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Quer durch Mexiko

Quer durch Mexiko

Wir erwachten schweissgebadet und mit Kopfschmerzen. Das geht mir immer so, nach einer Nacht in einem Backofen. 33 Grad waren die niedrigsten Temperatur während der Nacht. Wir kühlten uns mit nassen Handtüchern ab, die wir jede Stunde erneut unter das Wasser hielten. Was hätte ich für einen Stromanschluss für unsere Klimaanlage gegeben. 

Ich verliess unsere kleine Kabine, die auf dem Bett unseres Pickuptrucks montiert war. Ich sprang vom Kabineneingang auf den sandigen Boden und sah mich um. Es war dunkel als wir vor einigen Stunden nach unserem Erlebnis mit der Einreise hier angekommen waren. Nun im Licht der Dämmerung, wanderte mein Blick über Wüste und ausgedörrte Sträucher. In alle Richtungen nichts. Lediglich das graue Asphaltband, auf dem wir gekommen waren und ein, endloser, in beide Richtungen führender, rostiger Zaun. Auch kein Auto weit und breit. Beeindruckend war die absolute Ruhe. Wir hörten gar nichts. Keine Zirpe, kein Auto, kein Flugzeug, kein Wind. Nichts. Wie damals am Grand Canyon, als wir in einem Wald eine halbe Stunde vor dem berühmten Südeingang übernachtet hatten.

Während ich mich mit unserer Aussendusche abkühlte, bereitete Nina uns einen starken Kaffee und ein Frühstück vor. Wir sassen auf der Heckklappe des Trucks, lehnten an unserer Camperkabine und betrachteten den Sonnenaufgang. Die Blautöne, die das Land in ein unwirkliches Licht tauchte, wurde von Orange und Rottönen abgelöst. Und bereits nach wenigen Minuten flirrte die Luft vor uns. Wie in einem dieser Wildwest Filme. Weitere zehn Minuten später, als uns die Sonne erreicht hatte, fühlten wir die Hitze und bekamen einen Vorgeschmack auf die bevorstehende Glut des Tages.

Wir räumten zusammen, klappten unsere Kabine ein (wir hatten ja schliesslich einen Popup-Camper) und machten uns auf den Weg nach Tulum. Dazwischen lag wortwörtlich Mexico. Eine Reise von 3000 Kilometern (etwa 1900 Meilen). Das ist weit. Es ist soweit wie die Strecke von Lissabon nach Berlin oder von Seattle nach El Paso oder von Cairns nach Sydney. Also definitiv kein Tagesausflug. Wir spürten die Hummeln in unserem Bauch. Nichts wie los. 

Wir durchfuhren Coahuila, unseren ersten und drittgrössten Bundesstaaten Mexicos. Die Landschaft erinnerte uns an den trockenen Teil von Utah und Arizona in der USA, nur mit schlechteren Strassen. Manche Abschnitte waren löchrig wie ein Schweizer Käse und nicht selten krachten wir in eines der tiefen Schlaglöcher.

Nach einem solchen Ereignis blieb ich stehen und kontrollierte die Fixierung der Kabine auf unserem Truck. Wir hatten die “billigere” Variante der Fixierung gewählt, da die “gute” Fixierung nicht verfügbar war und uns etwa 2000 USD gekostet hätte. Darum blieb ich vorsichtig. Ich wollte ja nicht unsere Camperkabine irgendwo in Mexico verlieren. Es war jedesmal ein Temperaturschock, als ich vom klimatisierten Auto in die über 40 Grad heisse Wüste hinaustrat.

Strassensperren – Nur für Bewohner

Wir erreichten unsere erste Stadt nach Allende, Sabinas. Auch war es das erste Mal dass wir ein anderes Auto sahen. Die wenigen Häuser, die wir bisher passiert hatten, schienen schon lange verlassen und glichen Ruinen. Wir sahen keine Menschenseele. Aus wenigen Autos wurden viele und wir standen in unserem ersten Stau. Eine Stunde später wussten wir warum. Ein bewaffneter Militärposten kontrollierte jedes Auto das in die Stadt wollte. Eingelassen wurden nur welche, die einen Wohnsitz in Sabinas nachweisen konnten. Covidvorschriften. Da die Strasse nach Süden durch die Stadt verlief und es keine Umfahrungsstrasse gab, mussten wir einen Umweg von mehreren Stunden auf uns nehmen. 

Dasselbe passierte uns weiter südlich, in der Stahlhauptstadt von Mexico und ganz Lateinamerika. Auch hier sollten wir die Stadt grossflächig umfahren. Dabei bogen wir des öfteren falsch ab und fanden und plötzlich in der Stadt wieder – ohne Kontrolle. Die Stadt erschien verlassen. Strassen waren wie leergefegt. Aufgrund der seltsamen Stimmung und unserer Unwissenheit, wie panisch Mexikaner auf Covid reagieren, verzichteten wir auf eine fröhliche Stadtbesichtigung mit Kamera und sogen die unwirkliche Atmosphäre von unserem Auto aus in uns auf. Auf dem Weg aus der Stadt sahen wir die Militärkontrolle, an der wir irgendwie vorbeigeschlüpft waren. 

Wir entschieden uns nach diesem Erlebnis, der amerikanischsten aller Städte Mexicos, keinen Besuch abzustatten. Monterrey, die drittgrößte Stadt in Mexico war unter Covid-Lockdown, wie wir von Freunden erfahren hatten. Und da wir nun gesehen hatten, wie ein solcher Lockdown aussah, verzichtet wir lieber auf eine solche Erfahrung.

