„Möchtest du ein Stück mit uns fahren?“, fragten wir Jan, und er sagte kurzentschlossen zu. Da die meisten unserer Sachen auf der Rückbank lagen und es dort keinen wirklichen Platz mehr gab, saßen wir alle drei vorne: Ich am Steuer, Nina in der Mitte und Jan auf dem Beifahrersitz. Das Rad verstauten wir vorsichtig auf dem Dach und die Radtaschen im Camper selbst.
Mit Jan im Schlepptau begann eine Reise, die sich über mehr als 2.000 Kilometer erstrecken würde. Wir tauschten Geschichten, Träume und Momente ehrfürchtigen Schweigens aus, während die atemberaubende Landschaft an uns vorbeizog. Jan erzählte uns von seiner ersten Radreise von Deutschland nach Indien, seiner anschliessenden einjährigen Pilgerreise durch Indien und von seinem Leben in Japan.
Nach seinem Leben in Japan versuchte er sich im „normalen“ Leben auf Ibiza, seiner Insel. Doch schon bald durstete es ihn nach dem nächsten Abenteuer, und er startete zu dieser Reise.
Jan sprach viele Menschen an, die wir auf unserer gemeinsamen Reise begegneten. Er hat eine ansteckende Energie und hinterließ überall eine Spur aus Lachen und freundlichen Begegnungen. Wie auch uns, hatte die Straße Jan gelehrt, dass jeder Mensch etwas zu bieten hat – eine Geschichte, eine Perspektive, eine kleine Geste der Freundlichkeit. Es war wunderschön zu beobachten, wie er ohne Zögern auf andere zuging, als würde er diese Menschen schon kennen.
In manchen Nächten, wenn wir unter den Sternen campten und uns ein wunderbares Abendessen am Lagerplatz teilten, erzählte uns Jan von der Freundlichkeit, die ihm auf seinem Weg begegnet war: Fremde, die ihn in ihr Zuhause eingeladen hatten, Menschen, die kaum selbst genug hatten und dennoch mit ihm teilten. Er war einer dieser Menschen, ein Reisender, die zeigten, wie einfach es sein kann, sich mit anderen zu verbinden, wenn man offen dafür ist.
Über diese 2.000 Kilometer hinweg wurden wir mehr als nur Reisebegleiter. Wir lachten, teilten Geschichten und lernten, dass Freundschaft manchmal auf nichts weiter als dem gemeinsamen Weg entlang einer endlosen Straße basieren kann.
Der Weg leert uns, der Welt mit offenen Armen und ein bisschen Mut zu begegnen – und darauf zu vertrauen, dass manchmal die besten Abenteuer mit einem einfachen „Hallo“ beginnen.
Wir verabschiedeten uns kurz vor einem kleinen Ort, etwa zwei Autostunden nördlich von Vancouver. Nach den vielen Tagen auf so engem Raum fühlte sich der Abschied surreal an. Wir hatten so viel geteilt, und doch würden wir jeweils unsere Reise allein fortsetzen, mit freudiger Erwartung was hinter der nächsten Kurve liegen würde. Er winkte zum Abschied mit demselben leichten Lächeln, das uns damals auf dem Platz am Fluss aufgefallen war. In diesem Moment war er ein Teil unseres Lebens und unserer Geschichte geworden – ein Zeichen dafür, dass Freunde überall warten, wenn wir uns die Zeit nehmen, anzuhalten und „Hallo“ zu sagen.
Also heben wir das Glas auf die Jans dieser Welt – die Fremden, die wir noch nicht getroffen haben, und die darauf warten, auf unserer Reise Freunde zu werden!
Gerhard
Hallo ihr Lieben Was soll ich sagen, vertieft in euren Worten und Abenteuern, verwundert, voll Freude. Beneidenswert und voller Respekt. Ich freu mich suf mehr. Glg u Drücker Gerhard