Eine grosse Wolke hat sich genau dort positioniert, wo in wenigen Minuten die Sonne aufgehen wird. Neben mir Nina und daneben haben es sich ein halbes Dutzend Menschen im warmen weissen Sand bequem gemacht. Die Szenerie wie aus einer Postkarte. Ein langer weisser Sandstrand erstreckt sich kilometerweit in beide Richtungen. Palmen wachsen überall. Dann der Sonnenaufgang. Wie Jo Walton so treffend schrieb “There’s a sunrise and a sunset every single day, Don’t miss so many of them.”

Wie die meisten Sonnenaufgänge in den vergangenen Jahren war auch dieser einzigartig. Die Wolke teilte das Licht der aufgehenden Sonne und erzeugte eine unwirkliches Bild. Gemalt mit gold, blau und einer Reihe dunkler Farbtöne. In der Zwischenzeit war Nina in das warme Meer eingetaucht und genoss das Salz auf Ihrer Haut. Ein fantastisches Bild und ich nehme meine Kamera die griffbereit neben mir liegt und halte den Moment fest.

Nachdenklich wiege ich das gute Stück in meinen Händen und bin glücklich sie wieder verwenden zu können. 2kg wiegt die Kamera zusammen mit der Linse. Mehr als 8 Wochen durfte ich diese nicht tragen. Sagte der Arzt. Auf das hat er mit Nachdruck bestanden. Heute sind über 12 Wochen seit meiner Operation vergangen. Einer Operation an der Halswirbelsäule.

Tja, jetzt wisst ihr warum ich so happy bin, meine Kamera wieder zu benutzen und warum wir schon eine gefühlte Ewigkeit nichts mehr hier geschrieben haben.

Aber alles von Anfang an. Am Ende unseres letzten Beitrages brachen wir mit defektem Kühlschrank Richtung Mexiko auf. Und genau an diesen Zeitpunkt will ich euch nun entführen. Und eines gleich vorweg – auch zwei Monate später haben wir noch keinen funktionierenden Kühlschrank.

….vor mehreren Monaten vor der Grenze zu Mexiko

“Das kann es nicht sein”, sagt ich mit zweifelnder Stimme zu Nina. Direkt vor uns war der Grenzübertritt nach Mexiko. Geschlossen. Eine Barriere von Gittern und kleinen roten Hütchen versperrte uns den Weg. Die drei Grenzhäuschen, die sich unter einem riesigen Flachdach vor der brütenden Hitze versteckten waren, menschenleer. Auch auf den Strassen gab es niemanden. Der kleine Ort Eagle Pass schien verlassen. Geschäfte und Restaurants standen einsam und verlassen in der brütenden Sonne. Unser Klimaanlage rannte auf Hochtouren, um erträgliche Temperaturen im Wageninneren zu schaffen. Für unseren Grenzübertritt hatten wir die kleinste Grenze in Texas gewählt – Eagle Pass. Hier hatten wir nur positive Übertrittsberichte gelesen. “Es muss noch einen anderen Grenzübertritt hier geben”, sagte ich langsam, ein wenig unglaublich als ich auf die gesperrte Grenze schaute. Ich zog Google Maps zu rate. Ich studierte die Karte und tatsächlich, der kleine ausgestorbene Ort im Süden Texas, hatte zwei Grenzübertritte. 

Wenig später passierten wir die US Seite der Grenze – also die Ausreise – und überquerten auf einer kleinen Brücke das Niemandsland. Auf dieser würden wir wohl übernachten müssen, wenn uns die Mexikanischen Grenzbeamten nicht einreisen lassen würden. Auf der Gegenfahrbahn – also Richtung USA – stand eine sehr lange Wagenkollone, bereit in die US einzureisen. Aussnahmenlos Texanische Nummernschilder. Soviel zu “essientiall Travel only”. Wir waren auf unserer Seite das einzige Auto. Ob das ein gutes Zeichen ist. 