Auf dem Weg nach Süden realisierten wir, wie wenig wir von Covid in den USA wirklich mitbekommen hatten. Es gab Bundesstaaten, die mal stärker, mal schwächer auf den Virus reagierten aber Situationen wie in Europa hatten wir bisher noch nie erlebt. Eine Maske in einen Supermarkt zu benutzen war das Höchste, was uns als Regulierungen in den USA entgegenschlug und das auch nur eher selten. Und natürlich die Sperrung der Nationalparks. Das hatte uns am härtesten getroffen. Die Situationen nun in Mexico zu beobachten war, als wäre ein Krieg ausgebrochen. Es war für uns surreal.

Vorurteile über die Sicherheit in Mexiko

Ein anderes Thema an dem wir zu knabbern hatten, war die Sicherheit in Mexico. Sechs Monate lang hörten wir unzählige Horrorgeschichten über Mexico. Von Menschen die einfach verschwinden, Menschen die mit einer fehlenden Niere am Strassenrand aufwachten, von Kinderhandel, Schießereien, Messerstechereien, Korrupten Polizisten, Gewalt an jeder Ecke und das Lächerlichste waren die Geschichten über die Leichengruben ausserhalb der Städte, da sie nicht wussten, wohin mit den Covid Toten. Natürlich wussten wir das dies alles Blödsinn war und statistisch gesehen die USA ein viel gefährlicherer Ort war als Mexico. Dennoch blieb ein schlechtes Gefühl zurück. In der USA und Europa hatten wir schon ein gutes Gefühl entwickelt, was kriminell oder gefährlich aussah. Wohin gehen und wohin nicht. Dieses Gefühl fehlte uns bislang noch in Mexico.
Unser Weg nach Süden führte uns weiter durch Coahuila, dann durch den Bundesstaat Nuevo Leon und San Luis Potosi. Irgendwo in Nuevo Leon auf einem wüstigen und einsamen Teil der Strasse zeigte unser Thermometer 46 Grad an. Soetwas hatten wir noch nie erlebt. Ich musste dies einfach fühlen. So hielten wir an, stiegen aus und erlebten die heissesten Temperatur unseres Lebens. Ich konnte die Hitze überall fühlen. Als hätte ich mich mit heissem Wasser übergossen. Ich bekam Kopfschmerzen und sämtliche Kraft entwich aus meinem Körper. Und das nach etwa zwei Minuten. Wir flüchteten wieder in das Innere von Pepe und fuhren weiter. Wir übernachtetet meist neben der Strasse oder auf Tankstellen. Die Hitze in der Nacht war unerträglich und wir schliefen nur wenig. 

San Luis Potosi

San Luis Potosi, eine schöne Kolonialstadt im gleichnamigen Bundesstaat und einst einer der wichtigsten Bergbaustädten Mexicos empfing uns mit nur wenig Covid Einschränkungen. Als wären wir in einem anderen Land angekommen. Es trug hier niemand eine Maske auf der Strasse. Viele Geschäfte hatten geöffnet und vor Restaurants tummelten sich Menschen und redeten. Wir assen ein Hühnchen von einem lokalen Supermarkt  in unserem Pepe. 

Wir erkundeten vorsichtig die Stadt. Zum Einen wollten wir unser Hab und Gut nicht aus den Augen lassen und zum Zweiten war Nina noch immer sehr schwach mit ihrem rechten Fuss. Wir setzten uns schliesslich im historischen Kern der Stadt in ein Cafe. Nina holte uns in einer berühmten polnischen Bäckerei ein paar Croissants und einen Dänisch. Wir genossen die ungezwunge Art hier. Wir sassen im Freien unter einer Markise, genossen unseren Kaffee und fühlten uns ein wenig wie in Italien. Die Hitze war mit etwa 33 Grad erträglich. Familien tratschten und diskutierten über Alltägliches. Normalität. Wie wunderbar.

Die darauffolgende Nacht übernachteten wir das erste Mal auf einen Campingplatz. Es war ein Motel mit Swimmingpool und vier Campingplätze für Wohnmobile. Wir hatten einen Stromanschluss und konnten unser Wasser auffüllen. Ich versuchten dem Problem mit unserem Kühlschrank auf die Spur zu kommen und kam schliesslich zu dem Schluss dass es ein Chip auf einem der zwei Steuergeräte sein muss. Ich googelte und fand den einzigen Dometic Händler auf unserer Route nach Tulum. In Mexico City. Also auf nach Mexico City. Die Klimaanlage kämpfte die ganze Nacht gegen die erdrückenden nächtlichen Temperaturen. Mit Erfolg. Wir schliefen wie Babies. Ausgeschlafen und mit reichlich Kaffee aufgeputscht ging es weiter nach Süden.

San Miguel de Allende

Parroquia de San Miguel Arcangel

Ähnlich wie dem Amerikaner Stirling Dickinson, erging es uns, als wir am grünen Hauptplatz, El Jardin, eine Bar besuchten. Mit grossen Augen und offenem Mund staunten wir über die, in rosafarbenen Sandstein gebaute, Parroquia de San Miguel Arcangel. Die übergrosse Kirche mit seinen neugotischen Türmen stellt das Gegenteil zu den ansonsten in Mexicos traditionellen Kuppelkirchen dar. Die letzten Sonnenstrahlen leuchteten über die Spitze der Kirche und tauchen die Stadt mit den bezaubernden Kopfsteinpflasterstrassen und den kolonialen Gebäuden in ein einzigartiges Licht. Wie Dickinson fast 100 Jahre zuvor dachten wir uns “Was für ein Anblick!”.

