wurden heißer. 36 Grad, kein Wind. Die meisten Geschäfte waren geschlossen, und nur wenige Menschen waren unterwegs. Schließlich erreichten wir den Feira de Antiguidades da Praça XV, einen Markt für Kunsthandwerk, Trödel, Vintage-Mode und kuriosen Krimskrams. Sonnenbrillen, Hüte, alte Schallplatten, handgemalte Bilder – von Ramsch bis zu echten Schätzen war alles dabei. Der Markt war belebt, aber nicht überfüllt, und hatte eine entspannte, fast nostalgische Atmosphäre.
Von dort ging es weiter durch das historische Zentrum. Wir passierten das Theatro Municipal, den Paço Imperial und das Museu Nacional de Belas Artes – imposante Gebäude, die eine Mischung aus Lisabon und Paris erahnen ließen. Prunkvoll, klassisch, voller Geschichte. Doch etwas fehlte: die Menschen.
Kaum jemand war unterwegs, und Touristen? Fehlanzeige. Straßen, die nach geschäftigem Treiben aussahen, lagen verlassen in der Mittagshitze. Es fühlte sich seltsam an – wie eine Kulisse, die darauf wartete, dass das Leben zurückkehrte.
Das änderte sich schlagartig, als wir uns der berühmten Escadaria Selarón näherten. Hier waren sie plötzlich alle. Reisegruppen, Influencer, Selfie-Jäger. Die meisten waren mit Uber gekommen, sprangen kurz aus dem Auto, machten ihr obligatorisches Foto auf der knallbunten Mosaiktreppe – und fuhren wieder. Auch wir hielten uns nicht lange auf.
Dann liefen wir weiter. Ein paar Straßen weiter, um genau zu sein.
Und plötzlich kippte die Stimmung. Die Fassaden wurden schäbiger, Müll lag auf den Straßen, ein paar Obdachlose schliefen in Hauseingängen. Manche Passanten sahen uns an, als wären wir verirrte Rehe im Löwengehege – Löwen, die seit Monaten nicht mehr gefüttert wurden. Kein guter Ort für zielloses Herumspazieren. Also kehrten wir um, nahmen ein paar Straßen, die freundlicher aussahen, und beschlossen, ein Uber zu rufen.
Nur: Unser Datenguthaben war plötzlich aufgebraucht.
Also irrten wir eine Weile herum, suchten nach einem Starbucks, luden unser Datenvolumen auf und bestellten schließlich ein Uber – Ziel: ein Kaufhaus, das uns unsere argentinischen Bekannten empfohlen hatten.
Und hier, hoch über der Stadt, fand unser Ausflug seinen perfekten Abschluss. Auf der Rooftop-Bar des Kaufhauses – übrigens eine große Sache in Rio, gefühlt hat jedes Gebäude eine – saßen wir bei einem Live-DJ, der tatsächlich Musik spielte, anstatt die üblichen „Boom-Boom-didadudai-Boom-Boom“-Beats aus überdimensionierten Boxen zu jagen.
Wir tranken ein eiskaltes Bier, probierten eine lokale Spezialität, die uns ein Pärchen an der Bar empfahl, und ließen den Blick über die Stadt schweifen. Der Zuckerhut im Sonnenuntergang, die Lichter von Rio, die warme Brise – einer dieser Momente, die man speichert.
Es gefiel uns so gut, dass wir noch zweimal zurückkamen – für die entspannte Atmosphäre, die Aussicht und das Gefühl, Rio von oben zu erleben.
Eine Wanderung für den schönsten Ausblick über Rio
Natürlich denkt ihr jetzt an den Zuckerhut. Oder an die Christusstatue. Aber nein, keines von beidem. Es ist ein wenig wie in New York: Jeder will auf das Empire State Building – aber von dort sieht man es eben nicht. Dasselbe gilt für Rio: Wenn du auf dem Zuckerhut oder bei Christo Redentor stehst, fehlt dir genau das ikonische Panorama.