Im Schritttempo näherten wir uns dem riesigen Grenzgebäude zu dem vier Fahrspuren führten. Der Grenzbeamte, mit Maschinengewehr bewaffnet, winkte uns zu sich heran. Der Augenblick der Wahrheit war gekommen. Ich öffnete das Fenster und reichte dem Grenzbeamten unsere Reisepässe. Er blätterte ein wenig darin herum und gab sie mir dann zurück. Dann wollte er den Camper von innen sehen. Ich stieg aus, öffnete die Heckklappe des Trucks und die Eingangstüre unserers Truckcampers. Er wühlte einige Minuten mit Taschenlampe in allen möglichen Schubladen herum und stieg dann wieder aus.  Er lächelte und meinte “what a cool camper”. Dann lächelte er noch breiter und sagte “welcome to Mexico”.

Wir waren erfreut und verwirrt zur selben Zeit. “Wie läuft das nun mit der Einreise, mit dem Visum, usw.”, fragten wir nach. Er meinte, wir müssen dazu nach Allende, das etwa eine Stunde entfernt lag. Dort gebe es ein Immigration-Office sowie einen “Banjercito” Schalter. Banjercito ist die Regierungsbehörde, zuständig für den Import von Fahrzeugen nach Mexiko. In unserm Fall benötigen wir eine temporäre Importberechtigung für die sechs Monate, die wir planten in Mexico zu bleiben.
Wir bedanken uns und fuhren los. Wir waren in Mexico. Yay.

Allende

Wir fuhen eine gute Stunde durch die Wüste und erreichten bei brütenden 43 Grad Allende. Der winzige Ort hatte eine düstere Vergangenheit. 2011 hatte ein “Mitarbeiter” des Drogenkartells “Los Zetas” 5 Millionen USD unterschlagen. Er wurde aufgefordert das Geld zurückzugeben sonst würden er und alle die er kannte getötet werden. Das Geld wurde nicht zurückgegeben und daraufhin wurden etwa 500 Bewohner getötet, 80 Familien entführt und 80 Häuser mit schwerem Gerät abgerissen. Von Allende aus wurden zwischen 500 und 800 kg Kokain pro Monat über die Grenze, von der wir gerade kamen, geschmuggelt. Das entsprach etwa 16 Millionen USD. Alles in allem, also kein so netter Ort, um an einer Stadtbesichtigung teilzunehmen oder zu übernachten. 

Wir fuhren an halb fertig gemauerten Häuser vorbei. Als Dächer dienten blaue Plastikplanen. Mexikaner boten auf der Strasse Chipstüten und andere Snacks zum Kauf an. Dazwischen immer wieder ein wilder Hund auf der Suche nach etwas Essbarem. Dann eine Strassensperre, davor ein baufälliges Haus und eine Wellblechhütte, vor der bereits vier Autos in einer Schlange standen. Wir reihten uns ein. Als wir nach zwanzig Minuten an der Reihe waren, traf uns das erste Mal die Sprachbarriere. Die Frau, die unser Pässe entgegennahm sprach kein Wort Englisch und wir noch kein Wort Spanisch. Sie wies uns den Weg in das baufällige Gebäude hinter der Hütte. 

Banjercito – Die Albtraumbehörde

Wir parkten und betraten mit Mundschutz das nach Urin stinkende Gebäude, in dem es noch heisser zu seinen schien, als draussen. Zu unserer Linken erstreckten sich sieben Schalter des Banjareco, auf der rechten Seite war ein einziger Schalter für das Visa. Letzterer schien unbesetzt zu sein und so wendeten wir uns vorest dem Banjercito Schalter zu. Eine einzige Person war anwesend. Wir reichten alle erforderlichen Dokumenten durch eine winzige Durchreiche. Die junge Mexikanerin nahm die Dokumente wortlos entgegen und startete die Durchsicht. Texanisches Auto, Österreichischer Pass, Internationaler Führerschein. Sie tippte und klickte auf ihren Computer.