Die Stadt, in denen einer von zehn Bewohner Amerikaner ist, bezaubert durch kosmopolitische Atmosphäre, die in nur wenigen anderen mexikanischen Städten gefunden werden kann.

Hätte nicht ein hässliches gelbes Absperrband den grünen Hauptplatz “El Jardin” umwickelt, wie ein zu hastig eingepacktes Geburtstagsgeschenk, hätte keiner von uns an Covid gedacht. Doch wie so oft, seit diese Krise ihren Anfang genommen hat, so gab es auch viel Positives. Wir mussten die Stadt nur mit wenigen Touristen teilen. 

Wir lernten ein deutsch-mexikanisches Paar kennen. Wir plauderten und genossen den warmen aber nicht zu heissen Abend. Ein schönes Gefühl. Viva la Mexico!

Wir erkundeten, soweit es der noch immer schwache Fuss von Nina zuliess, die fantastische Stadt. Unser Nachtlager schlugen wir auf einem 24h Parkplatz inmitten der Stadt auf. Wir hatten auf der Suche nach dem angeblich besten Campingplatz stundenlang die ganze Stadt durchfahren. So lernten wir auch jeden noch so kleinen Winkel der Stadt kennen. Leider hatte der bekannte Campingplatz seine Tore für Gäste geschlossen, wie auch alle anderen Campingplätze in unmittelbarer Umgebung. 

Andere Länder, andere Keime

Zurück im Camper auf unserem “bezaubernden” Parkplatz starteten bei mir schlimme Magenkrämpfe. Kurz darauf gesellte sich Übelkeit, Erbrechen und starker Durchfall hinzu. Noch eine Stunde später Fieber und Gliederschmerzen. Ich will hier kein so genaues Bild malen.

Jeder von euch, der schon mal mit einem “Magen-Darm-Infekt” Bekanntschaft geschlossen hat oder schon mal in Indien war, weiss wovon ich rede. Was ihr vermutlich nicht kennt ist, wenn man das Ganze in einer kleinen Kabine ohne eigenem Badezimmer auf einem Parkplatz inmitten einer Stadt hat. Und um dem noch die Krone aufzusetzen, fasste die Campingtoilette nur einen Bruchteil was aus mir herauskam und ich musste den Inhalt mehrmals in eine öffentliche Toilette entleeren. So jetzt ist es genug mit der Beschreibung. Erwähnte ich schon, dass Hotels und Campingplätze geschlossen waren?

In den frühen Morgenstunden besserte sich mein Zustand. Mit Fieber verkroch ich mich auf den Beifahrersitz. Unseren geplanten Ausflug zum Sierra Gorda Biosphere Reserve liesen wir ausfallen und fuhren stattdessen in das drei Stunden entfernte Mexico City. Dort gab es den einzigen Dometic Händler auf unserem Weg nach Tulum. 

Mexico City

Wenn ich Kinder hätte und eines Tages meinem Urenkel auf meinem Schoss etwas über Mexico City erzählen würde, wäre dies mein Anfang: “Fahre nie mit einem Nummernschild, dass auf 3 endet an einem Mittwoch nach Mexico City. 

Kaum hatten wir die Grenzen zu Mexico City erreicht, überholte uns auch schon ein Polizeimotorrad mit Blaulicht und signalisierte uns ihm zu folgen. Wir hielten schliesslich irgendwo entfernt von der Autobahn an einer dicht befahrenen Strasse. Der Polizist vollständig versteckt unter einem Motorradhelm, einer riesigen Fliegersonnenbrille und einer schwarzen Gesichtsmaske, trat an das Beifahrerfenster und brüllte uns wie von Sinnen an, als hätten wir gerade seinen zweijährigen Sohn absichtlich und vor seinen Augen überfahren – mehrmals. Ich versuchte ihm einige Male zu verstehen zu geben, dass ich kein Wort verstand, doch er führte seine verbalen Attacken weiter aus. Nach mehr als fünf Minuten schien er endlich zu verstehen, dass wir kein Spanisch verstanden und meinte nur “Translator”. Tatsächlich trafen nach wenigen Minuten zwei weitere vermummte Polizisten auf Motorrädern auf unserer Position ein. Einer der beiden sprach ein wenig Englisch. Er wedelte mit einer Broschüre vor unserer Nase und erwähnte ständig “Hoy No Circula”. Er meinte, er würde nun unser Auto beschlagnahmen und wir können es morgen nachdem wir die Strafe bezahlt hatten, von einer Polizeiwache wieder abholen. Wir dachten zuerst es handelt sich um einen Scherz. Doch die drei Polizisten waren tot ernst und definitiv nicht für Scherze aufgelegt. 

Der Polizist zeigte uns nach etwa 15 Minuten des Unglaubens einen anderer Weg. Da wussten wir, dass wir abgezockt wurden. Die Lösung des bzw. der Polizisten sah vor 600 USD zu bezahlen. Wie praktisch, dass bereits das Schmiergeld in USD angegeben wurde. Wir hatten viel von den korrupten Polizisten in Mexico gelesen, vor allem in der zweiten Monatshälfte, in der das Geld ausging, machten mexikanische Polizisten jagt auf Touristen und erpressten Geld. Die erste Regel lautet, gib keinem Polizisten Geld. Das war jedoch leichter gesagt als getan.