Also entschieden wir uns für den Mirante do Morro Dois Irmãos – den „Two Brothers Hill Lookout“. Oder besser gesagt: Er entschied sich für uns. Eigentlich war es Dan, ein supernetter Holländer, den wir bei unseren Spaziergängen in Ipanema kennengelernt hatten. Er lebt einen Teil des Jahres in Rio und arbeitet an einem gemeinnützigen Projekt, das Schulbildung in die Favelas bringt. Die andere Hälfte des Jahres verbringt er in den Niederlanden, wo er Fundraising betreibt, um Geld für diese Arbeit zu sammeln. Dan erzählte uns viel über den Wandel Rios in den letzten Jahren – und er war es auch, der uns zu dieser Wanderung einlud. Gemeinsam mit einem jungen Paar und ihrem zweijährigen Sohn, der in einer Kinderkraxe getragen wurde, brachen wir auf.
Der Weg nach oben: eine kostenlose Abgasvergiftung inklusive






Unser Abenteuer begann mit einer Fahrt durch das Favela Vidigal, das sich an den Berg schmiegt wie ein wuchernder Hautausschlag. Vom Eingang des Viertels ging es mit einem Favela-Taxi nach oben – also mit einem Auto, das seit mindestens zwei Jahrzehnten verzweifelt um seine wohlverdiente Stilllegung bettelte. Es ratterte, es stöhnte, und es hatte ungefähr so viel Federung wie eine Holzkiste.
Je höher wir kamen, desto mehr fühlte es sich an, als wären wir in eine andere Welt eingetaucht. Die Häuser standen in wildem Durcheinander übereinander gestapelt, als hätte ein Riese sie morgens im Halbschlaf mit Bauklötzen nachgebaut. Leuchtendes Türkis, grelles Pink, verwaschenes Gelb – einige Wände so bunt, als hätte ein hyperaktiver Fünfjähriger mit einem zu großen Farbkasten gespielt. Dazwischen blitzten Neubauten hervor, mit gläsernen Balkonen und modernen Fassaden, als wären sie versehentlich hier gelandet.
An den Straßenecken standen Männer mit müden Blicken, einige rauchten, andere lehnten an Motorrädern und wirkten, als würden sie jederzeit aufspringen und losfahren – aber nie genau wussten, wohin. Vor einer winzigen Bar hockten ein paar Männer auf wackeligen Plastikstühlen und tranken ein Bier – und zwar nicht ihr erstes, wenn man sich den Tisch ansah, der mit mindestens 30 leeren Flaschen vollgestellt war. Neben ihnen stand ein riesiger Lautsprecher, der regelmäßig Musik von sich gab – oder besser gesagt: akustischen Vandalismus, der mit maximaler Lautstärke durch die Straßen donnerte.
Unsere Fahrt zog sich, weil wir ständig warten mussten – entweder auf entgegenkommende Fahrzeuge oder auf Baufahrzeuge, die mit erschütternder Langsamkeit die ohnehin engen Straßen blockierten. Wahrscheinlich wäre ein Mototaxi die bessere Wahl gewesen – eines dieser Motorräder, die von einheimischen Fahrern gelenkt werden, die ihr tägliches Adrenalin in bare Münze verwandeln, indem sie Touristen halsbrecherisch die Hügel hinauf und hinunter transportieren.
Oben angekommen, fühlten wir uns, als hätten wir bereits eine Art Vorprüfung bestanden: von Motorenlärm halb taub, von der Hitze halb gegart, von den Abgasen leicht geräuchert. Und wir hatten noch nicht einmal mit der Wanderung begonnen.
Ein DJ-Schimpanse und der feuchte Hitzetod




Am Eingang des Wanderwegs saßen ein paar Einheimische in einem improvisierten Ticket-Stand und kassierten zwei Euro Eintritt. Neben ihnen stand ein Lautsprecher, aus dem eine Art Musik dröhnte, die sich am besten als “industrielles Kreischen mit gelegentlichen Bässen” beschreiben ließ. Es war ein wenig so, als hätte ein wütender Schimpanse Zugang zu einem DJ-Pult bekommen.