Die gesamte Rückseite der Schalterreihe war verspiegelt. So konnte ich den Eingaben der junge Frau folgen. Ich vermutete das sie neu war, da sie für jedes Feld mehrer Minuten benötigte. Nach einer guten Viertelstunde stand sie auf uns verschwand durch die einzige Türe im Raum. Sie kam nicht mehr. Die erste Viertelstunde übte ich mich in Geduld und betrachtete das heruntergekommen Gebäude. Ich stellte fest, dass normalerweise mehrere Schalter existierten, diese jedoch mit Holzplatten vernagelt waren. Ob dies Covid19 geschludet war oder nur mexikanischen Kürzungen, konnte ich nicht sagen. Ein uralter Fernseher war in einer der Ecken montiert. Es lief ein etwa dreiminütiger Werbespot des mexikanischen Militärs. Untermalt mit heroischer Musik. Ich kenne jede Szene dieses wie eine Telenovela produzierte Werbevideo, dass mir noch heute schlecht davon wird.

Nach einer weiteren halben Stunde, öffnete sich die Türe und Mario, ein kleiner schwitzender Mexikaner, kam heraus. Er hatte eine dieser seltsamen Frisuren, in der die Seitenhaare über die Glatze auf die andere Seite gekämmt waren. Gehalten wurde das Ganze durch Schweiß, der in Strömen über sein Gesicht lief. Er betrachtete mich wie eine Katze ihr nächstes Mittagessen. Dann setzte er ein “euch-werde-ich-es-zeigen” Lächeln auf. Er reichte mir die Papiere durch den Schlitz und sagte im gespielten Bedauern “No!”. Ich fragte ihn auf Englisch warum? Wir hatten alle Unterlagen korrekt. Er lächelte erneut und verschwand hinter der Türe. Weniger Später kam er aus einer andere Türe zu uns in den Warteraum zeigte mir mit einem Wink ihm zu Folgen. Als wir draussen an unserem Truck angekommen waren, zeigte er auf die Type “F-250” das seitlich am Truck angebracht war, streckte seinen Zeigefinger darauf und bewegte in von links nach rechts. Dann sagte er “No!”. Er schien das sichtlich zu genießen. Ich fragte ihn erneut warum und wusste schon auf was er hinaus wollte. Für das temporäre Import Permit durfte das Fahrzeug nicht mehr als 3.5 Tonnen wiegen. 

Ein hartnäckiger Übersetzungsfehler

Irgendwann 2007 als die Vorschriften für den Import in Mexiko erneuert wurden, gab es einen “Übersetzungsfehler”. In der USA wird bei den Fahrzeugen kein Eigengewicht angegeben sondern nur das Gesamt zulässige Gewicht (GVWR). Darin ist das Eigengewicht des Fahrzeuges, sowie alle möglichen Passagiere und sämtliche Zuladungen eingerechnet. Bei unserem Truck entspricht dies etwa 5.8 Tonnen. Der “Übersetzungsfehler” ist nun das, was der Mexikanische Banjercito meint, die 5.8 Tonnen sind das Eigengewicht. Für diesen seit vielen Jahren bekannten Fehler gab es ein offizielles Dokument, das klarstellte was das GVWR ist – auf Spanisch. Zusätzlich hatte ich vorsorglich unseren Truck auf einer offiziellen registrierten Wiegestation wiegen lassen und die Fahrzeugnummer auf dem Wiegeergebnis festhalten lassen. Unser Truck mit Truck Camper wog 3.2 Tonnen. Ich reicht Mario die Dokumente. Er sah mich einfach nur an, sah kein einziges Mal auf die Dokumente und sagte erneut “NO!” und ging wieder hinein.