Eine Stunde versuchten wir die Polizisten zu überzeugen, dass wir keine USD hatten und nur 1000 Mexican Dollar. Das war ihnen zu wenig und sie drohten uns – und das nicht ohne Erfolg. Wenn ein völlig vermumter mexikanischer Polizist, gedeckt durch zwei andere Polizisten die Hand auf seiner Waffe hat, von der er zuvor die Abdeckung geklipst hatte und in aggressivem Tonfall dich anschreit, das Auto zu verlassen, weil er dieses nun beschlagnahmen wird, weicht sämtliche Farbe aus dem Gesicht. Und das hatte in meinem Fall nicht so viel mit meinen 39 Grad Fieber zu tun. Wir wussten, wenn wir es zulassen würden, das Auto in Beschlag nehmen zu lassen, würden wir den Inhalt vermutlich nicht mehr sehen. So fragten wir, ob sie uns zu einem ATM begleiten konnten, damit wir das Schmiergeld (oh Verzeihung Bußgeld) abheben konnten. Sie wiesen uns ab. Zu aufwändig. Erwähnte ich, dass genau hier unser Mobiltelefon keinen Empfang hatte. 

Ich suchte in meinem geheimen Geldversteck (was ich vorgab zu haben) nach Bargeld. Ich gab ihnen einen Haufen wertloser Münzen aus aller Welt, 20 Dänische Kronen und ein paar Indonesische Rupien. Ich jammerte dabei ganz schrecklich. Irgendwie mussten wir dabei eine überzeugende Show abgeliefert haben, da sie nach langem Hin und Her das Geld annahmen und uns schlussendlich ziehen liessen.

Wir hielten ein paar Strassen entfernt an und ich googlete “Hoy No Circula”. Tatsächlich die Polizisten hatten uns nicht angelogen, sie hatten das Recht das Fahrzeug zu beschlagnahmen und die Strafe beläuft sich von 2000-2600 MXN, umgerechnet etwa 130 USD. Wir waren günstiger ausgestiegen als die Strafe. Die Nerven, die wir auf der Strasse gelassen hatten, waren die paar Dollar allerdings nicht wert. Wir entschlossen uns ein Hotel zu nehmen und erst morgen zu dem “Dometic” Händler wegen unserem Kühlschrank zu fahren.

Und noch einmal…

Etwa fünf Minuten später erneut Blaulicht. Ein weiterer Polizist, der seine Chance für eine Gehaltsaufbesserung wahrnehmen wollte. Er hielt uns an, begann erneut mit “Hoy No Circula” und dann unterbrach ich ihn und sagte, dass wir gerade einem Kollegen von ihm bezahlt hätten. “Wieviel?”, fragte er. “9540 MXN”, sagt ich. Die Zahl war mir gerade eingefallen. “Alles was wir hatten”, fügte ich noch hinzu. Er dachte ein wenig nach und entschied dann schliesslich uns für 8000 Pesos laufen zu lassen. Ich sagte ihm, das würde nicht passieren. Wir hatten kein Bargeld und auch vom ATM würden wir nichts mehr bekommen. Er schüttelte entschuldigend den Kopf und meinte, dass er nun das Fahrzeug beschlagnahmen würde. Ich sagte ihm, dass ich die Botschaft anrufen würde und er alles tun könne was er meine, wir würden im Auto bleiben. Nach einer gefühlten Ewigkeit gab er nach und wir fuhren.

500 Meter vor dem Hotel wurden wir erneut angehalten. Ich erzählte dem Polizisten ich hätte schon zweimal bezahlt und wir hätten nichts mehr. Und wieder erzählte er uns, er würde das Fahrzeug beschlagnahmen. Ich entgegnete mit den selben Argumenten und Aussagen wie zuvor. Und auch er liess uns nach einer halben Stunde ziehen.

Die Nutzlosigkeit von Fiebermessern

Wir fuhren die letzten Meter zum Hotel und Nina blieb in zweiter Spur stehen. Als ich das Hotel betrat, sah ich einen Hotelangestellten mit Fiebermesser und Desinfektionsmittel auf mich zukommen. Fiebermesser. Wir hatten vor einer Stunde noch Fieber gemessen und lt. unserem Flüssigkeitsthermometer hatte ich 38,8 Grad Fieber. Mit dieser Temperatur würde mir das Hotel kaum erlauben die Nacht zu verbringen. Und vielleicht würden sie uns in Zwangsquarantäne stecken, da sie dachten dass ich COVID hätte. Wäre ja logisch, da Fieber nur bei Covid auftritt. Grippe, Magen-Darm-Erkrankungen und überhaupt alle anderen Krankheiten waren dieses Jahr auf Urlaub. Covid erschreckt ja nicht nur Menschen und zwingt sie in ihre kleinen Boxen, sondern schickt auch gleich alle anderen Krankheiten in die Wüste. 

Ich gab vor etwas vergessen zu haben und ging wieder zurück ins Auto. “Du musst den Checkin machen, die haben einen Fiiiiiiiebermesssssser”, sagte ich zu Nina. Dabei sprach ich das Wort “Fiebermesser” aus als hätte der Hotelangestellte eine Waffe. Ich setzte mich ans Steuer und Nina erledigte die Formalitäten. Sie kam wieder heraus und meinte “du musst noch unterschreiben”. Ich schnappte mir meinen Pass und sauste durch den Eingang direkt an dem Angestellten mit Fiebermesser vorbei zur Rezeption. Haha.