Nur wenige Meter später befanden wir uns im dichtesten Dschungel. Ab hier ging es steil bergauf. Binnen Minuten schwitzte ich so stark, als hätte mir jemand einen Eimer Wasser über den Kopf gekippt. Die Luftfeuchtigkeit war so hoch, dass ich mir nicht mehr sicher war, ob ich noch atmete oder bereits Wasser schlürfte.
Nach einer halben Stunde machten wir eine Pause – offiziell, um die Aussicht zu genießen, inoffiziell, um nicht zu sterben. Wir stopften uns Bananen hinein, tranken unser restliches Wasser und besprühten uns erneut mit Moskitospray – die alte Schicht war längst weggeschwitzt. Trotz hochprozentigem DEET hatte nicht nur Nina bereits ein paar Dengue-Verdächtige Stiche, sondern auch ich. Super.
Das Plateau – und die Erkenntnis, dass wir besser früher losgegangen wären






Klatschnass, keuchend und mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen Überlebenstraining und völliger Erschöpfung schwankte, erreichten wir endlich das Plateau. Und plötzlich war alles egal.
Vor uns lag, im wahrsten Sinne des Wortes, ganz Rio.
Rechts zog sich Ipanema Beach wie eine lange goldene Sichel an der Küste entlang, gesäumt von Hochhäusern, die selbst aus dieser Höhe wie winzige Bauklötze wirkten. Der Morro do Arpoador, der markante Felsen an der Grenze zu Copacabana, ragte aus dem Sand, als wollte er klarstellen, dass hier zwei Welten aufeinandertreffen: das hippe, entspannte Ipanema – und das touristische, geschäftige Copacabana, dessen endloser Sandstreifen sich bis zum Horizont zog.
Dahinter lag die riesige Lagune Rodrigo de Freitas, eingerahmt von bewaldeten Hügeln, auf denen wir die Joggingstrecke ausmachen konnten, die Nina morgens so tapfer in der Hitze lief. Weiter hinten, fast surreal, thronte er dann: der Zuckerhut. Von hier aus sah er fast klein aus, doch wir wussten genau, dass sich dort gerade Hunderte Touristen drängten, um einen Blick auf die Stadt zu werfen – dabei war genau dieser Ort hier der wahre Aussichtspunkt.
Und dann natürlich das berühmteste Wahrzeichen von allen: die Christusstatue, hoch oben auf dem Corcovado, die Arme weit ausgebreitet, als wollte sie Rio in einer ewigen Umarmung halten. Ein Symbol, das aus der Ferne noch imposanter wirkte als aus der Nähe.
Es war atemberaubend.
Wir machten Fotos, versuchten die Aussicht zu genießen – doch dann stellte sich ein kleines Problem heraus: Es gab hier keinen Schatten. Gar keinen.
Nicht einmal einen mickrigen Busch, hinter den man sich für zwei Minuten verkriechen konnte. Und die Sonne meinte es ernst. Es war, als hätte jemand einen gigantischen Brennglas-Effekt über den Berg gelegt und uns direkt ins Zentrum gestellt. Nach zehn Minuten fühlten wir uns wie Hühnchen in der Bratröhre.
Wir hätten diesen Ort so gerne länger genossen. Vielleicht ein Picknick gemacht. Vielleicht einfach nur gesessen und in die Ferne gestarrt. Aber Rio hatte andere Pläne für uns – und zwar in Form von gnadenloser, brennender, erbarmungsloser Mittagssonne.
Also beschlossen wir schweren Herzens, den Rückweg anzutreten. Beim Runtergehen stellten wir fest, dass bergab schwieriger war als bergauf. Wir mussten ständig anhalten, um nicht auf dem Hintern den restlichen Weg nach unten zu rutschen.
Außerdem kamen uns jetzt unzählige Touristen entgegen, die erst am Mittag losgezogen waren. Manche trugen Flipflops. Andere hatten kein Wasser dabei. Einige schienen bereits jetzt an der Schwelle zur Dehydrierung zu stehen. Ich sah vor meinem inneren Auge, wie sie entweder ohnmächtig am Wegesrand lagen oder mit gebrochenen Knöcheln aus dem Dschungel geschleppt wurden.