Ich folgte ihm und als er wieder hinter dem Schalter verschwinden wollte, verstellte ich ihm den Weg. Alle Unterlagen waren korrekt und es gab keinen Grund das TIP nicht auszustellen. Er verschwand ohne eine weiteres Wort. In der nächsten halben Stunde quälte ich die junge Mexikanerin mit den selben Fragen, bis auch sie durch die Türe verschwand. Ich klopfte weiter an die Scheibe, bis Mario wieder herauskam und mir nach etlichen Minuten der Fragerei erklärte, dass es eine Möglichkeit gäbe. Er präsentierte mir ein Formular das von einem Grenzbeamten unterschrieben werden muss, darin erklärt der Grenzbeamte eine Aussnahmegenehmigung für unser “zu schweres” Fahrzeug. Zusätzlich musste der Grenzbeamte den Grund dafür schriftlich festhalten. Mario lächelte süffisant und ich versetzte ihm mit einer rechten Geraden einen Schlag ins Gesicht. Blut schoss aus seiner Nase wie aus einem Springbrunnen und er fiel wie ein gefällter Baum. Neeeein, das tat ich natürlich nicht. Zum Einen, weil ich nicht eine handgreifliche Person war, aber hauptsächlich weil Mario hinter Panzerglas stand. Kleiner Scheisser.
Ich nahm das Formular und ging nach draussen zum Truck. Ich versuchte über Google Maps einen anderen Banjercito Schalter zu finden. Doch leider hatten wir hier keinen Empfang. Das war sicher Absicht, dachte ich mich mir mit dunklen Wolken vor meinem Gesicht. So blieb uns nicht viel anderes übrig als zurück zur Grenze zu fahren, irgendwie jemanden zu finden, der uns die Ausnahmegenehmigung erteilen konnte und wieder zu Mario zurückzukehren. 

Zurück zur Grenze

Auf dem einstüngien Retourweg fragte ich mich, wie ich zu einem Grenzbeamten gelangen sollte, ohne die Grenze zu überqueren. Da wir nicht in die USA einreisen durften, gab es kein raus und dann wieder rein. Es war schon 4pm als wir zur Grenze kamen. Ich fuhr im Schritttempo und suchte nach einer Möglichkeit zu parken. Erst etwa 10 Meter vor den Grenzhäuschen gab es einen kleinen Parkplatz, auf dem lauter Polizeiautos standen. Ich bog ein und parkte. Als ich ausstieg kam mir ein kleiner Mexikaner entgegen und wedelte wild mit der Hand und erzählte irgendetwas auf Spanisch. Ich vermutete, dass ich hier nicht parken durfte.
Ich zeigte ihm das Dokument und signalisierte ihm, dass ich eine Unterschrift benötigte. Auch er sah sich das Dokuemnt nicht an, schüttelte wild den Kopf und fügte das schon so vertraute “NO” hinzu. So stand auch ich da, wedelte mit meinen Händen und dem Dokument und erzählte ihm irgendetwas auf Englisch. Nach ein paar Minuten stand wie hingezaubert ein Texaner neben uns und fragte mich was los sei. Ich erklärte ihm die Situation und er erklärte es dem kleinen Mexikaner. Als dieser nicht verstand, ging der Texaner zu einem der Schalter und fragte die dort sitzende Person. Dieser klappte das Kiefer herunter, da dies offenbar nicht erlaubt war und gestikultierte nun seinerseits wild. Den Texaner schien das nicht zu stören und er redete weiter auf den Grenzbeamten ein. Nach einigen Minuten des Diskutierens nahm der Grenzbeamte das Funkgerät zur Hand. Entweder wir bekämen jetzt Hilfe oder jemand mit einem Gewehr im Anschlag würde uns vertreiben. Schliesslich winkte der Grenzbeamte den kleinen Mexikaner heran und erklärte ihm was zu tun sei. Der Texaner lauschte ebenfalls seinen Ausführungen und erklärte uns, dass uns der Mexikaner zur Einreiseseite bringen würde und wir dort dies mit einem Grenzbeamten besprechen können. Wir bedankten uns bei unserem Retter. Thanks y’all!