Ich legte meinen Pass vor und sie tippte für ein paar Minuten an ihrem PC. Dann reichte sie mir ein Formular, das ich offenbar unterschreiben musste. Ich unterschrieb und wollte schon gehen, als sie auf eine Zeile am Formular zeigte und dann auf etwas hinter mir. Ich lass “temperatura” gefolgt von einem Doppelpunkt. F**k. Was soll’s, Augen zu und durch. Ich konnte ja immer noch argumentieren. Ich drehte mich um, ging zum Angestellten und hob ihm meine Handgelenk hin für die Messung. Es piepste und er zeigt mir das Display: 35,4. Ich ging zurück und schrieb 35,4 auf das Formular. Ich liebe dieses Billigzeug aus China  Im Zimmer kontrollierten wir noch einmal meine Temperatur, erneut fast 39 C.

Wir verbrachten den Tag in dem schönen Hotelzimmer mit Zimmerservice und da mein Fieber auch am Abend noch gleich hoch war, beschlossen wir einen weiteren Tag anzuhängen. Ich kann euch sagen mit Anfang vierzig sind 39 Grad Fieber ein wirklich blöder Zustand. Zum Glück haben wir immer ein paar Kochsalzinfusionen in unsere Notapotheke mit und Nina legte mir eine Leitung. Das half mir und ich fühlte mich bald besser. 

Und noch immer kein Kühlschrank

Der Dometic Händler den wir am nächsten Tag aufsuchten, untersuchte unseren Kühlschrank mit meinem Messgerät. Er selbst hatte Keines und kam nach einer halben Stunde während wir in zweiter Spur auf der dicht befahrenen Hauptstrasse standen, zum selben Schluss wie ich. Eines der beiden Steuergeräte war defekt. Er konnte nicht sagen welches. Um das Ersatzteil zu bestellen, wollte er die ganze Summe im Vorhinein und er hatte keine Ahnung wie lange die Lieferung dauern würde. Vielleicht drei Monate. Wir verzichteten und ich schrieb später am Abend unseren schrecklich unfähigen Verkäufern in Texas unser Problem und, dass sie uns die Teile senden sollten.

Wir spazierten ein wenig durch die Strassen bei unserem Hotel. Leider kamen wir zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt nach Mexico City. Vor einem Tag wurde die Hauptstadt zur roten Zone erklärt. Dies hatte zur Folge, dass viele Restaurants und Geschäfte geschlossen hatten. Auch hatten alle Museen und öffentliche Plätze – sprich alles, was interessant war in Mexico City, geschlossen. Wir versprachen wiederzukommen. 

Nach Osten

Der nächste Bundesstaat den wir durchfuhren war der nördliche Teil von Oaxaxa. Obwohl es zwischen den Bundesstaaten keine wirkliche Grenze gibt, existieren Militärkontrollen die so manches Autos zur Seite winken, um Durchsuchungen durchzuführen. Wir hatten von unserem Erlebnis in Mexico City gelernt und aktivierten nun immer unsere “Gopro” und zusätzlich richteten wir an jedes Fenster, gut sichtbar für jeden, jeweils Kamera mit Mikrofon. Das tat seine Wirkungen. Nachdem die Polizisten die Kamera gesehen hatten, wurden wir durchgewunken.

Oaxaxa ist bekannt für die indogenen Völker und deren Kultur, die hier besser überlebt haben und präsenter sind als im Rest von Mexico. Ein wichtiges Touristengebiet und auf unserer Liste ist die Küste mit dem Hauptort Huatulco und den Sandstränden von Puerto Escondido, Puerto Ángel, Zipolite, Bahia de Tembo und Mazunte. Orte, die einen zum Träumen bringen und wir später besuchen wollten.

Alle Strände waren derzeit wegen Covid gesperrt und boten vorerst kein so attraktives Ziel. Oaxaca ist auch einer der biologisch vielfältigsten Staaten Mexicos und gehört neben Chiapas und Veracruz zu den Top Drei, was die Anzahl der Reptilien, Amphibien, Säugetiere und Pflanzen betrifft. Yay, da freuten wir uns. Ich war ja ein riesen Freund von Schlangen und Skorpionen.

Weiter gings durch Veracruz, der Küstenstadt, die nicht nur für seine Strände bekannt ist, sondern auch für den höchsten Berg in Mexico, dem Pico de Orizaba, auch bekannt unter dem leicht auszusprechenden Namen “Citlaltépetl”. Mit 5636 Meter überragt er den Mont Blanc um fast 1000 Meter. Hoch genug um Kopfschmerzen zu bekommen. Uns zog das Meer im Moment mehr in seinen Bann.

Dann ging’s nach Tabasco. Ja, wie die berühmte Sauce. Um diese Geschichte kurz zu erzählen, da wir ja schon selbst in Louisiana in der USA bei dieser berühmten Fabrik standen:

In der Zeit vor dem Bürgerkrieg in den USA wurde ein Plantagenbesitzer aus New Orleans namens Maunsel White berühmt, weil er auf seinen üppigen Dinnerpartys eine spezielle Sauce reichte. Diese wurde hergestellt aus Pfeffern, die ihren Ursprung im Bundesstaat Tabasco in Mexiko hatten. Von dieser Dinnerparty wurde ein gewisser Edmund McIlhenny inspiriert und gründete mehr als 20 Jahre später ein Unternehmen und ein Produkt mit dem Namen “Tabasco”. Dada!