Der zweijährige Junge in der Kraxe begann auf dem Rückweg zu quengeln – verständlich, bei 36 Grad und null Bewegungsfreiheit. Seine Mutter versuchte, ihn mit einem süßen Pancake zu bestechen. Er nahm ihn, schob ihn in den Mund – und schrie weiter.
Dann spuckte uns der Dschungel wieder aus – direkt auf den Sportplatz, den wir auf dem Hinweg passiert hatten. Hier erwartete uns ein ganz anderes Bild: eine Essensausgabe.
Ein alter LKW, der schon bessere Tage gesehen hatte, stand am Rand des Platzes. Zwei Männer auf der Ladefläche wuchteten Säcke mit Reis und Kisten mit frischem Gemüse nach unten, während sich davor bereits eine kleine Menschenmenge versammelt hatte. Ein improvisiertes Komitee von Helfern, mit einfachen T-Shirts und notdürftig zusammengekritzelten Listen, organisierte die Verteilung.
Jede Familie hatte eine mitgebrachte Schüssel oder einen Plastikbehälter dabei, den sie mit ihrer Ration füllten – ein wenig Reis, ein paar Tomaten, manchmal etwas Grünzeug. Kinder warteten geduldig neben ihren Eltern, während die Erwachsenen in der heißen Sonne ausharrten, die Schüsseln in den Händen, als wären sie ihre wertvollsten Besitztümer.
Einige Familien hatten es sich direkt auf dem Sportplatz gemütlich gemacht. Sie saßen auf dem Boden, aßen, redeten leise miteinander. Ein Junge, vielleicht sechs oder sieben Jahre alt, drehte neugierig eine Tomate in seinen Händen, als wäre sie etwas Besonderes, während seine Mutter den Rest des Gemüses vorsichtig aufteilte. Jeder Bissen schien genau kalkuliert.
Ich hatte keine Ahnung, wie lange dieser kleine Haufen Reis und Gemüse reichen musste – für einen Tag? Eine Woche? Vielleicht war das hier ihr einzig sicheres Essen für eine ganze Weile.
Es war ein harter Kontrast zu unserer eigenen Realität. Keine zehn Minuten zuvor hatten wir darüber gesprochen, ob wir erneut in unser Lieblingsrestaurant gehen sollten. Hier wurden Lebensmittel verteilt wie kostbare Schätze.
Wir hielten uns nicht lange auf. Nicht, weil wir nicht interessiert waren – sondern weil wir nicht wussten, wohin mit uns in diesem Moment. Es fühlte sich falsch an, einfach nur dazustehen und zuzusehen, also gingen wir leise weiter, zurück in die belebten Straßen der Favela.
Der letzte Stopp – Lärm, Staub und ein Angebot, das wir lieber ausschlugen
Wir spazierten noch ein paar Minuten durch die Favela, vorbei an Müllbergen, an denen sich streunende Katzen zu schaffen machten, und gelangten schließlich zu einer kleinen Bar, die sich offensichtlich an Touristen richtete. Ein paar Tische mit wackeligen Plastikstühlen, ein improvisierter Tresen, dahinter ein Kühlschrank mit eisgekühlten Getränken – und als Highlight: eine Aussicht auf Rio, die sich sehen lassen konnte. Nicht so spektakulär wie von oben, aber immer noch besser als alles, was wir aus unseren bisherigen Barbesuchen kannten.
Wir bestellten ein Wasser, ließen uns erschöpft auf ausgeblichenen roten Coca-Cola-Stühlen nieder und versuchten, nicht in einen Zustand völliger Bewusstlosigkeit zu fallen. Die Hitze, die Wanderung, der Rückweg – es war, als hätte jemand unsere gesamte Energie abgesaugt.
Plötzlich ein lauter Knall.