Wir wurden über der Strasse, über einen von Unkraut überwucherten Platz zwischen Ein- und Ausreise und schliesslich durch ein kleine Türe in einem Maschendrahtzaun geführt. Ein finster dreinblickender Soldat mit Maschinengewehr empfing uns und begleitete uns zum Bürogebäude. Das Gebäude war geschlossen und dunkel. Minuten später tauchte eine Frau auf, der wir die Situation in Englisch und erfundenem Spanisch erklärten (das ist wenn man englische Worte benutzt und sie versucht spanisch auszusprechen – sehr schlau:-))     

Die Dame war super unkompliziert, schrieb einen kleinen Absatz auf das Dokument, unterschrieb und stempelte das Dokument. Wir erfuhren, dass dieser Banjerito Schalter immer wieder Probleme bereitet und um zu einem anderen zu kommen, müssten wir in die USA zurück und dann an einen anderen Grenzort, zwei Stunden entfernt wieder einreisen. So blieb uns nur das Spiel von Mario zu Ende zu spielen. Wir überquerten ohne Begleitperson das Gelände zurück zu unserem Truck. Ein paar Militärpatrollen beobachteten uns mit misstrauischen Blicken. 

Mit aktivierter Warnblinkanlage entfernten wir uns im Rückwärtsgang von der Grenze. Wir kamen nur langsam voran. Immer wieder wichen entgegenkommende Fahrzeuge nicht aus und blieben hinter uns stehen. Nach etwa einer Viertelstunde kam ein bewaffneter Grenzbeamte an unser Fenster und fragte und was zum Teufel wir hier machten. Wir erklärten die Situation, er überlegte und erklärte sich dann bereit uns zu helfen. So lotste er uns an Absperrhütchen und geschütz von anderen Fahrzeugen die etwa 500 Meter zurück, wo wir die Möglichkeit hatten umzudrehen. Gracias, Senior!

Banjercito – der Albtraum geht weiter

Es war 6.30pm als wir wieder in Allende waren und unsere Unterlagen erneut mit der Genehmigung durch den kleinen Schlitz am Schalter schoben. Die junge Mexianerin begann erneut die Unterlagen durchzuschauen und an den insgesamt vier Feldern auf ihrer Eingabemaske herumzutippen. Das tat sich auch noch nach 20 Minuten. Dann stand sie auf uns verschwand durch die Türe. Die Minuten verstrichen. Mein Blick blieb immer wieder an dem schrecklichen Werbespot für das mexikanische Militär hängen und dieser zermürbenden Musik. 

Nina, die das Auto bewachte, schaute immer wieder zu mir herein und fragte was los sei. Nach einer Ewigkeit erschien unser Folterzwerg Mario und blätterte unsere Unterlagen durch. Als er auf das Ausnahmegenehmigung stiess, zeichnete sich Überraschung auf seinen Gesicht ab. Damit hatte der kleiner schwitzende Scheisser nicht gerrechnet. Er nickte der Mexikanerin zu und verschwand. Haha! Es dauerte noch etwa 20 Minuten bis wir zur Zahlung kamen. 460 USD. 400 USD als Kaution, die wir zurückerhielten, wenn wir das Auto wieder ausfuhren und 60 USD für Bearbeitungsgebühren. Ich fand es höchst seltsam, dass eine Mexikansiche Behörde ihre Preise in USD angab. Ich gab ihr unser US Kreditkarte und sie studierte diese. Fünf. Minuten. Lang. Dann gab sie mir die Karte zurück und meinte “No”. Ich verstand nicht. Nach etlichen Nachfragen erklärte sie mir, dass mein Name wie in den Fahrzeugpapieren auf der Kreditkarte stehen musste. Ich erklärte ihr, dass ich beweisen konnte, dass dies meine Karte war und gab ihr die notwendigen Unterlagen. Nach langem hin und her hatte ich sie weichgekocht und sie war bereit die Karte zu benutzen. Und wie aus dem nichts erschien allerdings Mario, riss der jungen Mexikanerin die Karte aus der Hand, warf sie durch den Schlitz und meinte mit einem eiskalten Lächeln “No!”. Dann gab ich ihm meine deutsche Kreditkarte. Auch diese gab er mir zurück, da mein Vorname nicht ausgeschrieben war. Es stand nur “J” auf der Karte. Ninas Kreditkarte nahm er ohnehin nicht. Arghhh.