Von dieser kleinen Anekdote abgesehen, verfügt Tabasco über eine Küste im Norden mit dem Golf von Mexico. Der größte Teil des Staates ist mit Regenwald bedeckt, da es im Gegensatz zu den meisten anderen Gebieten Mexicos das ganze Jahr über reichlich Niederschläge gibt. Der Staat beherbergt auch La Venta, den Hauptstandort der Olmeken-Zivilisation, der als Ursprung der späteren mesoamerikanischen Kulturen gilt. 

Eine Stadt wird desinfiziert

Unsere Bargeld Reserven neigten sich dem Ende und so suchten wir via Google Maps den nächsten ATM. Wir kamen in einen kleinen Ort, der in einem schrecklichen Zustand zu sein schien. Zwei Gedanken schossen mir durch den Kopf, als ich die mit Müll und Unrat übersäten Strassen sah: Wir waren entweder in einem Kriegsschauplatz oder es handelte sich um einen perfekt präparierten Drehort für einen postapokalyptischen Zombiefilm. Ich entschied mich für letzteres. Gelbes Absperrband verhinderte bei einigen Strassen unser Vorwärtskommen und so erkundigten wir unfreiwillig den Ort.

Einige Menschen sassen in Gruppen mitten auf der Strasse und zeigten auf uns als wir sie passierten. Manche Gestalten kamen aus schattigen Seiteneingängen und gingen uns langsam hinterher. Definitiv Zombies. Irgendwie furchteinflössend. Wir waren das einzige Auto in den Strassen und als Menschen wiederholt auf unserem Weg zum ATM auf uns zeigten, wussten wir, dass irgendetwas im Busch waren. “Wir sollten einen anderen ATM finden”, sagt ich im Flüsterton zu Nina. Als würden mich die finster dreinblickenden Gestalten hören können. “Ach was, wir sind gleich da. Wir heben nur kurz Geld ab und dann sind wir schon wieder weg”, antwortete Nina cool.

Weniger später standen wir vor einer Bank. Ich betrat die einst schöne Halle, in der vier ATMs in der Wand eingelassen waren. Drei davon waren großzügig mit gelbem Klebeband verklebt. Nur einer der vier war in Betrieb. Ich steckte unsere Kreditkarte in den Automaten und wartete. Es dauerte eine Ewigkeit bis das Menü angezeigt wurde. Ich wählte Barbehebung und tippte meinen Code ein. Dann wartete ich. Fünf Minuten lang. Ich drückte auf einige der Tasten aber nichts geschah. Dann hörte ich eine Sirene gefolgt von einer Lautsprecherdurchsage. Nina winkte mir aus dem Auto, dass ich kommen soll. Ich gestikulierte meinerseits, dass der ATM nicht funktionierte. Ich war ein lausiger Charadespieler.

Die Lautsprecheransage näherte sich. Ich sah wieder zum ATM. Plötzlich wurde der Bildschirm schwarz und es zeigte mir an, dass der ATM neustartete. Ich hasse Windows. Wie man auf ein System, dass wichtig war Windows installieren konnten, war mir seit jeher ein Rätsel. Kein wunder dass es so viele Spinner da draussen gibt, die meinten dass Bill Gates uns alle Chips implantieren will. Ich hoffe nur die funktionieren ohne Windows. Ich blickte wieder zu Nina, sie winkte jetzt ein klein wenig panisch. Ich lief kurz hinaus und berichtete ihr, dass der ATM unsere Kreditkarte geschluckt hatte. Dann bog ein Auto um die Ecke mit einem Lautsprecher auf dem Dach montiert. Das Auto fuhr langsam durch die Strasse und die Durchsage ertönte erneut. Die Tonqualität war so schlecht, dass ich kein Wort verstand.

Ich stürmte wieder zurück in die Bank und warf einen Blick auf den ATM. Der Bildschirm war irgendwo im Neustartvorgang eingefroren. Bravo. Keine Karte. Ich suchte den Raum ab und fand ein Servicetelefon. Ich nahm den Hörer von der Wand und bevor der Hörer mein Ohr erreichte, krachte der ganze Apparat von der Wand. F**k. Freizeichen oder irgendeine andere Form von Ton erhielte ich auch nicht.

Das Auto mit dem Lautsprecher hatte unseren Camper mittlerweile passiert und fuhr weiter. Ich klopfte an der einzigen Türe in dem Raum die offenbar weiter in die Bank führte. Keine Antwort. Nina gestikuliert nun wild, zeigte nach hinten und zeigte mit den Händen eine Explosion. Ich hatte keine Ahnung was das bedeuten soll. Sie war vielleicht nicht besser in Charade als ich. Ich klopfte weiter an der Türe und gab schliesslich auf. Als ich ins Freie trat, sah ich den grossen Tanktruck mit militärischen Farben. Links und rechts war eine Apparatur angebracht, aus dem eine Flüssigkeit mit Hochdruck in alle Richtungen schoss. Auf die Strasse auf die Wände auf Glasflächen. Einfach überall hin.

Ich sprang auf den Beifahrersitz und meinte “Die desinfizieren tatsächlich die ganze Stadt”. Dann fügte ich noch hinzu “Nichts wie weg hier”. Das musste man Nina nicht sagen, sie war schon wieder auf der Strasse bevor ich den Satz beendet hatte. Ich sperrte sogleich die Karte. Anzahl der verbleibenden Kreditkarten: 2.