Wir zuckten zusammen. Dann noch einer. Und noch einer. Ein riesiger Lautsprecher am Eingang der Bar ließ alle paar Minuten eine explosionsartige Geräuschkulisse auf uns los, die entweder Musik sein sollte oder eine psychologische Foltermethode war. Danach wieder absolute Stille. Nur um uns kurz darauf erneut aus der Entspannung zu reißen, dieses Mal wissend, dass es sich nicht um eine Schießerei handelte.
Während wir auf unser motorisierte Schrottkiste wartet, die uns den Berg heraufbebracht hatte, wurden wir gefühlt hundertmal von Einheimischen angesprochen, die uns ein Mototaxi verkaufen wollten.
Einer diesen motorradfahrenden Bewohner fiel mir besonders ins Auge.
Nicht wegen seiner freundlichen Art. Nicht wegen eines besonders überzeugenden Angebots. Sondern wegen der riesigen Schürfwunden, die seine gesamte linke Körperhälfte bedeckten. Offenbar hatte er kürzlich einen Sturz hinter sich – und, wenn ich raten müsste, trug er dabei genau diese Klamotten. Eine besonders vertrauenserweckende Werbung für seinen Service.
Ich stellte mir lebhaft vor, wie es wäre, mit ihm zwischen LKWs, hupenden Autos und entgegenkommenden Motorrädern den Hang hinunterzurasen, während er mir zur Beruhigung zurief: „Alles gut, ich weiß, was ich tue!“
Wir lehnten dankend ab.
Schließlich brachte uns ein Uber zurück nach Ipanema, wo wir uns in unser Lieblingsrestaurant schleppten. Es gab eine riesige Portion Wiener Schnitzel (Huhn) – ein kulinarischer Segen nach diesem Tag. Und ehrlich gesagt? Locker mit jedem Wiener Schnitzel in Wien vergleichbar.
Fazit: Rio – Eine Stadt voller Kontraste und Magie




Rio de Janeiro hatte mich überrascht – in jeder Hinsicht. Ich war mit Vorbehalten gekommen, mit Geschichten über Kriminalität und Gefahren im Kopf. Doch was ich fand, war eine Stadt voller Leben, voller Energie und mit einer Schönheit, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Was mich nicht aufhielt es zu versuchen.
Ipanema, mit seinen entspannten Straßencafés, den durchtrainierten Joggern und der einzigartigen Mischung aus Lässigkeit und Eleganz, zog uns in seinen Bann. Die Strände waren nicht nur ein Ort zum Sonnenbaden, sondern eine Bühne des Lebens, wo sich Sport, Stil und Geselligkeit auf eine ganz eigene Weise vermischten. Der historische Stadtkern zeigte uns eine andere Seite von Rio – eine, die von Geschichte, kolonialem Erbe und dem pulsierenden Alltag der Einheimischen erzählt. Und die Wanderung auf den Morro Dois Irmãos? Schweißtreibend, herausfordernd, aber mit einer Aussicht belohnt, die uns den Atem raubte.
Doch Rio ist auch eine Stadt der Gegensätze. Neben der atemberaubenden Natur und den pulsierenden Stadtvierteln gibt es die Schattenseiten – Armut, Favelas, soziale Ungleichheit. Der Moment, in dem wir eine Essensausgabe in einer Favela passierten, war ein harter Reality-Check.
Und trotzdem – oder gerade deswegen – ist Rio eine Stadt, die bleibt. Eine Stadt, die man nicht einfach abhakt, sondern die sich tief ins Gedächtnis brennt. Es war nicht immer bequem, manchmal war es chaotisch, oft überwältigend – aber genau das machte den Reiz aus.
Wir hatten unseren Aufenthalt verlängert. Und ehrlich? Wäre es nicht so verdammt heiß gewesen, wären wir vielleicht immer noch dort.
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Hi, ich bin Jay. So kraftvoll wie in diesen letzten Jahren ist mir das Leben noch nie begegnet und es darf mich nicht wundern, dass ich das Reich von schnellen und unpersönlichen Geschäften und dem Erfüllen der Erwartungen der Gesellschaft hinter mir gelassen habe. Ich habe mein Sakko gegen Wanderkleidung und Shorts getauscht, das Aftershave gegen Insektenspray und mein Auto gegen einen Camper.
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