Ich fragte ihn schliesslich, ob er Bargeld akzeptieren würde. Er sagt ja, aber nur USD. Da blieb mir erstmal der Mund offen. Ich konnte es nicht glauben. Eine offizielle mexikanische Stelle, die nur USD nahm? Ich ging im Geiste alle Optionen durch. Es blieb uns nur einen ATM zu suchen, Geld abzuheben und dieses dann irgendwie in USD zu tauschen. Da wir keinen Empfang hatten, Mario uns ohnehin nicht behilflich war, ging ich zur Strassensperre und Frage herum ob jemand wüsste, wo ich einen ATM finden könnte. Nach einer gefühlten Ewigkeit traf ich auf eine Mexikanische Grossfamilie, die zusammengepfercht in einem winzigen rostigen Truck sass. Nachdem sich Martin, wie sich das Familienoberhaupt bei mir vorstellte, mit seiner Familie abgesprochen hatte, erklärte er sich bereit, uns zu einem ATM zu führen – in Allende. YaY.

Auf der Suche nach einem Geldautomaten (ATM)

Wir fuhren dunkle und leere Strassen entlang bis nach Allende. Unter den Blicken zerlumpter Gestalten, die in dunklen Ecken sassen, erreichten wir den ATM. Ich stieg aus und bedankte mich bei Martin. “Sei vorsichtig. Es sind schlechte Zeiten für Mexiko und in diesem Ort wohnt das Böse.” Mit diesen Worten fuhr er davon. Wir blieben alleine zurück. “…wohnt das Böse”, klang wie ein Ratschlag wie in einem Film, kurz bevor die Darsteller von einem Soziapathen erstochen, erschossen oder auf eine andere Weise grausam ermordet wurde. Oder von Zombies. Zombies waren immer gut.

Nina blieb im laufenden Auto, verschloss die Türe, während ich die Strassenseite wechselte und den winzigen Raum hinter einer Glastüre betrat. Müll lag überall, Flecken und verschmiertes rotbraunes Zeug war auf den Wänden verteilt, wie in einem Portrait von Hermann Nitsch. Der strenge Geruch nach Urin liess mich würgen. Die kleine Kammer, in der der ATM untergebacht war, luden nicht zum Verweilen ein. Wo eine Überwachungskamera sein sollte, hingen lediglich zwei Drähte aus der Decke. Eine zerbrochen Befestigungsplatte und zwei verbogene Schrauben verstärkten den Hinweis, dass ein Mexikaner keine Lust hatte bei seinen Bankgeschäften beobachtet zu werden – oder bei anderen Geschäften. 
Die Maschine funktionierte nicht. Nachdem ich den Code eingegeben hatte, passierte nichts. Der Bankomat spuckte die Karte einfach wieder aus. Ich wäre nicht überrascht gewesen, wenn auf dem Bildschirm “NO!” gestanden wäre. Zweiter Versuch. Code eingeben. Sprache Englisch. Withdrawel. Einverstanden zu den Spesen. Wechselkurs nicht akzeptieren. Weiter. Nichts. Die Karte kam wieder raus. Ich versuchte es ein drittes Mal. Selbes Ergebnis. Das durfte doch nicht war sein. 

Das war der Vorteil von gläubigen Menschen, die an das Schicksal, das Universum oder das Spagetti Monster glaubten. Sie könnten sich fragen was sie in ihrem Leben falsch gemacht hatten, um so-etwas zu verdienen. Mir bleib nichts anderes übrig, um meine brennenden Augen, das Gefühl mich zu übergeben und den Wunsch sich einfach nur hinzulegen und zu schlafen, zu unterdrücken und einen anderen ATM zu suchen.

Ich fand um die Ecke noch einen in einem identischen Glaskäfig. Tür auf, Müll und Uringeruch ignorieren und die Karte in die Maschine einführen. Ich stellte fest, dass hier die Kamera nicht fehlte, aber definitv ohne Funktion war. Dies verriet mir die rote Farbe die über die Kamera, die Wand dahinter und über die Decke gesprüht worden war. Ein weiters Indiz, dass sie nicht funktionierte, war dass sie hilflos nur an einem Kabel von der Decke baumelte. Code eingeben. Sprache wählen….Nichts. Beim zweiten Mal das selbe Ergebnis. Dann riss ich die Kamera mit aller Kraft aus der Decke, sodass auch das verbleibende Kabel riss und schlug mit aller Macht auf das Display des ATM ein, bis dieses zerbrach. Dann verlies ich das Glashaus und kehrte zum Truck retour. Neeeein, das tat ich natürlich nicht. Es war mittlerweile nach Mitternacht, ich war hungrig, müde und konnte die bürokratische Willkür des kleinen schwitzenden Mexikaners nicht fassen. 