Der Golfküste entlang

In Paraiso, etwa 75km nördlich der Landeshauptstadt Villahermosa, sahen wir seit Texas erstmals wieder das Meer. Von dort aus ging es an der Küste entlang, durch winzigste Ortschaften, in denen es teilweise keine Elektrizität und fliessend Wasser gab. Unser Pepe wurde betrachtet und angegriffen wie ein Ufo, das gerade vom Mars auf Besuch gekommen waren. Tourismus wenn überhaupt gab es nur nationalen. Wir passierten Orte wie Chiltepec, was so viel hiess wie der Ort der Chilis. Und tatsächlich vor den einfachen Hütten waren Berge von Chilis auf einfachen Tischen aufgehäuft. Wir fanden Shrimps ebenfalls in Bergen vor Hütten aufgehäuft und Fische, die an Haken an Palmen hingen. An atemberaubenden Stränden, wie dem Playa Miramar oder Playa Pico de Oro blieben wir stehen und genossen, dass wir den Strand für uns alleine hatten.

Wir überquerten den Usumacinta River und gelangten in unseren nächsten Bundesstaat Campeche und somit wieder in eine rote Corona Zone. Den “Grenzübertritt” schafften wir mit unseren aufgestellten Kameras wieder ohne Probleme. Angehalten, reingeschaut, Kameras gesehen, verwunderter Blick auf mich und dann winken zum weiterfahren. Ein herzliches “Gracias” wünschte ich den verdutzt dreinblickenden Polizisten.

Auf dem Highway 180 fuhren wir weiter Richtung Osten. Auf einer Seite dichter und undurchdringlicher Dschungel, auf der anderen Seite einfaches Farmland. Hier war der dichte Dschungel, groben Wiesen gewichen auf denen ein paar Kühe standen. Dazwischen immer wieder ein einfaches Haus. Später erreichten wir die Isla del Carmen. Eine Insel, die durch jeweils eine Brücke mit dem Festland verbunden war. Obwohl wir das Meer mit seinen schneeweissen Sandstränden fast immer im Blick hatten, gab es fast keine Gelegenheit dorthin zu gelangen. Private Gründstücke mit Zäunen und Stacheldraht versehen, hindernden den Zugang. 

Treffen mit Reisende

An einen der wenigen Strandzugängen sahen wir von der Strasse aus ein Wohnmobil. Wir erkannten die europäische Bauweise und entschieden uns spontan den Besitzern einen Besuch abzustatten. Es waren Franzosen. Wir fragten, ob sie bereit waren “ihren” Strand mit uns zu teilen. Pierre und Monica waren seit etwa einem Jahr mit ihrer drei jährigen Tochter unterwegs. Sie hatten ihr Wohnmobil nach Halifax in Nova Scotia, Kanada verschiffen lassen. Dann hatten sie die USA von Nordosten bis zum Südwesten durchquert und hatten einige Zeit in der Baja California, im Norden Mexicos verbracht. Die Covid Krise hatten sie in einsame Gebieten in Mexico vertrieben, bevor sie nach Campeche gekommen waren. Merida war ihr nächstes Ziel und dann, wie wir, nach Tulum und Playa del Carmen.

Wir tauchten in das badewannen-warme türkisfarbene Meer ein und liessen uns treiben. In beide Richtungen so weit das Auge reicht weisser Sandstrand und sonst nichts. Es gab Schildkröten Nester die gekennzeichnet waren. Es war paradiesisch. Wir tranken Kaffee und genossen das Meer. Wir merkten richtig wie die Spannung der letzten Monate von uns abfiel. Ninas Fuss, die Unsicherheit wohin es weitergeht, der Stress mit dem Verkauf unseres Wohnmobils und des kleinen Fiat500, der Kauf unseres Pepes und die schwierige Einreise nach Mexico. Das Gespräch mit anderen Entdeckern inmitten von nirgendwo tat uns gut. 

 

Reisende und covid

Viele unserer reisenden Freunde liessen sich von der Pandemie nicht abhalten weiterhin die Welt zu erkunden. Andere waren vor Furcht erstarrt. Nicht immer Furcht vor dem Virus, öfter von den Reaktionen ihrer Mitmenschen. 

Manche kehrten tatsächlich in ihr ehemalige Heimatland zurück. Das schlimme ist nicht der Virus, es sind die Menschen. Manchmal denke ich, dass die Pandemie nur ein Ventil für den aufgestauter Hass und die Hilflosigkeit der heutigen Zeit ist. Menschen, die auf der Strasse oder in den sozialen Medien mit dem Finger auf eine Person zeigten und riefen “Hey Du, setze deine Maske auf” oder “Wer nicht zuhause bleibt, tötet Menschen” oder “China ist verantwortlich” oder “Covid ist eine Erfindung und existiert gar nicht” oder all den anderen BS.

Vor nicht ganz 100 Jahren zeigten “brave” Bürge in Deutschland auf Menschen und schrien “Hey, du Jude”. Auch sie hatten eine Unzufriedenheit in sich und folgten im blinden Gehorsam einer gewählten Regierung, ohne selbst zu denken, ohne ihre Stimme zu nutzen. Wie kommt es, dass wir Menschen so bequem und faul in unserer Existenz geworden sind und so schnell vergessen.

You can only understand someone after you’ve run a mile in their shoes.

Ein amerikanisches Sprichwort sagt: “Du kannst jemanden erst verstehen, wenn du eine Meile in seinen Schuhen gelaufen bist.” Der Zweck dieses Sprichwortes ist es, uns daran zu erinnern, dass wir nicht wissen können, wie es ist, in der Realität eines anderen zu leben. Man weiss nicht genau, was jemand anderer durchmacht, was seine Gründe sind, etwas so zu tun, wie sie es tun.