Ich stieg wieder ins Auto und wir erkundeten Allende auf der Suche nach einem anderen ATM. Die Dunkelheit schien das Leben aus der Stadt gesaugt zu haben. Kein einziges Gebäude war erleuchtet oder verriet, dass es bewohnt war. Eingänge und Fenster waren mit schweren Eisengittern versperrt und manchmal waren auch die Eingänge mit Holzplatten vernagelt. Als wir an einer erleuchteten Tankstelle vorbeikamen, war ich froh ein Zeichen der Zivilisation zu sehen. Dann sah ich einen “Santander” ATM. Auf deren Parkplatz sass eine Person gegen eine Wand gelehnt. Eine Kapuze ins Gesicht gezogen und nur vom dunkeln Rot einer glühenden Zigarette erleuchtet. Ich war zu müde um mich zu sorgen. Ich parkte direkt am ATM am Bürgersteig, nahm meinen Bärenspray als Schutz mit und betrat wieder das kleine Glashäuschen. Ich nahm es als gutes Zeichen, dass es nicht nach Urin roch. Karte rein, Code eingeben und Yesss! Geld raus. Ich nahm die 10000 MXN was rund 500 USD entsprach und sprang sofort in den Truck zurück. 

In den nächsten zwei Stunden bettelte ich bei allen und jeden um mir Mexico Pesos in USD zu wechseln. In der Tankstelle, in einem Hotel, vor der Strassensperre. Und tatsächlich zwei Stunden später hatte ich 460 USD zusammen. Zum schlechtesten Wechselkurs aller Zeiten. 

Banjercito – zurück zum Albtraum

Wieder zum Schalter. Der nun unbesetzt war. Ich schlug mehrere Minuten gegen die Scheibe. Nach fünf Minuten öffnete sich die Türe und eine bisher noch nie gesehene Mexikanerin kam heraus und zischte irgendetwas auf Spanisch. Ich ignorierte sie und reichte meine Unterlagen durch den schmalen Spalt. Dann begann sie zu tippen. Nach 30 Minuten kamen wir zur Zahlung und ich gab ihr die 460 USD. Dann erhielt ich das Zertifikat und die Quittung. Dann verlangte ich Mario zu sprechen. Nach ein paar Minuten kam er verschlafen aus der Türe. Ich zeigte ihm das Importzertifikat, indem ich es auf mit aller Wucht auf die Scheibe knallte, setzte meinen herablassendsten Blick auf, den ich noch zustande bekam auf und knallte dann noch meinen ausgestreckten Mittelfinger ebenfalls auf die Scheibe. Meine Lippen formeten das Wort “F..k you”. (Naja das waren zwei Worte – es soll mir verziehen werden) Mit dem Mittelfinger noch hoch erhoben verliess ich dieses Irrenhaus. Am liebsten hätte ich noch den Fernseher mit diesem fürchterlichen Mitlitärfilm heruntergerissen.

Haha!

Mit dem Zertifikat konnten wir die Strassensperre passieren. Ich fuhr noch eine gute Stunde auf der Autobahn bis ich eine Ausweiche mitten im Nirgendwo fand und wir uns zum Schlafen legten. Es hatte noch immer 32 Grad und diesesmal hatten wir keine Klimaanlage. Wir hatten tatsächlich 16 Stunden für unsere “Einreise” gebraucht.

Und hier endet der erste Teil unsere Reise durch Mexico. Im nächsten Teil erzählen wir euch einige Ausschnitte der Reise durch verschiedenste Bundesländer in Mexiko, unserer Ankunft in Tulum und unsere erste Zeit im Paradies, bis sich alles plötzlich änderte.

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