Ein “Judgmental-Detox” würde uns allen guttun. Egal welche Ansicht jeder von uns über Covid hat – be nice to each other – sollte an erster Stelle stehen.

Planänderung

Am nächsten Tag zeigte unser Navigation plötzlich eine andere Route an. Laut Google war die Route über Xpujil direkt nach Chetumal im äussersten Süden von Quintana Roo gesperrt. So fuhren wir stattdessen Richtung Merida im Bundestaat Yucatan und weiter über Valldolid nach Tulum.

Amazing Food

Die meisten Häuser, die wir entlang unserer Route sahen, bestanden aus lokalen Materialien, die Dächer aus Palmwedeln oder sogar Pappe, Wände aus Laminat oder Holz mit Fundamenten aus Zement oder gepackter Erde. Soweit wir das beurteilen konnten, hatten nur wenige Häuser eine Stromanschluss bzw. verfügten über fliessend Wasser. Ob die Menschen hier deswegen “ärmer” waren, wagte ich zu bezweifeln. Menschen lächelten uns an und wir bekamen mehr freundliche und neugierige, als misstrauische Blicke.

Tulum / Akumal

Als wir einige Tage später auf der Terrasse unseres Apartments in Akumal sassen und mit einem Glas Wein den Sonnenuntergang bewunderten, schweiften unser Gedanken erneut zu dieser einmaligen Fahrt. Schlafen auf Tankstellen und irgendwo neben Strassen, auf einsamen Stränden und neben lauten Truckstops, schwarze Kühe inmitten der Fahrbahn, Fahren bei Nacht auf den Schlaglöcher übersähten Strassen (manche waren so gross, dass ein Mensch sich darin verstecken konnte), einfache Dörfer, neue Bekanntschaften, korrupte Polizisten, Desinfektion eines gesamten Dorfes, einsame, wilde Sandstrände mit Schildkrötennestern und vieles mehr. Vor allem die unbarmherzige Hitze in den Nächten machte uns zu schaffen und würde uns noch lange im Gedächtnis bleiben. 

Wir hatten unser Apartment in einer “gated community” für ein Monat gemietet. Der Komplex, in der das Apartment untergebracht war, gehörte zu einem Hotel und daher durften wir den Hotelstrand mitbenutzen.  Im Sommer waren noch alle öffentlichen Strände wegen der Krise gesperrt und nur die Hotelstrände durften offen haben. So genossen wir die nächsten Wochen mit köstlichem Essen, türkisfarbenen Wasser vor weissem Sandstrand und wenigen Menschen. Nur an Wochenenden buchten Mexikanische Familien das Hotel auf die maximal erlaubten Kapazität aus und belagerten mit hektoliter Bier und gigantischen Lautsprechern den Strand. An diesen Tagen blieben wir meist in unserem Apartment. Wir schlossen neue Freundschaften, liessen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Noch immer trauerten wir unser missglückten Firmengründung in Kalifornien hinterher. Vielen Dank nochmal dafür lieber Covid. 

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Gerade als wir uns so richtig eingelebt hatten und die ersten Projekte im Rollen waren passierte etwas, mit dem wir definitiv nicht gerechnet hatten. Ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule der leider ohne Operation nicht wieder weggehen würde. Woher ich das wusste? Weil die Schmerzen trotz Morphin noch zu spüren waren. Die Geschichte die zu dieser Diagnose führte und wie es nach der Diagnose weiterging erzählen wir euch vielleicht ein anderes Mal. Soviel kann ich euch schon vorab verraten.

Unser Reiseversicherung verweigerte die Operation in Mexico und organisierte einen Transport nach Österreich, um die Operation dort durchzuführen. In Österreich startete dann der Albtraum erst richtig. Nach unmenschlicher und leider nicht stattfindet Behandlung im Krankenhaus Wiener Neustadt, blieb uns keine Wahl, als mich auf eigene Kosten in einem Privatkrankenhaus operieren zu lassen. Das Geld für diese kostenintensive Operation haben uns Freunde geliehen. Wir hätten nicht gewusst wie wir sonst – und ohne bleibende Schäden – weitermachen sollten. (Danke in den Grabe)

Die zwei Monate, bis ich brauchte um flugfähig zu werden, verbrachten wir in unterschiedlichsten Länder in Europa. 

Zurück im Paradies

Seit drei Monaten sind wir nun wieder in Mexico an der Riviera Maya. Das nächste Mal erzählen wir euch über das Leben hier und unsere ersten Schritte in Playa del Carmen.

 

We have been back in Mexico on the Riviera Maya for two months now. Next time we will tell you about life here and our first steps in Playa del Carmen.

Hi, ich bin Jürgen. Die meisten kennen mich als Jay. I know, das kann manchmal verwirrend sein. Wie ich zu meinem neuen Namen gekommen bin, hat mit hunderten falschen Starbucks Bechern, die allesamt mit anderen Namen beschriftet waren, zu tun. So kraftvoll wie in diesen letzten Jahren ist mir das Leben noch nie begegnet und es darf mich nicht wundern, dass ich das Reich von schnellen und unpersönlichen Geschäften und dem Erfüllen der Erwartungen der Gesellschaft hinter mir gelassen habe. Ich habe mein Sakko gegen Wanderkleidung und Shorts getauscht, das Aftershave gegen Insektenspray und mein Auto gegen einen Camper.

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